Sachsen baut an der Zukunft von Bad Brambach

Mit einem Baustellenfest für alle startete am Samstag ein Großprojekt zur Aufwertung der Radon- therapie. 2021 soll der Neubau in Verbindung mit dem sanierten Therapie- und Wohlfühlzentrum eingeweiht werden.

Bad Brambach.

Nach diesem solchen Tag haben die Bad Brambacher lange gedürstet: Die Badstraße erlebte zum Baustellenfest am Samstagvormittag einen Auflauf wie selten. Mit dem symbolischen Spatenstich startete die größte Investition in Sachsens südlichstem Ort seit vielen Jahren. Der Freistaat lässt sich den Ausbau der Therapie mit dem natürlichen Heilmittel Radon 13,6 Millionen Euro kosten.

"Heute ist ein besonders schöner und wichtiger Tag für Bad Brambach", betonte der Geschäftsführer der Sächsischen Staatsbäder GmbH, Gernot Ressler. Die munteren Quellenzwerge der gleichnamigen Bad Brambacher Kindertagesstätte und gut gelaunte Klänge der einheimischen Band Kraizdaquer unterstrichen die lockere Atmosphäre.


Im ersten Quartal 2021 soll das Bauvorhaben fertig sein. Integriert ist die Sanierung des 20 Jahre alten Therapie- und Wohlfühlzentrums und die Umgestaltung der Kolonnaden. Dass Ministerpräsident Michael Kretschmer als "Baggerfahrer" für den Spatenstich nicht zur Verfügung statt - er war zur Erhebung des Erzgebirges als Unesco-Weltkulturerbe in Baku - störte keinen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Heinz erledigte das mit Umsicht, legte ohne Vorkenntnis ("Ich hab mich kurz einweisen lassen - daheim hab ich nur einen Teleskoplader) unter Beifall zwei Baggerschaufeln voll Erde zur Seite.

Am Fundament der neuen Wertschätzung der Radontherapie in Bad Brambach wurde vor allem hinter den Kulissen lange gearbeitet. Gernot Ressler traf den richtigen Ton, auch wenn die Worte wegen gravierender Technikprobleme längst nicht von allen zu verstehen waren. "In den letzten Jahren gab es teilweise Sorgen, was wird mit Bad Brambach. Es wurde neidvoll nach Bad Elster geschaut. Heute ist der Tag, an dem wir unser Versprechen ein- lösen", erklärte der Staatsbäder-Chef, dass die Worte "Bad Brambach kommt auch dran" kein leeres Gerede waren.

Landrat Rolf Keil (CDU) hat als früherer Bürgermeister von Schöneck noch die Worte seines Bad Brambacher Kollegen Helmut Wolfram im Ohr: "Wir müssen mal, wir müssen mal..." Nun sei der Tag zu sagen: "Wir müssen nicht, wir machen jetzt - und das ist schön für Bad Elster", so der Kreischef, um sich gleich zu korrigieren: "Bad Brambach!"

Dass mit den Pannen sei ja dann heute erledigt, meinte Andreas Heinz, als dann noch Radontherapie-Aufsteller gegen die Bauzäune kippten. Das Projekt stehe auf festen Füßen. "Es war in Dresden nicht ganz einfach, es durchzusetzen. Schlema guckt da schon ein bissel neidisch. Die hätten das auch gern gehabt", so der Parlamentarier.

Während sich viele Festbesucher wunderten, warum Bad Brambachs Bürgermeister Maik Schüller (parteilos) nicht auf der Redeliste stand, nahm sich Frank Pfeil, Staatssekretär in Sachsens Umweltministerium, in seiner Ansprache einen zentralen Punkt vor. Auch nach mehr als 100 Jahren Radonkuren sei die Anwendung des Edelgases zur Therapie nicht selbstverständlich. "Es gibt kaum ein Thema, dass so kontrovers diskutiert wird", zeigte er auf, und zitierte Paracelsus: "Ein jedes Ding ist Gift - es kommt auf die Dosis an, dann wird es zum Heilmittel". Nicht anders als Fingerhut, Fliegenpilz oder Spinnengift sei die Menge des Aufgenommenen entscheidend.

Radon habe eine gute und eine schlechte Seite: Zu Heilzwecken förderlich, in Gebäuden in hoher Dosis schädlich. Beides müsse im Blick sein. Der Öffentlichkeit die positiven Wirkungen zu vermitteln, ohne den Radonschutz außer Acht zu lassen, sei eine wichtige Aufgabe. "Die Erkenntnisse über die Heilwirkung des Radon sind gesichert. Die Skeptiker, die das für einen Placebo- oder Kur-Effekt halten, werden aber nicht zu überzeugen sein".

Der Zeitplan des Großprojekts sieht vor, dass neben dem Bau der Radontherapie im Herbst diesen Jahres die umgebauten Kolonnaden fertig sein sollen. Im Sommer 2020 wird dann die Bade- und Saunalandschaft einer Generalsanierung unterzogen, die Ebenen 1 bis 3 des Therapie- und Wohlfühlzentrums werden umgebaut.

Ende nächsten Jahres soll der Neubau an der Badstraße fertig sein. Dieser wird mit einem Glasgang über der Straße mit dem Therapie- und Wohlfühlzentrum verbunden. Der Umbau von dessen vierter und fünfter Ebene schließt im ersten Quartal 2021 die Investition ab.

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