Präsident hofft auf chinesische Kurgäste

Miloš Zeman besucht in dieser Woche Westböhmen. Was er dabei zu sagen hat, dürfte auch für das benachbarte Vogtland von Interesse sein.

Graslitz/Kraslice.

Miloš Zeman war das Erstaunen anzusehen, als er am gestrigen Mittwoch bei seinem Besuch in Graslitz/Kraslice von Bürgermeister Roman Kotelinek ein Buch über sich und seine Mitbewerber bei der Präsidentenwahl 2018 erhielt - in vietnamesischer Sprache. Die Vietnamesen sind nach den Slowaken und Ukrainern die drittgrößte ethnische Minderheit in der Tschechischen Republik und in der Öffentlichkeit meist als Händler präsent, gerade im Grenzgebiet. "Ein originelles Geschenk", so Zeman.

Für den Präsidenten war es der zweite Besuch in Graslitz/Kraslice, der Partnerstadt von Klingenthal. Die dreitägige Reise durch Westböhmen war angekündigt als Dankeschön-Tour. Zeman wollte sich dort bedanken, wo er besonders viele Wählerstimmen erhalten hatte: In Graslitz/Kraslice beispielsweise waren es knapp 62 Prozent gewesen. Der Platz am Kulturhaus war denn auch rappelvoll, als der Präsident eintraf. Wie schon am Dienstag in Wintergrün/Vintiřov nutzten etliche Bürger die Möglichkeit, ihm Fragen zu stellen - von der Integrationspolitik bis hin zum Straßenbau.

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Miloš Zeman hatte bereits am Dienstag bei einem Gespräch mit Jana Vildumetzová, der Landrätin des Karlsbader Kreises, und Bürgermeistern der Region seine Standpunkte deutlich gemacht. Er steht für die Fortsetzung der Kohleförderung im Falkenauer Kohlerevier für Stromproduktion. Die erneuerbaren Energien sind aus seiner Sicht nur durch staatliche Förderung im Aufschwung, hätten aber keine Zukunft. Nach den aktuellen Plänen soll Braunkohle in der Umgebung von Falkenau/Sokolov noch bis 2040 abgebaut werden. Einen Ausstieg aus der Kohleförderung, wie jüngst in Deutschland beschlossen, lehnt Zeman ab. "Warum eine Henne töten, die goldene Eier legt", stellte er dazu eine rhetorische Frage.

Einsetzen will sich Zeman für den raschen Weiterbau der Autobahn R6, die für Westböhmen sowie für die Wirtschaft im vogtländisch-oberfränkischen Grenzgebiet die Hauptverkehrsader in Richtung Prag darstellt. Ursprünglich sollte die Autobahn 2012 fertig sein. Aktuell sind von den geplanten 168 Kilometern erst 75 in Betrieb. Und was das traditionsreiche westböhmische Bäderdreieck betrifft, so würde sich der Präsident über mehr Kurgäste aus China freuen.

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