Coronapandemie stellt das System Schule auf den Kopf

Familienkompass Sachsen Die Umfrage der drei großen Tageszeitungen im Freistaat hat die Stimmungslagen der Familien analysiert, auch im Vogtland. Die "Freie Presse" wertet die verschiedenen Themen aus. Heute: Schule.

Plauen.

Gehen Kinder im Vogtlandkreis gern zur Schule? Werden sie optimal gefördert und die Eltern gut informiert? In welchem Zustand sind die Schulgebäude, wie ist die Qualität der Ganztagesangebote und gibt es Probleme mit Gewalt oder Mobbing unter Jugendlichen?

"Freie Presse"-Leser aus der Region, die am Familienkompass teilgenommen haben, bewerten diese Punkte im sächsischen Vergleich überdurchschnittlich gut. Sowohl bei den Lehrbedingungen als auch bei den Rahmenbedingungen in der Schule schneiden die meisten vogtländischen Kommunen leicht besser als andere im Freistaat ab. Einziger Wermutstropfen: Das Schulessen schmeckt vogtländischen Kindern weniger gut.

Ein Punkt, bei dem die Differenz zum Sachsenschnitt besonders groß im positiven Sinne ist: die Klassenstärke. Offenbar sind im Vogtland die Klassen kleiner. Von Grundschulen über Oberschulen, Gymnasien und Förderschulen bis zu Berufsschulen: Rund 24.000 Kinder und Jugendliche besuchen 84 Bildungseinrichtungen in der Region. Mit durchschnittlich 23,7 Schülern stemmen dabei laut dem zuständigen Landesamt die Oberschulen die höchsten Klassenstärken.

Für Jens Uhlmann sind diese Vergleiche aktuell sekundär. Zum Beispiel, weil das Thema Unterrichtsausfall seit einigen Monaten eine neue Dimension bekommen hat.

Der Falkensteiner ist Mitglied des Kreiselternrates und sagt: Corona setze völlig neue Maßstäbe. Mit Blick auf die drastisch steigenden Infektionszahlen und das damit erneut drohende Szenario von flächendeckenden Schulschließungen oder von Unterricht in halbierten Klassen wirft er dem Sächsischen Kultusministerium vor: "Die Zeit seit der ersten Welle im Frühjahr ist nicht ausreichend genutzt worden." Uhlmann fordert neue Qualitätsstandards für den Unterricht in Pandemiezeiten. "Homeschooling macht eine völlig neue Form von Pädagogik notwendig", sagt er und verweist auf Erfahrungen in skandinavischen Ländern. Die bisherige Notpraxis, Übungsblätter aus dem Präsenzunterricht zu kopieren und herumzuschicken, könne keine dauerhafte Lösung sein, warnt er.

Zudem verlangt Uhlmann ganzheitliche Infektionsschutz-Konzepte für den Schulbetrieb und das unmittelbare Umfeld. Es nütze nichts, wenn Klassen im Schulgebäude getrennt würden, auf dem Nachhauseweg dann aber gemischt und dicht gedrängt im Bus stehen würden.

Weitere Probleme sieht er bei der technischen Ausstattung: Zwar würden Schulträger Fördermöglichkeiten nutzen, um digitale Tafeln und Schüler-Notebooks anzuschaffen. Doch was seien zwei Klassensätze auf eine ganze Schule gerechnet? Da würden Fragen nach der Lehrmittelfreiheit für alle Schüler aufgeworfen, die eine juristische Dimension haben, ist er überzeugt. Hinzu komme, dass beim Glasfaserausbau in der Praxis häufig noch immer ein Bogen um Bildungseinrichtungen gemacht werde, weil unterschiedliche Förderprogramme greifen.

"Es reicht nicht, wenn jeder nur auf seinem Schreibtisch Ordnung hält", mahnt Uhlmann zu vernetztem Handeln.


Familienkompass Sachsen

Die Umfrage: Wie familienfreundlich sind die Städte und Gemeinden? Anhand eines Fragebogens mit 101 Einzelfragen schätzten knapp 15.000 Menschen in Sachsen die Lebensverhältnisse in ihrem jeweiligen Wohnort ein. Die Umfrage ist nicht repräsentativ.

Die Auswertung: Die Daten wurden nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewertet. Für 57 Einzelpunkte pro Kommune wurde eine Note ermittelt. 1 steht für sehr zufrieden, 5 für absolut unzufrieden. Da aus einigen kleineren Orten nicht genügend Fragebögen vorliegen, wurden zur Auswertung Kommunen zusammengefasst.

Die Serie: Bis zum Anfang des Novembers veröffentlicht die "Freie Presse" in der gedruckten Zeitung und auch im Internet detailliert die Ergebnisse. Abonnenten finden in unserem Online-Spezial die komplette Auswertung samt einer interaktiven Karte. Wer keinen Zugang zu den digitalen Inhalten hat, kann sich auch ohne weitere Zusatzkosten für das Digitalabo "Premium" registrieren. Füllen Sie dazu bitte online das Formular aus.

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