Wenn Frauen im Stadtrat die Stimmenköniginnen sind

Seit 1919 können in Deutschland Frauen wählen und gewählt werden. 100 Jahre später punkten im oberen Vogtland Frauen vor allem in den Städten. In den Landgemeinden sieht es anders aus.

Oelsnitz/Klingenthal.

Bei der Kommunalwahl am 25. Mai holten in den beiden größten Städten des oberen Vogtland jeweils Frauen die meisten Stimmen - in Oelsnitz war es Marion Schröder von der CDU mit 1653, in Klingenthal Judith Sandner von den Freien Wählern mit 1119. In Adorf musste sich Ex-Bürgermeisterin Mariechen Bang (CDU) nur um zwei Stimmen Martin Geipel von den Freien Wählern geschlagen geben, der 781 Stimmen erhielt. Auch in Bad Brambach erhielt mit Ines Czaya (Freie Wähler) eine Frau die meisten Stimmen, und das als Neueinsteigerin.

Seit 100 Jahren können Frauen in Deutschland nicht nur wählen, sie dürfen auch gewählt werden. Was das obere Vogtland betrifft, so fällt bei Frauen in der Kommunalpolitik die Bilanz durchwachsen aus.


Die meisten Frauen sitzen im Adorfer Stadtrat - acht von 18 Abgeordneten: Mariechen Bang, Sylvia Dobberkau und Elisabeth Blüml von der CDU, Liane Lamprecht und Chriseldis Geipel von den Freien Wählern, Steffi Reinhold und Felicitas Herrmann von der SPD sowie Toni Walda von den Linken.

In Oelsnitz sind es unter den 22 Stadträten sechs Frauen: Marion Schröder, Sabine Albert und Mandy Günnel von der CDU, Monika Müller und Jeannine Rockser von der AfD sowie Waltraud Klarner von den Linken. In Klingenthal sind vier der 18 Stadträte Frauen - neben Judith Sandner von den Freien Wählern sind es Anke Färber, Angela Bräutigam und Stephanie Sänger von Pro Klingenthal - meine Stadt. Im gesamten oberen Vogtland stellt Pro Klingenthal damit die einzige Fraktion, die per Wählerentscheid paritätisch besetzt ist - drei Frauen und drei Männer.

Weiblicher ist der neue Stadtrat Schöneck. Am Ratstisch bei Bürgermeisterin Isa Suplie (CDU) sitzen künftig neben der langjährigen Abgeordneten Karin Neidhardt (CDU) nun auch Stefanie Schuster, Angelika Thiem und Janine Leisner von den Freien Wählern.

Auch Bad Elster hat mit Christiane Bang (CDU), Mirjam Knopp (Freie Wähler), Carmen Schaller (Linke) und Gabriele Seifert (SPD) vier Frauen im Stadtrat.

Dagegen sind unter den 16 Stadtraten in Markneukirchen nur noch zwei Frauen - die bisherige 2. stellvertretende Bürgermeisterin Carolin Lorenz und als neue Abgeordnete Luise Wurlitzer (beide Freie Wähler).

In den Landgemeinden fällt der Anteil der Frauen unter den Gemeinderäten generell deutlich geringer aus. Ausnahmen sind dabei Bad Brambach, wo neben Ines Czaya auch Catrin Voigt und Sonnhild Stark (alle drei Freie Wähler) und Kathrin Stübiger (CDU) am Ratstisch sitzen, und Tirpersdorf mit Kati Ludwig, Katrin Weller und Bianca Rudert von der Parteiunabhängigen Wählergemeinschaft.

Nur zwei Frauen sitzen in den Gemeinderäten Muldenhammer: Manuela Schwabe (Freien Wähler) und Annika Hofmann (CDU); und Triebel: Anne Seeger (Linke) und Nicole Schwab (SPD). Triebel hat seit 1993 mit Ilona Groß eine Bürgermeisterin, zuvor war sie seit 1981 Ortsoberhaupt in Posseck.

Jeweils nur eine Frau gibt es in Mühlental (Claudia Puggel, 1. Hermsgrüner TV), Eichigt (Anette Scheibel, Freunde der Feuerwehr) und Bösenbrunn (Andrea Lubowietzki, Linke). (mit hagr)


Frauen aus dem oberen Vogtland in der Politik

Die erste Frau in einem Stadtparlament war 1919 die Markneukirchnerin Elisabeth Kessler (SPD).

In Schöneck kandidierten 1921 mit Hedwig Schilbach (USPD) und Olga Ritter (SPD) erstmals zwei Frauen.

In Klingenthal war 1924 Johanna Herold (SPD) die erste Frau unter den Stadtverordneten.

Erste Bürgermeisterin im oberen Vogtland war 1953 in Muldenberg, heute ein Ortsteil Grünbach, eine Frau Kümmeritz (Bauernpartei).

Erste Oberbürgermeisterin im oberen Vogtland war die Oelsnitzerin Eva-Maria Möbius (CDU) - mit diesem Titel von 1997 bis zu ihrem Tod 2012.

Im Freistaat bekannt wurde Erlbach durch Bürgermeisterin Annelie Wunderlich (FDP), die vom Herbst 1989 bis August 2001 im Amt war.

Der Sächsische Landtag war ab 1990 für das obere Vogtland zunächst eine Domäne der Frauen, zuerst mit Ursula Kulscher (CDU - bis 1998) aus Wohlhausen und Kornelia Müller (Bündnis 90/Grüne - bis 1994) aus Landwüst. 1994 folgten die Klingenthalerin Christine Ernst (SPD - bis 1998) und Andrea Roth (PDS/Linke) aus Tannenbergsthal, die bis 2014 dem Landtag angehörte. (tm)

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