Neuanfang nach Feuerdrama

Heidi und Gunther Schneider aus dem Elsteraner Ortsteil Sohl haben bei einem Brand am 1. Februar alles verloren. Mittlerweile blicken sie nach vorn: Sie danken ihren Helfern und nehmen ihr Leben noch einmal neu in die Hand: mit 75 und 78 Jahren.

Sohl.

Für jeden Menschen ist es ein Albtraum, innerhalb weniger Stunden sein Hab und Gut zu verlieren. Mit unbarmherziger Härte mussten das die Obersohler, Heidi (75) und Gunther Schneider (78) am 1. Februar dieses Jahres erleben. Ihr geliebtes Häuschen zur "Waldeslust" wurde ein Raub der Flammen. Vor mehr als 50 Jahren hatten sie mit dem Aufbau ihrer kleinen Oase mit Häuschen, Garten und Traumblick auf die vogtländischen Wälder begonnen.

Von jetzt auf gleich war klar, dass ihr Traum vernichtet worden war. Ein Lebenswerk, das die Eheleute Schneider mit viel Entbehrungen und gemeinsamer Kraft geschaffen haben. Ort der Kindheit ihrer Söhne Sven und Marko. Die Brandursachenermittler haben einen Kabelbrand an einer Verteilerdose festgestellt. Bei aller Tragik: Rauchmelder haben noch Schlimmeres verhindert, sind sich Schneiders sicher.

"So eine verheerende und ausweglose Situation mussten wir erst einmal versuchen anzunehmen. Wir standen plötzlich ohne alles da. Uns blieb nur noch die Kleidung, die wir vor dem Brand getragen haben", erzählt das Paar. Unterlagen, persönliche Papiere, Fotos, Kleidung, Möbel, Hausinventar und unwiederbringliche Erinnerungsstücke, die ein Menschenleben widerspiegeln, sind verbrannt. "Als alle verkohlten Türen und Fenster im Container landeten, brach noch einmal eine Welt für mich zusammen. Jeden Nagel, den ich für unser Häuschen selbst versenkt habe, konnte ich in diesen Moment nachvollziehen. Ich hätte schreien können vor lauter Betroffenheit und stand in diesem Augenblick völlig neben mir", berichtet Gunther Schneider.

Eine Sohlerin unterbrach unbewusst seinen Schmerz. Sie reichte mit traurigen Augen einen Brief mit Spenden über den Gartenzaun. "Dabei hat sie mir erzählt, dass auch sie vor Jahren einen Hausbrandalbtraum durchleben musste und sich in diese schlimme Situation hineinversetzen kann."

Die Welle der Hilfs- und Spendenbereitschaft, Umarmungen und Soforthilfeangebote - auch von unbekannten Menschen - waren für Familie Schneider überwältigend. "Von diesem Zeitpunkt an wurde uns klar: Es muss weitergehen, denn wir haben auch eine Verpflichtung unseren Söhnen gegenüber", sagt Gunther Schneider.

Das Ehepaar konnte seine Kräfte wieder sammeln. "Wir werden nicht in Selbstmitleid zerfließen und den Rest unseres Lebens in einem Hamsterrad verbringen. Die überwältigende Anteilnahme hat uns gestärkt, den Blick wieder nach vorn zu richten", sagt Heidi Schneider. Die Söhne Sven und Marko waren sich einig: Eine Plattenbau-Neubauwohnung für die Eltern wäre ihr sicherer Untergang. Sie brauchen ihre gewohnte Umgebung in einem kleinen Haus am Wald. Deshalb soll auf dem mittlerweile abgerissenen Wohnhausbauplatz wieder ein kleines, neues Haus entstehen. Der Bauantrag liegt den Behörden zur Genehmigung vor, und sie hoffen auf eine baldige Bearbeitung. Heidi und Gunther Schneider freuen sich über die Entscheidung ihrer Söhne und hoffen, dass sie ihr neues Haus noch etliche Jahre genießen können. Das ist ihr größter Wunsch.

Gunther und seine Frau Heidi berühren sich leicht an den Händen, haben feuchte Augen der Ergriffenheit, als sie der "Freien Presse" ihre Geschichte erzählen. Und sie haben ein Bedürfnis: Sie möchten allen Rettern der Feuerwehren, Sohl, Mühlhausen, Bad Elster, Adorf und dem DRK-Rettungsdienst aus tiefstem Herzen danken. "Alle haben versucht, uns in den schweren Stunden mit viel Einfühlungsvermögen zu beruhigen. In dieser Situation ist man dankbar für jede hilfereichende Hand."

Diese Hände wurden den Schneider vielfach entgegengebracht, auch in den Tagen und Wochen nach dem Brand. "Wir möchten keine Namen nennen, da wir niemanden kränken möchten, indem wir ihn versehentlich vergessen. Unser Dank gilt all denen, die ohne zu zögern eine Unterkunft anboten, Kleidung und Möbel zur Verfügung stellten, Nachbarn, die sich unserer Tiere annahmen, den vielen Geldspendern, allen, die sich um uns gekümmert haben." So eine spontane Hilfsbereitschaft sei nicht selbstverständlich, sagen Heidi und Gunther Schneider. "Wir sind richtig stolz, dass wir in einer Dorfgemeinschaft leben dürfen und wenn es darauf ankommt, alle zusammenrücken und helfen."

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