"Carmina Burana" sorgt für triumphalen Festspielauftakt

Unter der Überschrift "Naturgewalten" stehen die 13. Chursächsischen Festspiele. Das Auftaktstück hätte passender nicht sein können.

Bad Elster.

Dass Sachsens Finanzstaatssekretär Hansjörg König das Festival als herausragendes Kulturereignis würdigte und Bad Elsters Bürgermeister Olaf Schlott sich in seiner Festrede auf naturgewaltige künstlerische Erlebnisse freute - es war kein übertriebener Vorschusslorbeer. Die Besucher im ausverkauften König-Albert-Theater von Bad Elster gerieten vor Begeisterung schier aus dem Häuschen: Mit minutenlangem Beifall und Bravo-Rufen honorierten sie die Mitwirkenden des Abends, forderten sie mehrmals auf die Bühne und verlangten nach einer Zugabe.

Verdient war das allemal für die Singakademie Dresden, den Chor der Landesbühnen Sachsen, die Solisten Iris Stefanie Maier (Sopran), Andreas Petzoldt (Tenor) und Kazuhisa Kurumada (Bariton) sowie die Elbland Philharmonie und die Chursächsische Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Florian Merz.

Carl Orffs "Carmina Burana" gilt als eines der triumphalsten Werke der Musikgeschichte und wurde grandios und wie aus einem Guss dargeboten. Die aus dem Jahre 1230 stammenden und erst 1803 wiederentdeckten, von Orff 1937 vertonten Spottgesänge, Liebes- und Trinklieder aus einer Klosterbibliothek in Benediktbeuren - eine emotionale Urgewalt. Derb und schmeichelnd, explosiv wie ein Vulkanausbruch und kontemplativ wie am Ende des Tages ein Sonnenuntergang. Selbst dem ansonsten unscheinbaren Triangel wurde Raum geboten, um seinen Klang entfalten zu können. Bei dieser Musik und dem Gesang lief es einem stellenweise eiskalt den Rücken hinunter.

Wer das Konzert verpasste, der hat wirklich etwas verpasst. Das lässt sich im Nachhinein auch nicht ausmerzen, höchstens ausgleichen durch einen Griff ins CD-Regal oder besser noch das Auflegen der legendären Amiga-Schallplatte aus dem Jahr 1975 in der Einspielung mit dem Rundfunkchor Leipzig und Celestina Casapietra unter der Leitung von Herbert Kegel.

Mit einer besonders netten Geste wurden die Besucher von den Chursachsen beim Abschied überrascht: Beim Hinausgehen erhielten sie ein Tütchen mit aussaatbereiten Zwergsonnenblumensamen. Die Natur kann sich also auch sichtbar gewaltig ausbreiten daheim im Wohnzimmer oder erst im nächsten Frühjahr.

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