Neues Hotel Tannenhaus öffnet im August

Für eine traditionsreiche Adresse in Schöneck läuft der Countdown. Aus einer Ruine wurde ein Schmuckstück. Das Ambiente ist gehoben, abgehoben aber keineswegs.

Schöneck.

Man spürt Natur. Die Tische aus schwerem Holz, Mauerwerk aus Naturstein, sparsame Deko. Die Eingangstür schwer, wuchtig beinahe, als wolle sie dem Gast auch Schutz bieten. Wind und Wetter bleiben draußen, vielleicht auch der Lärm des Tages.

Der erste Eindruck des neuen Hotels Tannenhaus in Schöneck ist ein besonderer. Wertig und bodenständig geht es gleichermaßen zu. Sichtbeton bringt eine moderne Note ein. Nein, etwas Vergleichbares gibt es bislang nicht in der Region, das erkennt der Gast sofort. In der Woche nach dem Schulanfang Mitte August eröffnen Hotel und Restaurant offiziell. In diesen Tagen fahren Hoteldirektor Pavel Kubalak und seine Mannschaft den Betrieb hoch. 16 Männer und Frauen gehören zum Team. 16 Zimmer warten auf Gäste, 50 Plätze umfasst das Restaurant. Ein etwas kleineres Frühstücksrestaurant gibt es ebenfalls. Es kann auch separat genutzt werden.

Zwei Jahre wurde am Tannenhaus gearbeitet. Nach langem Leerstand hatte Unternehmer Rainer Gläß das denkmalgeschützte Haus vor 13 Jahren gekauft mit dem Willen, daraus etwas zu machen. Konkret wurden die Pläne erst in jüngster Zeit. Seine Idee: Es soll ein Haus entstehen, in dem sich Mitarbeiter und Kunden von GK Software aus der ganzen Welt wohlfühlen. Schließlich ist es zur Firmenzentrale nur ein kurzer Spaziergang durch den Wald. Gleichzeitig soll es aber auch ein ganz normales Hotel sein - mit einem hohen Augenmerk auf Qualität bei gleichzeitigem Bekenntnis zur Bodenständigkeit. Rainer Gläß spricht bewusst von einem "Landgasthof".

Und ein Landgasthof definiert sich über seine Küche. Sven Wiesner ist der Koch des Hauses. Der 42-Jährige stammt aus dem Münsterland, arbeitet seit 22 Jahren als Koch und war beruflich schon in der ganzen Welt unterwegs. "Ich will eine ehrliche Küche hier anbieten", sagt er. Heißt: Auf den Tisch kommt nichts aus der Konserve, sondern stets Frisches, gerne auch Hausmannskost. Schnitzel und Sauerbraten werden auf der Karte zu finden sein. Wiesner, der seit zehn Monaten zum Tannenhaus-Team gehört, hat sich auch schon ausgiebig umgeschaut, was das Vogtland kulinarisch auszeichnet. "Ich weiß, was Brieh und Bambes sind", sagt er grinsend.

Kostproben soll es künftig auch außerhalb des Restaurants geben. Denn in dem Flachbau, der das Hotel zur Straße hin ein Stück weit abschirmt, entsteht ein Hoflanden. Marmeladen und Pestos sollen zum Angebot gehören und auch die eine oder andere Spezialität aus der Region. Vieles muss sich entwickeln, der hintere Teil des Grundstücks ist im Moment noch eine Baustelle. Über mögliche Erweiterungen will Rainer Gläß derzeit nicht sprechen. "Es gibt Optionen", sagt er. Aber jetzt gelte es erst einmal, das bereits Entstandene zum Erfolg zu führen.

Das neue Tannenhaus entspricht in Dimension und Struktur exakt dem historischen Vorgängerbau. Dass das Haus eine eigene Note erhalten hat, dafür sind Vogtländer verantwortlich: Die Möbelmanufaktur Hommel aus Reichenbach hat die gesamte Inneneinrichtung hergestellt. Hinter den Kulissen verbirgt das Tannenhaus zudem Technik allererster Güte - mit superschnellem W-lan und allem, was der Markt im Bereich Smart Home derzeit bietet. Alles? Rainer Gläß lacht: "Na, ein bisschen mehr."


Aus der Geschichte

Das Tannenhaus kann auf eine wechselvolle Geschichte blicken. Ein Gebäudeteil stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und diente einst als Zeughaus für das Forstamt. Die erste Notiz über eine Nutzung als Gaststätte datiert aus dem Jahr 1821. Der damalige Eigentümer Christian Friedrich Girger hatte das Haus 1816 erworben.

Im Jahr 1907 gab es eine Zwangsversteigerung. Zwischen 1920 und 1925 diente das Haus als Fabrik, in der

Spiraldrähte, Strumpfbänder und

Kinderbetten hergestellt wurden. 1926 wagte Walter Edgar Ludwig den Neuanfang mit einem Hotel.

Im Zweiten Weltkrieg diente das Haus der Kinderlandverschickung, 1956 oder 1957 verkaufte es die Familie Ludwig an den Energiebezirk-Ost in Dresden, der es als Ferienobjekt nutzte. Nach der Wiedervereinigung stand es leer, wurde teilweise geplündert und verfiel immer weiter. 2005 wurde über die Sparkasse Vogtland ein Käufer gesucht. (tm)

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