Ein Vollblutmusiker wird 75

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Der Klingenthaler Musiker Bernd Zabel hat heute Geburtstag. Seit 70 Jahren spielt er Akkordeon. Man kennt ihn inzwischen sogar in China.

Klingenthal.

Als im Dezember in Shenzhen ein Akkordeonfestival eine musikalische Brücke von Deutschland über die Ukraine und Russland nach China schlug, war auch das Trio Tango International aus Klingenthal per Videoclip zu erleben - mit Bernd Zabel, Peter Kostadinow und Alex Batow. Heute begeht Bernd Zabel seinen 75. Geburtstag. Der Auftritt in China, auch wenn dieser coronabedingt nur virtuell erfolgen konnte, war auf jeden Fall ein Höhepunkt für den Klingenthaler, der seit 70 Jahren Akkordeon spielt, und schon 1955 im Kulturhaus Bitterfeld als Akkordeon-Solist den Kreisausscheid der Schüler gewinnen konnte.

"Mein erstes Instrument habe ich 1950 erhalten - diatonisch, mehr Pappe als Holz. Es hat damals zehn Mark gekostet", weiß er noch. Zu Hause in Wolfen spielte sein Vater Geige, die Mutter sang ihm beim Spiel auf dem diatonischen Akkordeon Kinder- und Volkslieder vor, die der Sohn dann nachspielte.

Sein erster Akkordeon-Lehrer, Sander mit Namen, war noch ein Schüler von Curt Mahr gewesen. Von 1960 bis 1962 hatte Zabel Unterricht bei einer Dozentin des Leipziger Konservatoriums, heute ist es die Musikhochschule. Als er im September 1962 in Klingenthal eine Lehre als Akkordeonfacharbeiter begann, setzte er das bei Herbert Gerbeth fort.

"1963 probten wir die ersten Oberkrainer-Titel, die Herbert Gerbeth arrangierte", schaut er zurück. Dabei waren Musiker wie Heinz Dähn (Tenorhorn), Falko Güther (Kontrabass), Horst Henkel (Gitarre), Peter Steinmann (Klarinette) aus Adorf und Volker Sämann (Trompete) aus Grünbach. Bernd Zabel spielte Akkordeon. Herbert Gerbeth hatte auch die Idee für ein Klassik-Trio, in dem Bernd Zabel mit Helga Uebel (Konzertflöte) aus Wohlhausen und Wilhelm Wenzel (Piano) aus Dorfchemnitz spielte.

"Bereits während der Lehrzeit haben wir in Klingenthal und Zwota in den Wirtshäusern Musik gemacht, um unser Bier zu verdienen. Daraus entstand dann auf Anregung vom Zwotaer Klubhausleiter Werner Selk das Tanz und Lichtschauorchester." Bernd Zabel war auch wieder mit dabei, als die legendäre Band 2004 ihr Revival erlebte - und dann bis 2012 wieder auf der Bühne stand.

Von 1964 bis 1967 arbeitete der junge Mann als Tonzungenschleifer. "Meine Lehrmeister waren Walter Zimmer und Johann Tell. Mit Roland Seerig habe ich im Schicht- betrieb ausschließlich Bass-Tonzungen hergestellt." Es folgten drei Jahre Direktstudium Maschinenbau. 1970 kam er zurück und arbeitete als Diplom-Ingenieur bis 1986 in den Harmonikawerken, zuletzt als Leiter der Stimmplattenfertigung.

Der Musik blieb Zabel stets treu. Ab 1983 spielte er in der Aschbergcombo, ab 1985 bildete er mit Gerhard Junghans (Bass/Gesang) und Ulli Seidel (Gitarre/Gesang) das Vogtland-Trio.

Als er zum Jahresende 2003 sein Arbeitsverhältnis bei der Deutschen Shell AG beendete, stieg Bernd Zabel beim Akkordeonorchester Klingenthal ein und war bis 2008 dessen Vorstand. Dazu kam 2007 die Gründung des Vereins Akkordeonscene, dessen Ziel es war, zum einen das Akkordeon als Kulturgut anzuerkennen und zu anderen dessen Fertigung in Klingenthal zu erhalten.

Ab 2014 folgten erste Auftritte mit der Sängerin Yvonne Deglau und dem Programm "Accordeon a la Musette", mit dem Musiker Jan N. Meyer (Violine) entstand das Trio Enchanté. 2019 folgte das Tango Trio International mit Alex Batow und Peter Kostadinov. "Den Namen habe ich wegen der Musiker Herkunftsländer gewählt - Deutschland, Bulgarien und Ukraine", sagt Bernd Zabel. Als 2020 die Weltmeister Akkordeon-Manufaktur die Online-Konzertreihe "Weltmeister Wednesdays" ins Leben rief, wurden dazu Studioaufnahmen mit dem Tango-Trio und mit Trio Enchanté produziert und gesendet.

Auch mit 75 Jahren unterstützt Bernd Zabel weiter die Weltmeister-Manufaktur bei Neu- und Weiterentwicklungen. Und im September will er auf einer Donau-Kreuzfahrt zwischen Passau und Budapest mit russischen und kanadischen Akkordeonisten Weltmeister-Instrumente vorführen sowie Workshops zum Thema Akkordeon veranstalten. An Ideen fehlt es dem Jubilar nicht.

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