Ungarische Motorradlegenden erobern auch das Vogtland

Stelldichein der Motorrad- Freunde: Das 25. Treffen von Liebhabern der Pannónia-Maschinen fand am Wochenende an der Jugendherberge Taltitz statt.

Taltitz.

Oldtimer: Traktoren, Autos oder Motorräder sind in der Region in den Sommermonaten häufiger zu sehen. Zweiräder der Marke Pannónia und das auch noch hundertfach machen sich allerdings sehr rar. Was auch an der relativ überschaubaren Größe der Interessengemeinschaft liegt. Dazu der Vorsitzende Matthias Pollmer aus Oschatz: "Wir sind ungefähr 700 Mitglieder, in erster Linie aus Ungarn und Deutschland, und treffen uns einmal im Jahr. Wie eine große Familie. Diesmal sind 100 zum zweiten Mal ins Vogtland gekommen."

Andererseits liegt die Rarität darin begründet, dass zwischen 1954 und 1975 von der Budapester Firma Csepel lediglich knapp 700.000 Pannónia-Motorräder gebaut wurden. Dann war Schluss. Warum die Produktion eingestellt wurde - besser: eingestellt werden musste - erklärte Tibor Orosz, der am Wochenende mit seiner Maschine aus Debrecen nahe der rumänischen Grenze ins Vogtland gekommen war: "Der damalige ungarische Wirtschaftsminister hatte ausrechnen lassen, wie viele Nähmaschinen und Fahrräder statt der Motorräder gebaut werden können. Motorräder wie Jawa und MZ könne man aus anderen sozialistischen Ländern importieren."

Wenn man bedenkt, wie viele Pannónias seitdem unbeachtet in irgendeiner Scheune vor sich hin rosteten oder gar beim Schrotthändler landeten, kann nur zu gut verstehen, dass sich heute umso glücklicher schätzen kann, wer eine der Kultmaschinen besitzt. Wie zum Beispiel Jürgen Bär aus Unterheinsdorf, der für das Treffen in der Jugendherberge Taltitz den Helm aufhatte. "Ich habe das Motorrad von meinen Vater geerbt - so was verkauft man nicht! Schon zu DDR-Zeiten haben wir uns einen Anhänger besorgt. 2014 habe ich das Motorrad komplett restauriert. Mit Ersatzteilen ist es kein Problem. Wir Pannónia-Freunde helfen uns gegenseitig. Einiges läuft auch übers Internet. Manchmal dauert manches etwas länger, aber am Ende klappt's doch. Ich fahre meine Maschine nur zu besonderen Anlässen."

Jede der Pannónias, die am Wochenende in Taltitz aufgereiht standen - eine Augenweide. Aber besonders im Mittelpunkt stand Henry Kehrer aus Mülsen . Von seinem 14 PS starken Motorrad baute er, der von Hause aus Steinmetz ist, ein 4-PS-Minimodell im Maßstab 1:1,6. "Damit kann mein sechsjähriger Enkel Colin mal fahren, wenn er etwas größer ist", meinte er.

Zum Programm der Pannónia-Fans gehörte auch eine Ausfahrt zur Vogtland-Arena in Klingenthal, die vom Verein Bikes & Friends Vogtland abgesichert wurde.

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