Boomerang wird zur Mundi-Legende

Das Festival "Mundharmonika live" erlebt im September die 20. Auflage. Es ist auch beliebt beim Sammlern. Die Manufaktur C. A. Seydel Söhne trug dem Rechnung.

Klingenthal.

Als 2010 die Klingenthaler Mundharmonika-Manufaktur C. A. Seydel Söhne die legendäre Boomerang-Harp noch einmal auflegte, waren die Fans weitweit begeistert. "Das war damals eine streng limitierte Auflage von 1000 Stück", schaut Seydel-Geschäftsführer Lars Seifert zurück.

Hinter der limitierten Neuauflage steckt eine ungewöhnliche Geschichte, die von Mitgliedern des in den USA ansässigen Vereins Harmonica Collectors International recherchiert wurde.

1885 hatte im australischen Sydney Jacques Albert eine Werkstatt eröffnet, in der zunächst Uhren und gelegentlich Geigen repariert wurden. Auch sein Sohn Frank arbeitete dort mit. Beiden nahmen bald den Handel mit Mundharmonikas auf und kaufen dafür im Klingenthaler Raum bei Firmen wie F. A. Böhm, G. A. Dörfel, Gebrüder Ludwig und C. A. Seydel. Ende der 1890er Jahre begann die Familie Frank in Sydney mit dem Bau eigener Mundharmonikas der Marke "Boomerang", die auch die entsprechende Form hatte.

Die Fertigung wurde aber nach dem Ersten Weltkrieg, also gut einem Jahrhundert, nach Klingenthal vergeben. Frank Albert schickte seine Entwürfe damals per Schiff von Australien ins Vogtland, eine Reise von mehreren Wochen. Ebenso langte dauerte scheinbar die Rückantwort aus dem Vogtland. Aber die Sache funktionierte, ab 1924 wurde die "Boomerang"-Mundharmonika bei C. A. Seydel gebaut. In Sammlerkreisen gelten diese Instrumente inzwischen als Ikonen.

Die Fertigung in Klingenthal war für die Vogtländer ebenso ein Erfolgsgeschichte, wie für die Händler in Sydney. "Die Australier waren jahrzehntelang ein guter, teilweise sogar ein exklusiver Kunde von Seydel", weiß Lars Seifert.

Es gab eine ganze Reihe "Boomerang"-Modelle, angefangen von Standard Diatonischen bis zu Tremolo- und Oktav-Modellen, aber auch diatonische, die der damals sehr bekannten "Bandmaster" ähnlich waren. Die "Boomerang"- Modelle wurden sogar noch in der DDR bis zum Tod von Frank Albert im Jahre 1962 gebaut.

Eine Neuauflage erlebte der Bau der "Boomerang"-Modelle im Herbst 2004 auf Anregung von Isabella Krapf. Die Österreicherin gehört zu den international bekannten Musikern, die den Neubeginn der Firma nach deren Insolvenz 2003 unterstützten. Die limitierte Auflage verkaufte sich vor allem in den USA und Großbritannien. Es blieb aber bislang der einzige Nachbau eines historisch erfolgreichen Modells.


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