Die schamlose Désirée

Frivol und lasziv, grotesk und ordinär: Désirée Nick bot 350 Besuchern im König-Albert-Theater Bad Elster, was man von ihr erwartete.

Bad Elster.

So heiß wie am Sonntag bei der Stimmauszählung in den Wahlräumen ging es auch im Theater zu. Was nicht anders zu erwarten war, denn auf der Bühne stand mit Désirée Nick die selbsternannte letzte Diseuse: "Ich bin nach Bad Elster als eine Kulturbotschafterin gekommen." In einer glamourösen Kabarett-Revue begab sie sich singend und schauspielernd auf die Spuren ihrer Vorbilder wie Lotte Lenya, Margo Lion, Marlene Dietrich und vor allem Blandine Ebinger, die Ehefrau und Muse von Friedrich Hollaender.

Désirée Nick polarisiert: Man mag sie wegen ihres schrägen Auftretens, ihrer spitzen Zunge und Schamlosigkeit oder man fühlt sich davon eher abgestoßen. Wer im Theater saß, wusste also, was auf ihn und natürlich auch sie zukam. Glitzer und Federboa, Berliner Schnauze und Freizügigkeit, spitze Zunge und die Vielfarbigkeit eines Chamäleons nämlich, mit denen die 62-jährige schrille Diva nicht sparte - schließlich sind sie für "mich als Mundarbeiterin" zu einem Markenzeichen geworden. Sie sang freche und anzügliche Lieder aus den Goldenen Zwanzigern von Friedrich Hollaender "mit meiner göttlichen Stimme", verriet über die vielen Pailletten auf ihrer Schürze, dass jede von ihnen für einen Beischlaf steht - Hochachtung. Désirée Nick krabbelte auf den Rönisch-Flügel - gespielt von Tilmann Albrecht - und räkelte sich auf ihm lasziv in ganzer Länge. Sie frotzelte über das weibliche Geschlecht - "Jede Frau schämt sich zu Tode, trägt sie nicht die neueste Mode" - und lästerte verbal über den Weg von Filzläusen aus einer gerodeten Intimzone in den Rauschebart eines Hipsters.


Désirée Nick feierte vor allem sich selbst, schwang die Keule gegen alle Geschlechter und widersetzte sich wissentlich der Grenze zur Schamlosigkeit. Genüsslich schleckte sie einen Gummipenis ab und ihr Kommentar, nachdem sich ein Mann in der ersten Reihe einen Kuss von ihr gefallen lassen musste: "Sehen Sie, ich ekle mich vor gar nichts!" Wäre ja auch noch schöner für die Siegerin beim Dschungelcamp 2004. Anders als den Ausgang der Wahlen sollte man den Auftritt von Désirée Nick nicht besonders ernst genommen haben, weil: Alles nur Spaß und gute Unterhaltung.

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