Vogtländer sind Experten für elastischen Super-Boden

Umweltfreundlich, flexibel und hilfreich gegen Schadstoffe: So ist der Flüssigboden, mit dem sich die Firma M & S Umweltprojekt auskennt - vogtlandweit als einziger Betrieb.

Plauen.

Um Schlamm handelt es sich nicht. Auch wenn sich der Gedanke beim Wort Flüssigboden aufdrängt. Das Material, das so ähnlich aussieht wie Beton, besteht aus mehr als Boden und Wasser. Fühlt sich an wie ein kalter Klumpen Knete, hat aber mehr drauf. "Er spart Ressourcen, ist umweltschonend und innovativ", erklärt Tommy Gambke (26), Leiter des bodenmechanischen Labors beim Plauener Unternehmen M & S Umweltprojekt.

Der Flüssigboden steckt bereits in Teilen des Vogtlands. Zum Einsatz kommt die Innovation, laut Firmenchef Bernd Märtner etwa 15 Jahre alt, hier vor allem beim Kanalbau und bei Erdkabeln für Stromtrassen. Die M & S Umweltprojekt begleitet laut Märtner als eins von wenigen Labors in Deutschland und als einziges im Vogtland die Arbeit mit dem Bodengemisch. Für Baufirmen, Landkreise, Stromanbieter.

Was ist nun der Unterschied zwischen gutem altem Beton und dem neuen Verfahren? Erstens: Der Boden muss nicht weggekarrt und entsorgt werden, um dann andere Materialien reinzufüllen. Sondern er wird entweder vor Ort in einem fahrbaren Mischer oder in einem zentralen Mischwerk mit Zement und Tonmineralen vermixt. So ähnlich wie trockene Zutaten für Kuchenteig. Dazu kommt dann Wasser. "Kein Bodenabfall und wenig Transportwege sowie Emissionen", sagt Gambke.

Zweitens: Wird der fertig hergestellte Boden direkt vom Mischer in einen Rohrgraben gefüllt, verdichtet er sich von selbst. "Keine Erschütterungen und wenig Lärm", berichtet der Schönecker. Denkmalgeschützte Gebäude, die durch Vibrationen beschädigt werden können, würden geschont. Ärzte in Krankenhäusern, die eine ruhige Hand beim Operieren brauchen, würden nicht gestört. Auch für Arbeiten in Innenstädten eigne sich das Verfahren gut.

Drittens: Der Flüssigboden ist extrem flexibel. "Bei der Verfüllung entstehen keine Hohlräume", sagt der Geotechniker. Der Mix ähnelt dem drumherum vorhandenen Boden: So gibt es keine Risse. Und falls in zehn Jahren doch mal ein Rohr repariert werden muss, so Gambke, müsse kein Arbeiter mit schwerem Gerät anrücken: "Der Boden bleibt aushubfähig."

Viertens: "Wir können mit dem Flüssigboden auch belastete Böden verarbeiten", verrät der Laborleiter. Zum Beispiel bei alten Industrieflächen, wo Schwermetalle versickert sind, könne das Gemisch aufgrund der Tonminerale genau solche Schadstoffe einschließen - und sie damit unbeweglich machen. Quasi unschädlich. Der Boden kann zudem Hitze ableiten. Wichtig für Stromkabel in der Erde, die dadurch leistungsfähig bleiben, so Gambke. Das Labor erforscht zurzeit, welcher Flüssigboden-Mix am meisten Wärme ableiten kann. Ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal: wie viel Druck der Boden aushält, zum Beispiel beim Einsatz unter einer Straße, auf der Autos fahren.

Auserforscht ist das Flüssigboden-Verfahren aber noch lange nicht. "Es gibt immer Neues, Spannendes zu entdecken", schwärmt Gambke.

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