Der Wirt, der das Flößen im Vogtland wiederbelebte

Bernd Kramer hat vor fast 30 Jahren in Muldenberg an eine Tradition angeknüpft. Am heutigen Freitag begeht er seinen 70. Geburtstag.

Muldenberg.

Die Scheitholzflößerei und Muldenberg, das ist eine Verbindung, die vor fast drei Jahrzehnten Bernd Kramer wieder belebte. Heute wird der Flößerstuben-Wirt 70 Jahre alt. Seit 27 Jahren steht er zudem an der Spitze des Vogtländischen Flößervereins, aktuell amtiert er sogar als Präsident der Internationalen Flößervereinigung.

Begonnen hatte alles 1992, als das 400-jährige Gründungsjubiläum von Muldenberg anstand. "Da haben wir den unteren Teil des Floßbaches hergerichtet und zum Fest erstmals ein Schauflößen organisiert, was sehr gut angenommen wurde - 3000 Besucher an drei Tagen. Deshalb haben wir uns auf unsere Traditionen besonnen und beschlossen, diese wieder zu pflegen. Ich war damals stellvertretender Bürgermeister und habe den Vorschlag gemacht. So entstand letztlich der Verein", erzählte Bernd Kramer zum 20-jährigen Vereinsjubiläum.

14 Mitglieder gründeten im November 1993 den Vogtländischen Flößerverein - mit Bernd Kramer als Vorsitzenden. In den Folgejahren machte die engagierte Truppe mit der Scheitholzflößerei das kleine Muldenberg über Sachsen hinaus bekannt. Allein 1994 und 1995 kamen bei je fünf Veranstaltungen etwa 18.000 Besucher.

Mit Unterstützung durch den Landkreis und den Kulturraum Vogtland, durch die Gemeinde Grünbach, deren Ortsteil Muldenberg inzwischen ist, sowie dem Amt für Ländliche Entwicklung in Oberlungwitz konnte ein passendes Umfeld in Form eines Floßplatzes mit Blockhütten geschaffen werden. Über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme entstand eine Chronik über die Flößerei auf der Saale, der Weißen Elster und der Zwickauer Mulde - mit der Besonderheit der Scheitholzflößerei auf Kunstgräben in und um Muldenberg. Das Heft war 1997 fertig, und konnte anlässlich des 10. Deutschen Flößertages veröffentlicht werden - dem allerersten, der im Vogtland stattfand.

Die Muldenberger Flößer waren bei Flößertreffen in Kronach (Oberfranken), in Altensteig und Gernsbach (Schwarzwald) sowie in Finowfurt dabei, ebenso in Kanada und Norwegen und Spanien.

Ein besonderer Höhepunkt für Muldenberg stellte 2006 das 15. Internationale Flößertreffen im Vogtland dar, zu dem 420 Flößer aus neun Ländern begrüßt werden konnten. Am 7. Mai 2007 erhielt Muldenberg den Ehrentitel "1. Flößerdorf Deutschlands" - überreicht vom damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt.

"Ohne Bernd Kramer hätten wir das nicht erreicht. Wir wünschen ihm im Verein noch viele tatkräftige Jahre", sagt Jürgen Görner, der Ortsvorsteher von Muldenberg und im Verein der Stellvertreter des Jubilars.

Geflößt wird in diesem Jahr in Muldenberg nicht. Das hat das Coronavirus verhindert. Aber das nächste Flößerfest ist vom 13. und 15. Mai 2021 geplant - mit Bernd Kramer als Vereinschef und Moderator.

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