Der Bürgermeister erneut im Fokus

Eine Unterschriftensammlung will Andreas Kracke in Mühlental zum Rücktritt bewegen. Sieben Gemeinderäte beantragen ein Amtsenthebungsverfahren.

Mühlental.

Mühlentals Bürgermeister Andreas Kracke (Mühlentalfreunde) sieht sich mit Rücktrittsforderungen von mehr als einem Viertel der Einwohner seiner Gemeinde konfrontiert. In einer Unterschriftensammlung, für die drei Bürger der Gemeinde verantwortlich sind, fordern 353 Unterzeichner den Rücktritt des ehrenamtlichen Bürgermeisters. Damit haben viel mehr Einwohner unterschrieben, als Kracke ins Bürgermeisteramt gewählt haben. Der Oberwürschnitzer konnte 2015 insgesamt 264 Stimmen auf sich vereinen. Wahlberechtigt waren 1159 Einwohner. Die Gemeinde zählte Ende 2016 genau 1298 Einwohner. Als Grund für die Rücktrittsforderungen wurden zerrüttete Verhältnisse zwischen Kracke gegenüber den Feuerwehren, Räten, Stadt Schöneck und Vogtlandkreis ins Feld geführt.

Die Unterschriftensammlung war am Donnerstagabend Thema der Gemeinderatssitzung - der ersten, seit Kracke am 9. Juli nach seiner Suspendierung durch Landrat Rolf Keil (CDU) nach viereinhalb Monaten ins Amt zurückgekehrt war. Parallel zur Unterschriftensammlung, die Gemeinderat Sieghard Pollack (Freie Wähler Marieney-Saalig) übergab, gibt es einen neuen Vorstoß der Ratsmehrheit in Mühlental. "Bei mehr als 350 Unterschriften müssen wir handeln. Ich stelle einen Antrag auf Abwahl des Bürgermeisters. Das Verfahren ist unverzüglich durch den stellvertretenden Bürgermeister einzuleiten", betonte der CDU-Abgeordnete Thomas Baumgärtel. Sieben Gemeinderäte stützen den Antrag und begründen ihn mit "mehreren Vertrauensbrüchen" Krackes. "Du hast überall nur verbrannte Erde geschaffen", warf Pollack dem Bürgermeister vor. Er nehme den Antrag zur Kenntnis, reagierte der so Gescholtene.

Die Ratssitzung - mit mehr als 40 Bürgern war der Saal in Marieney voll - verlief teils turbulent. "Ich wünsche mir eine sachliche, friedliche, konstruktive Gemeinderatssitzung", hatte Kracke den Abend eröffnet. Doch bereits an der Tagesordnung drohte die Sitzung zu platzen. Uwe Buschner (Wählervereinigung Unterwürschnitz) wollte die Sitzung um drei Punkte ergänzen: Eine Stellungnahme Krackes, wieso dieser eine von fünf Abgeordneten beantragte Sondersitzung des Rates nicht einberufen hat. Eine weitere Stellungnahme des Bürgermeisters zu den bereits im Januar erhobenen Rücktrittsforderungen an ihn sowie die Beauftragung eines Anwalts "zur Durchsetzung der Interessen gesellschaftlich aktiver Gemeindemitglieder". Kracke lehnte es ab, die Punkte auf die Tagesordnung zu setzen und kündigte schriftliche Stellungnahmen an - die Debatte wogte hin und her. Am Ende war eine Mehrheit dafür, die von Kracke vorgelegte Tagesordnung abzuarbeiten. Aber nur aus zwei Gründen, betonten Baumgärtel und Buschner: Um die Planung für das Beseitigen der Hochwasserschäden zu vergeben und Bauanträge von Privaten nicht zu blockieren.

In der Bürgerfragestunde wollte Michael Wimmer aus Unterwürschnitz nichts fragen, aber einen Appell an die Räte setzen. "Es wäre einfach schön, wenn es irgendwann wieder konstruktiv zugeht. Der Gemeinderat sollte den Bürgermeister unterstützen und umgekehrt. Derzeit ist die Stimmung in der Gemeinde so was von daneben", beklagte er.

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