Jetzt im Wald: Pilze für Profis

Die Pilzsaison startet für normale "Schwammegeher" im Sommer. Echte Experten zieht es jedoch zu allen Jahreszeiten in den Wald. Und sie werden fündig.

Oelsnitz/Klingenthal.

Dem Otto-Normal-Pilzsammler steht im Moment noch nicht der Sinn danach, mit Korb und Messer in den Wald zu gehen. Er geduldet sich, bis die Zeit dafür reif ist dafür - im Sommer und vor allem Herbst. Mykologen - also Pilzkundler - allerdings sind da von einem ganz anderen Schlag. Von Schnee und Frost einmal abgesehen, zieht es sie zu allen Jahreszeiten hinaus. Nicht, dass sie unbedingt scharf darauf sind, abends etwas in der Pfanne zu haben: Sie suchen nach Pilzen, die sich bereits im Frühling ans Licht trauen.

Welche Pilzarten sind es nun, die zurzeit zu finden sind? An erster Stelle nennt Lothar Roth, Pilzberater aus Adorf und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mykologie, den März-Schneckling: "Das ist ein typischer Pilz im Vogtland, der sehr schmackhaft ist und nördlich von unserer Region kaum oder gar nicht mehr vorkommt. Eigentlich ist er in den Alpen beheimatet. Spricht man mit älteren Leuten, erfährt man von ihnen, dass sie diesen Pilz nach dem Krieg massenweise aus dem Wald holten. Jetzt steht er unter Naturschutz." Neben März-Schnecklingen sind zurzeit unter anderem Samtfuß-Rüblinge, Fichtenzapfen-Helmlinge, Fichtennadel-Spaltlinge, Fichtenzapfen-Becherlinge, Glänzende Schwarzborstlinge, Harzbecherchen, Austernseitlinge, Hirschtrüffel oder Graue Schwefelköpfe zu finden. Nicht alle genießbar, für Mykologen jedoch Fundstücke der Begierde zum Zwecke der Untersuchung und Kartierung des Standortes.

Christoph Ulrich

Ulrichs Bilanz:Der „Freie Presse“-Wirtschaftsnewsletter von Chef­korrespondent Christoph Ulrich

kostenlos bestellen

Dafür treffen sie sich, wie unlängst in Oelsnitz, um auch Erfahrungen und Sammelobjekte auszutauschen. Da auch Pilzkundler nie auslernen, ist Sinn der ersten Zusammenkunft im Jahr von Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft, Fundobjekte unter dem Mikroskop nach typischen Merkmalen wie Zystiden (auffällige Zellen in der Fruchtschicht von Lamellenpilzen), Struktur der Zellen oder Basidien (Sporen) zu untersuchen. Sie gewinnen Erkenntnisse vor Pilzwanderungen und Ausstellungen, dieses Jahr zum Beispiel im Herbst in Magwitz und zum Stadtfest in Oelsnitz.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...