Simon tanzt gegen die Krankheit

Der neunjährige Junge lässt sich selbst von dramatischen Zwischenfällen nicht stoppen. "Leser helfen" sammelt für den behindertengerechten Umbau des Familienautos.

Auerbach.

Mutter Nicole (34) steht am Rand und beobachtet jeden Schritt, den ihr Sohn auf der Tanzfläche im Studio 1-2-Step macht. Das Laufen fällt ihm schwer, er kann wegen seiner Muskelschwäche die Füße nicht heben, und doch absolviert er die Lockerungsübungen, dreht sich im Takt. Wenn die anderen hüpfen, bleibt er am Boden. Hinterher klatscht er sich ab mit seiner Partnerin Svea Glass (17) und Tanzlehrer Jörg Dünnebier. Wenn man weiß, dass er jederzeit stürzen kann, schaut man nicht gerne zu. Doch Simon lacht. Seine Mutter lächelt und sagt: "Mein Mann hat noch viel mehr Angst. Aber Simon tanzt halt so gern. Extra für ihn haben sie Tango geübt." Seit zweieinhalb Jahren tanzt Simon mit Svea, die beiden haben im Juni bei den Special Olympics in Auerbach Preise geholt.

Es passiert, als Simon sich in der Pause in Richtung Rand bewegt: Plötzlich stolpert er über seine Füße, stürzt zu Boden. Er weint, ruft nach seiner Mutter, die ihn in den Rollstuhl hebt. Es war wohl doch zuviel: Simon kommt von der anstrengenden Wassergymnastik - aber den letzten Tanzabend des Jahres wollte er nicht ausfallen lassen.

Doch der Abend ist noch nicht gelaufen: Tatsächlich steht Simon wenige Minuten nach dem Sturz wieder mit Svea auf der Tanzfläche, jetzt beim Paartanz. Es tue schon noch weh, hatte er vorher gesagt - aber davon lässt er sich nicht stoppen. Mit ihm drehen zwei Dutzend weitere Tänzer ihre Kreise - weit über die Hälfte von ihnen hat ebenfalls ein Handicap. Rollstuhlfahrer sind ebenso dabei wie Menschen mit Downsyndrom. "Das Tanzen ist für Behinderte befreiend", sagt Margita Bischof. Sie ist Koordinatorin des Diakonie-Netzwerks Inklusion im Vogtland und hat das Tanz-Projekt angeschoben. Inzwischen führen es Jörg Dünnebier und Steffi Pausch vom Studio als Sparte "Aktiv inklusiv" des Sportvereins Fortuna weiter, Unterstützung gibt es von der "Aktion Mensch". Das Interesse ist riesig: Gedacht ist das Projekt für 20 Leute, momentan sind es 35.

Die ältesten Teilnehmer sind um die 80, Simon ist der jüngste. Zunehmend schwierig wird für seine Eltern der Transport zum Studio: Der Junge ist inzwischen so groß und schwer, dass sie ihn kaum noch in den Autositz heben können. "Leser helfen" möchte die Familie deshalb bei der Anschaffung eines elektrisch betriebenen, nach außen schwenkbaren Sitzes unterstützen. Außerdem soll das Auto eine Rampe erhalten, sodass Simons "Fuhrpark" aus Rollstuhl und Therapierad leicht hineingerollt werden kann.

Spenden für Simon können Sie auch direkt überweisen auf folgendes Konto: Verein "Leser helfen", IBAN: DE47 8709 6214 0224 4224 40, Stichwort "Hilfe für Simon" oder unter: www.freiepresse.de/leserhelfen

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