Hilf hat 200. Geburtstag: Bad Elster würdigt einen Wegbereiter

Christoph Wolfgang Hilf war der Chef-Musikus seiner Zeit im Kurort. Am Freitag und Samstag spielt hier wieder ein Hilf.

Bad Elster.

Bei Jubiläen sind die Chursachsen in Bad Elster selten wählerisch - es gibt auch schon mal Konzerte für eine 130 Jahre alte Statue. Diesmal ist der Anlass triftig: Am 6. September 1818 wurde in Elster Christoph Wolfgang Hilf geboren - der Sohn des Ahnherren der Kurmusik im Ort leitete später 41 Jahre die Badekapelle. Ohne ihn hätte es keinen dauerhaften Orchesterbetrieb gegeben, sagt Generalmusikdirektor Florian Merz und zollt dem Vorgänger "allergrößten Respekt".

Zum 200. Geburtstag verneigt sich die Chursächsische Philharmonie mit Symphoniekonzerten am Freitag und Samstag vor dem Kapellmeister - in dem sie auf historischen Instrumenten der Romantik seine Werke nicht nur aufführt, sondern auch auf CD aufnimmt: die Marsch- Fantasie, die Ouvertüre im italienischen Stile, die Symphonie C-Dur. Dazu kommt das Konzert für Violine und Orchester Nr. 8 a-Moll von Louis Spohr, zu Lebzeiten Deutschlands berühmtester Geiger und der Mentor von Hilf. Den Solopart übernimmt der Zwickauer Geiger Elin Kolev, während im Orchester ein Hilf sitzt: Andreas Hilf (42), der stellvertretende Solo-Bratscher am Theater Coburg. Er ist der Ur-Ur-Enkel von Adam Hilf (1825 bis 1909), der als jüngerer Bruder von Christoph Wolfgang Solo-Bratscher der Badekapelle war. Florian Merz freut sich auf die erneute Zusammenarbeit - bereits in den 1990-er Jahren musizierte Andreas Hilf in Bad Elster.

Die Konzerte zu Ehren des Königlichen Kapellmeisters Hilf stehen am Beginn der 105. Theaterspielzeit, in der es 235 verschiedene Produktionen geben wird. "Wir stehen für Weltoffenheit und wollen dem Taten folgen lassen: Zu uns kommen Künstler aus 40 Nationen - ein bewusst verbindendes Element, ein Ganzjahresspielplan für ein weltoffenes Sachsen", betont Merz. Die kommende Spielzeit wird dabei das Angebot an Veranstaltungen um nochmals fast 20 Prozent erhöhen.

Angesichts des Hilf-Jubiläums macht sich der Maestro von heute Gedanken und zieht Parallelen. Beide stammen aus Musikerfamilien, wirkten als Solist und Orchestermusiker in bedeutenden Musikmetropolen, bevor sie Chefdirigent in Bad Elster wurden. Statt in die Metropole gingen beide nach Bad Elster, an die Peripherie. Hilf musste indes im Ort mit Konkurrenz leben, Stichwort privates Theater, und die Noten mussten mühevoll abgeschrieben werden. Da habe er heute schon die weit besseren Voraussetzungen, gibt Merz zu. Da wäre wohl Christoph Wolfgang Hilf auf den ersten Blick etwas neidisch, meint er. Aber um eines beneidet der Dirigent heute den des 19. Jahrhunderts - er wurde 93 Jahre, sein Vater Johann Christoph gar 101. Verglichen damit ist Merz mit 51 ein "Jungspund". Und das er mit 74 noch wie Hilf die Musiker dirigiert, schließt Merz auch aus.

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