"Platz 9 in der Tabelle sagt nicht viel aus"

3. Fußball-Liga: Joe Enochs, der Trainer des FSV Zwickau, spricht über die Hinrunde, Halle als nächsten Gegner und Weihnachten zu Hause

Zwickau.

Fußball-Drittligist FSV Zwickau hat die Hinrunde mit 25 Zählern abgeschlossen und tritt am Sonnabend, 14 Uhr, im letzten Spiel vor der Winterpause beim Halleschen FC und damit beim ehemaligen Coach Torsten Ziegner an. Mit dessen Nachfolger Joe Enochs (47) hat Thomas Prenzel folgendes Interview geführt.

Freie Presse: Wie lautet Ihr Fazit nach Saisonhalbzeit?

Joe Enochs: Wir sind mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben, einverstanden. Wir hatten verschiedene Phasen in der Saison: Welche, in denen wir gut angefangen haben, letztlich aber die Ergebnisse nicht stimmten, gerade zu Hause. Die letzte Phase der Hinrunde war in Ordnung, wenn ich auf unsere Siege in Würzburg und in Münster schaue oder den Heimerfolg gegen Großaspach. Allerdings waren wir auch nicht so überlegen, dass wir uns jetzt ausruhen können. Platz 9 in der Tabelle sagt nicht viel aus. Es geht sehr, sehr eng zu.

Was lief gut, wo gibt es Nachholebedarf?

Schwierig zu sagen, jedes Spiel ist anders. Gegen Münster zum Beispiel haben wir richtig gut gegen den Ball und zielstrebig nach vorn gespielt, waren in der Offensive sehr effektiv und spielüberlegen. In anderen Partien haben wir wiederum zu viele Torchancen und Standards zugelassen und nicht so gut gegen den Ball gespielt, es an Zweikampfstärke vermissen lassen. Es war immer unterschiedlich.

Aber es trifft nicht mehr nur der Torjäger, Ronny König, ins Schwarze ...

Positiv ist auf jeden Fall: Wir haben mit 25 erzielten Treffern ein positives Torverhältnis. Man sieht, dass wir torgefährlich sind, dass wir fast in jedem Spiel ein Tor geschossen haben. Das war für uns sehr wichtig, dass wir sehen, wir haben nicht nur einen Ronny König da vorn. Mit Nico Antonitsch, Toni Wachsmuth, Mike Könnecke, Julius Reinhardt, Nils Miatke, Davy Frick, Tarsis Bonga zu Beginn oder zuletzt auch André Barylla haben wir viele verschiedene Torschützen. Das stimmt mich sehr zuversichtlich.

Nun geht es nach Halle. Was erwarten Sie und was erwartet Ihre Mannschaft dort?

Es ist ein Ostderby, da braucht man nicht viel zu sagen. Es wird viele Zweikämpfe geben. Halle hat sich nach der Auftaktniederlage gegen uns geärgert. Sie wollen sicher Revanche nehmen. Für uns ist es ein schweres Auswärtsspiel. Wir wollen punkten. Das heißt: Wir müssen gut gegen den Ball arbeiten und unsere Torchancen nutzen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Torsten Ziegner, Ihrem Vorgänger?

Eigentlich ganz normal.

Ihr Offensivspieler Janik Mäder ist vergangene Woche an einer Hirnhautentzündung erkrankt, befindet sich wieder auf dem Weg der Besserung. Neben den Betreuern und Mitarbeitern der Geschäftsstelle haben auch die Spieler präventiv Antibiotika bekommen. Kann das nicht die Leistungsfähigkeit reduzieren?

Jeder Mensch reagiert anders. Klar kann es Nebenwirkungen geben. Es war aber nur eine Tablette. Viele Spieler haben nichts gemerkt. Die Ärzte haben uns versichert: Das Spiel ist nicht in Gefahr.

Es war zu lesen, dass die Mannschaft in Münster auch für Janik gewonnen hat.

Nein, die Mannschaft hat sich nur viele Sorgen um ihn gemacht. Ich glaube nicht, dass dies eine Extramotivation für die Partie gegeben hat. Die Jungs haben einfach ein gutes Spiel abgeliefert.

Weihnachten steht vor der Tür. Wie feiert der gebürtige US-Amerikaner Joe Enochs das Fest?

Wir fliegen am Heiligabend in die USA. Unsere ältere Tochter spielt am College noch in der Basketballsaison und hatte keine Chance, nach Deutschland zu kommen. Deshalb treffen wir uns in meinem Elternhaus in Petaluma in Kalifornien. Meinte Große studiert eine Stunde entfernt davon. Das ist machbar.

Das klingt nach einer warmen Weihnacht unter Palmen in Kalifornien?

Vom Wetter her wird es bestimmt wärmer als hier sein. Ansonsten ist vieles ähnlich, und es feiert jeder, wie er das denkt. Wir sind am ersten Feiertag alle bei meiner Schwester eingeladen, essen zusammen Braten. Bescherung ist am Heiligabend und auch noch am nächsten Morgen. Einen Weihnachtsbaum gibt es in Kalifornien auch.

Nahe Ihrer Heimat hatten Mitte November gewaltige Waldbrände viel Leid über die Menschen gebracht. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Das war natürlich schlimm und traurig für die Menschen dort. Die Universität, an der meine Tochter studiert, wurde 14 Tage wegen der Rauchentwicklung geschlossen. Bei solchen Meldungen mit so vielen Toten wird der Blick noch einmal geschärft für das, was wirklich wichtig ist im Leben.

Sie mussten bereits auf Ihrer letzten Station beim VfL Osnabrück mit Finanznöten im Verein klarkommen und damals zwei Ihrer besten Spieler verkaufen. Am Ende wurden Sie beurlaubt. Wünscht man sich als Trainer nicht mal, mit dicker Brieftasche einkaufen gehen zu können?

Für mich geht es nicht immer um die finanzielle Situation, sondern um die Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Und da bin ich sehr zufrieden, wo ich jetzt bin.

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