Chat statt Skihang: Bergwacht setzt auf Onlineausbildung

Lehrgänge am Computer statt Praxis am Hang, Video-Chat statt Lernen in tief verschneiter Vogtland-Landschaft: Wie die Bergwacht auf dem Dach des Vogtlandes durch den Winter kommt.

Schöneck.

Die Praxis fehlt bei der Bergwacht in Schöneck, ebenso die Kameradschaft untereinander und Ausbildungslehrgänge können nur Online stattfinden. Da bekanntlich die Wintersaison coronabedingt ins Wasser fällt und größten Teils keine Kontakte möglich sind, vermittelt Jörg Neidhardt, Leiter der Bergwacht, seinen Mitgliedern zur Zeit am Computermonitor Ausbildungsinhalte im Internet via Video-Chat.

Die Kinder sowie die Erwachsenen der Bergwacht bekommen dadurch zumindest in theoretischer Form Ausbildungsinhalte im Sanitätsbereich und der Erstversorgung vermittelt. Normalerweise werden diese Lehrgänge auch praktisch durchgeführt. Da dies momentan nicht möglich ist, sollen die Onlineschulungen in erster Linie die Mitglieder beschäftigen und weiterhin fördern. Dennoch fehle der soziale Kontakt untereinander. "Die Bergwacht ist sehr familienfreundlich aufgestellt, wir verstehen uns alle sehr gut untereinander. Die zwischenmenschlichen Beziehungen fehlen uns momentan sehr", sagt Jörg Neidhardt. Seinen Worten nach sei man aber froh, wenigsten Online etwas miteinander arbeiten zu können. "Die Kinder, die generell mit besonders viel Leidenschaft in der Bergwacht aktiv sind, sitzen auch jetzt bei den Onlineschulungen mit Eifer vor dem Bildschirm. Aber man merkt auch, dass sich an diesem Punkt die Spreu vom Weizen trennt. Es fehlt einfach die praktische Arbeit untereinander, welche die Begeisterung für die Kinder vermittelt, sie zusammenbringt und die Tätigkeit der Bergwacht auch erlebbarer macht. Auch den Feuerwehren geht es zur Zeit ähnlich", so Neidhardt. Er selbst legt sich für den Onlineunterricht mächtig ins Zeug. Denn diese Form der Ausbildungsvermittlung bringt besondere Herausforderungen mit sich. Demnach kann es bis zu drei Stunden dauern, um den Unterricht vorzubereiten. Insbesondere auch deshalb, weil die einzelnen Inhalte größtenteils digitalisiert werden müssen. Neben dem Thema Erstversorgung wird unter anderem den Kindern am Bildschirm gezeigt, wie man eine Manschette fachgerecht an den Arm anlegt oder wie der menschliche Knochen aufgebaut ist. "Letzten Endes kann man mit dieser Methode die Ausbildungsinhalte nur vertiefen, aber erst in der Praxis lernt man es umzusetzen", so der Ausbilder.

Laut Jörg Neidhardt, habe man durch den Schneefall in den vergangenen Wochen endlich mal wieder einen richtig schönen normalen Winter vor der Haustüre. Das war zuletzt beileibe nicht jedes Jahr so gewesen."Ohne Corona, und bei vollem Betrieb auf den Skihängen, hätten wir bei diesen winterlichen Bedingungen bestimmt schon 50 Einsätze gehabt", sagt er. Doch ganz unbesetzt bleibt die Bergwacht nicht. An den Wochenenden ist sie mit zwei bis drei Mann belegt. Denn da sollen die Schönecker Loipen von Wintersportlern besonders viel genutzt werden. Deshalb hat die Bergwacht für die Wochenenden vom Rettungszweckverband einen Sicherungsauftrag erhalten. Das betrifft ebenfalls die Einrichtungen in Klingenthal, Mühlleithen und in Carlsfeld. Generell ist die Bergwacht für einen Notfall immer gerüstet. Alle technischen Geräte und Fahrzeuge sind gewartet und einsatzbereit. Unterhalb der Woche stehe man auf Abruf bereit.

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