Die Künste eines Mathematikers

Uwe Fischer betreibt in Klingenthal einen Software-Service, seine Frau Svetlana ist Künstlerin. Warum ihre gemeinsame Online-Galerie gerade jetzt Zuwachs bekommt.

Klingenthal.

Die Pause im öffentlichen Leben, für die in den vergangenen Monaten das Coronavirus sorgte, hatte für Svetlana Fischer auch einen positiven Aspekt: Sie hatte wieder Zeit zum Malen. Die Blumen-Stillleben werden in Bälde in der Online-Galerie "Infinite Landscape" zu sehen sein. "Wir werden den seit 2012 bestehenden Internetauftritt neu gestalten", kündigt Ehemann Uwe Fischer an. Das Technische übernimmt der gelernte Diplom-Mathematiker selbst, denn er betreibt in Klingenthal seit inzwischen einem Vierteljahrhundert einen eigenen Software-Service.

Uwe Fischer hat sein Abitur in der DDR nicht an einer Erweiterten Oberschule (EOS) gemacht, sondern 1979 direkt am Vorläufer der heutigen TU Chemnitz. Der Klingenthaler gehörte zu den 20 Schülern unter rund 80 Bewerbern, die dort jährlich in eine Spezialklasse für Mathematik und Physik aufgenommen wurden. In zwei Jahren wurden die Schüler dort zum Abitur geführt. Dass er anschließend beim Studium die Mathematik der Physik vorzog, hatte ganz pragmatische Gründe: "Mathematik ist politisch am unverfänglichsten", sagt er. Da ist der Klingenthaler familiär geprägt. Sein Großvater führte die Wäschefabrik Walther Thierschmidt, die nach der Verstaatlichung zum VEB Knabenhemden gehörte und nach der Wende von Uwes Vater Rainer noch einige Jahre weitergeführt wurde. In den Produktionsräumen ist vieles aus der Textilbranche noch im Original erhalten, auch wenn Svetlana und Uwe sie heute vor allem für ihr Bildermagazin nutzen.

Die Textilbranche war nichts für Uwe Fischer, der 1995 von Chemnitz zurück nach Klingenthal kam. Der hat sich im IT-Bereich einen Namen gemacht. Er arbeitete viele Jahre für die Dresdner Bank und der mit ihr 2009 fusionierten Commerzbank. Der Klingenthaler erstellte dabei unter anderem ein "Länder-Risikencontrolling", mit dem die Zahlungsfähigkeit einzelner Nationen geprüft wurde und betreute es IT-technisch über sechs Jahre hinweg. Für ein Münchner Unternehmen entwarf er ein System zur Abrechnung von Patientendaten und eine Lizenzmanagement für Software. Heute sitzen sein Partner für IT-Projekte unter anderem in Indien, in Moskau (Russland) und Colorado (USA). Vieles kann er dabei von Klingenthal aus machen, nur manchmal muss er zu Absprachen nach Leipzig fahren.

Uwe Fischer plaudert über Details im IT-Bereich wie andere, wenn sie über Gartenarbeit oder das Züchten von Gurken fachsimpeln. "Es ist eine sehr abstrakte Arbeit. Aber das ist nun einmal die Kunst das Mathematikers", lacht er. Wichtig sei nach seinen Worten bei der Entwicklung von Softwaretechnik, dass die Logik stimme: "Wir können keinen Kreis quadrieren", macht er deutlich. Von sogenannter Künstlicher Intelligenz will er nichts wissen: "Die gibt es noch nicht."

Ein künstlerischer Ableger seiner Arbeit ist die Internet-Galerie mit dem Namen "Infinite Landscape", ein Projekt für realistische Kunst aus Russland. Seine Frau Svetlana hat Architektur studiert. Die Familie Shirokov, aus der sie stammt, gilt in ihrer Heimatstadt Kirow, gelegen an den westlichen Vorläufern des Ural-Gebirges, als kleine Künstlerdynastie. 2011 kam sie aus St. Petersburg ins Vogtland. Ihr Sohn Ivan Nikandrov, der in Markneukirchen das Abitur machte, steht nun in Berlin vor dem Abschluss seines Architekturstudiums. Dessen in St. Petersburg lebende Freundin ist eine bereits international tätige Fotografin. Und im Zuge der Neugestaltung des Internetauftritts von "Infinite Landscape" werden demnächst auch Arbeiten von ihr zu sehen sein.

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