Bürgermeisterin ehrt langjährige Mieter

Vor 50 Jahren zogen drei Familien in den zu dieser Zeit modernen Neubaublock in Triebel ein. Sie fühlen sich dort auch heute noch wohl und schätzen das Miteinander.

Triebel.

Sie sitzen auf einer Bank vor dem Haus, halten einen Plausch und warten. Worauf, das wissen Adeltraut Ficker, Marlies Schroeder und Helga Drochner aber nicht. Nur dies: Bürgermeisterin Ilona Groß (parteilos) will kommen. Nach und nach schlendern auch die Ehemänner Friedhold Ficker und Erwin Schroeder heran, im Sommerabendfreizeitlook. Der Gatte von Helga Drochner verstarb vor vier Jahren. "Die Ilona hat etwas mit uns vor. Da sind wir aber gespannt", sagen die Frauen.

Es kommt bestimmt nicht jeden Tag vor, dass eine Bürgermeisterin oder ein Bürgermeister Familien Danke sagt mit einem Blumenstrauß und einer Urkunde in Anerkennung für 50-jährige Mieterschaft. Anders in Triebel, hier gehört so eine freundliche Geste zum guten kommunalen Ton. Die Fickers, Schroeders und Drochners waren 1968 die Ersten, die eine Wohnung in dem neuen Wohnblock Hauptstraße 37 oder 39 beziehen konnten. "Wir waren so froh. Keine Möbel, aber wir saßen im Wohnzimmer, schauten uns an und dachten: Ist das herrlich! Ich weiß noch, dass mir damals beim Fensterputzen oft schwindlig wurde. Zweiter Stock, das kannte ich nicht", erinnert sich Adeltraut Ficker. Vorbei die Zwischenlösungen, die eigentlich keine Wohnungen waren, sondern nur Behausungen. Nichts mehr mit Provisorien. Endlich Räume, in denen sich die Familien wohlfühlen konnten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Erst recht nach der Wende, als die Bäder tipptopp hergerichtet wurden, als die Zeit des Kohleschleppens vorbei war, weil die Wohnungen moderne Heizungen bekamen und das Dach eine neue Eindeckung - zum Beispiel. Heimat in Triebel - für Adeltraut Ficker, Helga Drochner und ihren späteren Mann Heinz und Erwin Schroeder ist damit mehr verbunden als "nur" eine Wohnung. Als Kinder mussten sie mit den Eltern in den letzten Kriegswirren die Heimat Ostpreußen verlassen, fühlten sich über viele Jahre entwurzelt. Wollten das um keinen Preis noch einmal erleben. Erst in Triebel, in der neuen Wohnung, fanden sie wieder Halt und Ruhe. Adeltraut Ficker spricht nicht nur für sich: "Deshalb sind wir schon so lange hier. Und wir bleiben hier."

Ein Grund dafür nennen die drei Mietfamilien auch damit: Es gibt zwischen den Bewohnern des Neubaublocks keinen Spuk, keine Zwietracht wie etwa anderswo wegen eines Maschendrahtzaunes. Im Gegenteil: Zwischen Alteingesessenen und zugezogenen Jungen herrscht ein Miteinander, gegenseitige Unterstützung ohne viel Federlesen, wenn Hilfe gebraucht wird.

Die Hausordnung, so sagt Friedhold Ficker, wird von allen mehr als nur eingehalten und pünktlich erledigt: "Die Flure sind in Ordnung und sauber, die Wände nicht beschmiert so wie in der Stadt. Sogar unsere Keller können sich sehen lassen." Vor dem Haus der kleine Blumengarten, eine Sitzecke im Grünen oder zu Ostern das Aufstellen einer Krone - sich darum zu kümmern, das schreibt keine Hausordnung vor.

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