Immer bis zur letzten Sekunde

Der neue CFC-Spielmacher Georgi Sarmov über seinen Wechsel, seine Auswahlambitionen und seine Ziele mit den Himmelblauen

Chemnitz.

Er war der erste Neuzugang des Chemnitzer FC für die kommende Saison, er war der Letzte, der beim himmelblauen Drittligaaufsteiger das Training aufnahm: Georgi Sarmov. Mit dem bulgarischen Mittelfeldspieler unterhielt sich Thomas Scholze.

Freie Presse: Sie haben bislang in der Türkei, in Rumänien und vorrangig bei Clubs in Ihrer Heimat gespielt. Mit knapp 34 Jahren verschlägt es Sie nun nach Deutschland. Warum so spät?

Georgi Sarmov: Als junger Spieler träumt man natürlich von der Bundesliga bzw. einer Karriere in den großen Ligen Mittel- und Westeuropas. Es hat sich einfach nie ergeben. Ich hatte mit Anfang Zwanzig einmal die Möglichkeit, nach Italien zu wechseln, hatte mich aber dann für das gute Angebot aus Istanbul entschieden. Ich bin meinen Weg gegangen, es war ein guter.

Der jetzt in Chemnitz weitergeht. Wer oder was hat Sie ausgerechnet vom CFC überzeugt?

Im Januar habe ich während eines Trainingslagers in der Türkei mit Etar Weliko Tarnowo ein Testspiel gegen den CFC bestritten. Seitdem bestand der Kontakt und auch das Interesse von David Bergner an mir. Mein Trainer bei Etar war Krassimir Balakow, er hat mir zugeraten, nach Chemnitz zu gehen. Jetzt bin ich sehr froh, hier zu sein und in dieser starken Liga spielen zu dürfen.

Sie waren im April beim Sachsenpokal-Halbfinale, das der CFC nach Elfmeterschießen gegen Lok Leipzig gewinnen konnte, Gast im Stadion. Wie hat Ihnen das Spiel gefallen?

Es war ein Match in höchstem Tempo, dazu sehr spannend. Und die Atmosphäre im Stadion war einfach fantastisch - ein schöner Vorgeschmack.

In diesem Spiel haben Sie auch Dennis Grote gesehen, den Sie jetzt beim CFC ersetzen sollen. Trauen Sie sich diese Rolle zu?

Ja. Ich bin erfahren genug, um zu wissen, was ich auf dem Platz zu tun habe. Dennis ist ein überragender Führungsspieler. Wenn die Trainer mir jetzt diese Aufgabe übertragen sollten, werde ich sie so gut wie möglich erfüllen.

Sie haben zwölf Länderspiele für Bulgarien absolviert. Was bedeutet es Ihnen, für die Nationalmannschaft aufzulaufen?

Sehr viel. Ich denke, es ist für jeden Fußballer eine große Ehre, für sein Heimatland zu spielen. Aber auch viel Verantwortung.

Hilft der Wechsel nach Chemnitz für Ihre Auswahlambitionen? Oder ist er eher abträglich, weil Sie jetzt ein wenig aus dem Fokus verschwinden?

Ich denke nicht, dass ich aus dem Fokus verschwinde. Krassimir Balakow, der ja auch Nationaltrainer Bulgariens ist, weiß genau, wie stark die Dritte Liga in Deutschland ist. Wenn ich hier meine Leistung bringe, wird er das registrieren. Ich hoffe, dass ich dabei bin, wenn im September die nächsten Länderspiele anstehen.

War die 2:3-Niederlage Anfang Juni in Sofia gegen den Kosovo das Ende der bulgarischen EM-Hoffnungen?

Die sind in der Tat nur noch minimal. Wir müssen jetzt schon in England gewinnen, um noch Chancen auf die EM zu haben. Das ist nicht unmöglich, aber sehr schwer.

Was halten Sie von Krassimir Balakow?

Er ist ganz toller Mensch mit einem riesengroßen Herzen. In Bulgarien ist er eine Legende. Es ist mir ein Vergnügen und eine Ehre, mit ihm arbeiten zu dürfen.

Und was denken Sie über die deutsche Legende Lothar Matthäus, der ja auch eine Zeitlang Ihr Auswahltrainer war?

Seine Priorität lag auf strenger Disziplin. Das wollte er auch bei der bulgarischen Nationalmannschaft durchsetzen. Mit dieser Idee ist er gescheitert, das hat einfach nicht funktioniert.

In Chemnitz ging es für Sie aufgrund Ihrer Auswahlverpflichtungen mit zwei Wochen Verspätung los. Wie schnell holen Sie diesen Rückstand auf?

Ich hatte nur zehn Tage Urlaub, das war wirklich sehr kurz. Der Vorteil: Ich bin kaum aus dem Rhythmus gekommen, fit und auf dem Level meiner neuen Mannschaftskollegen.

Was ist Ihre größte Stärke als Fußballer?

Dass ich nie aufgebe, immer bis zur letzten Sekunde kämpfe und alles gebe.

Was ist in Deutschland anders als in Bulgarien?

So gut wie alles. Die Einstellung der Spieler zum Training ist professioneller, genau wie die Organisation und das ganze Drumherum. Hier weiß jeder, was er zu tun hat. Es herrscht einfach eine andere Mentalität.

Welche sportlichen Ziele haben Sie mit dem Chemnitzer FC? Den Klassenerhalt?

Mein Ziel ist es nicht, gegen den Abstieg zu spielen. Wichtig ist, dass wir uns möglichst schnell als Mannschaft finden, die alten mit den neuen Spielern zu einer Einheit verschmelzen. Wir gehen dann mit der Einstellung auf den Platz, jedes Spiel gewinnen zu wollen.

Hilft es Ihnen, dass Sie beim CFC mit Kostadin Velkov auf einen Landsmann treffen?

Ja. Ich bin sehr froh, hier so einen netten Menschen getroffen zu haben. Wir kannten uns vorher nicht, jetzt ist Kostadin zu 99 Prozent des Tages an meiner Seite und hilft mir bei fast allem, was zu erledigen ist.


Müller und Milde verlängern vorzeitig ihre Verträge 

Georgi Sarmov, geboren am 7. 9. 1985 in Burgas am Schwarzen Meer, ist der vierte Bulgare in Diensten des CFC. Vor ihm und seinem aktuellen Teamkollegen Kostadin Velkov waren Torwart Antonio Ananiev (1999 bis 2001) und Zvetomir Tchipev (2001 bis 2003) bei den Himmelblauen aktiv.

Tobias Müller und Paul Milde haben ihre bisher bis Sommer 2020 gültigen Verträge vorzeitig verlängert.

Am Donnerstag flog die Mannschaft in ein einwöchiges Trainingslager nach Gniewino in Pommern, rund 70 km nordwestlich von Danzig. Nicht mit an Bord war Kostadin Velkov, der sich am Mittwoch bei der Partie in Auerbach am Knie verletzt hatte, dafür reiste Testspieler Denis Stosik mit. In Polen bestreitet der CFC zwei weitere Testspiele gegen Arka Gdynia (polnischer Erstligist/6. Juli) und Larne FC (nordirischer Erstligist/9. Juli). (ts)

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