Wie das obere Vogtland um diesen Ärztenachwuchs buhlt

Der Mangel an Medizinern macht erfinderisch: Eine Sommerakademie soll angehenden Ärzten die Region schmackhaft machen. Welche Vorstellungen die jungen Leute haben und welche Trümpfe das Oberland ausspielt.

Adorf/Bad Elster.

Natürlich ist es ein Zufall, aber treffender hätte der Spruch an der Wand im Empfangssaal des Hotel König Albert nicht sein können: "Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll." Einerseits drücken die Worte in anderem Sinne aus, wozu der Eid des Hippokrates einen Mediziner verpflichtet. Anderseits steckt ein berechtigter Stolz und Selbstbewusstsein auf das obere Vogtland dahinter - auch wenn manche es vielleicht anders empfinden.

Dass die zwölf angehenden Mediziner, die vor dem Abschluss ihres Studiums stehen, noch bis Samstag Adorf, Bad Brambach, Bad Elster, Markneukirchen und Schöneck kennen lernen, ist ein wichtiges Puzzleteil im Rahmen der Demografiewerkstatt Kommunen, in die seit drei Jahren auch Adorf - mit den Schwerpunkten Jugend und ärztliche Infrastruktur - als eine von deutschlandweit acht Kommunen eingebunden ist. Die Stadt Adorf und maßgeblich Claudia Schmidt haben das Treffen mit Unterstützung von Klaus Zeitler von der Demografiewerkstatt Kommunen, Martin Kandzia vom Netzwerk Ärzte in Sachsen und der angrenzenden Kommunen organisiert. Warum? Klaus Zeitler: "Ärzte sind eine begehrte Berufsgruppe." Was bedeutet: Den zwölf angehenden Medizinern soll bei ihrem Aufenthalt Appetit gemacht werden, nach dem Studium in der Region eine erfüllende berufliche Perspektive zu sehen.


Kaum jemand der Studenten hat bisher eine Vorstellung von der Region. Silvia Hiemann, die aus Marienberg stammt und an der Uni in Ulm studiert, nur insofern: "Meine Mutter war mal in Bad Elster zur Kur. Als ich ihr erzählte, dass ich hier zu einer Sommerakademie bin, war sie ganz neidisch und wäre am liebsten mitgekommen, so gut hatte es ihr in Bad Elster gefallen." Christina Teut aus Torgau - sie studiert in Leipzig - und ihr Freund Matthias Förster, ein Rettungssanitäter, hingegen waren vor drei Jahren bei der Eröffnung der Soletherme dabei und durch Bekannte im Vogtland lernten sie die Region schon genauer kennen: Markneukirchen, Klingenthal, Plauen, die Göltzschtalbrücke. Christina: "Ich möchte nach dem Studium in einer Klinik in Sachsen arbeiten - warum also nicht hier? Und mein Freund hätte auch eine Perspektive. Wir werden den Aufenthalt auf jeden Fall nutzen, um uns zu informieren." Ähnlich auch der Plan von Christopher Luther aus Dresden: "Ich möchte mich einmal als Landarzt mit einer eigenen Praxis niederlassen. Ich denke, dass man seinen Patienten von der Wiege bis zur Bahre nirgendwo so nahe, so eng verbunden ist wie in einer ländlichen Region. So verstehe ich auch meinen Beruf und das ist mein Anspruch. Vom Vogtland habe ich bisher noch nichts gehört und lasse mich also überraschen."

Realisiert wird der Schnupperkurs bis Samstag mit einem umfangreichen Programm, bei dem die Trümpfe des oberen Vogtlands ausgespielt werden. Unter anderem gehören Besuche touristischer Vorzeigeeinrichtungen wie der IFA-Ferienpark Hohe Reuth und die Ski-/Bikewelt in Schöneck, die Schauwerkstatt Erlebniswelt Musikinstrumentenbau in Markneukirchen, Klein-Vogtland und der Botanische Garten in Adorf und ein Konzerterlebnis im König-Albert-Theater Bad Elster dazu. Fast noch wichtiger sind die fachlichen Aspekte in einer Region mit Kernkompetenz Kultur und Gesundheit: Die Studenten bekommen einen Eindruck von Kliniken in Schöneck, Adorf, Bad Elster und Bad Brambach sowie dem neuen Ärztehaus in Markneukirchen. Auf dem Programm steht auch ein Erfahrungsaustausch mit Ärzten vor Ort.

Wenn die Studenten am Sonntag wieder abreisen, werden sie selbstredend noch keine Entscheidung getroffen haben können, ob ihr Weg sie nach dem Studium in das obere Vogtland führt, sicher aber ganz bestimmt ermutigt fühlen und darüber nachdenken. Vielleicht half ihnen dabei Hotelmanager Marc Cantauw, der beim Empfang von seinen persönlichen Erfahrungen erzählte: "Als meine Freunde davon erfuhren, dass ich nach Bad Elster gehe, fragten sie mich, wo das liegt. Meine Antwort: im Vogtland. Sie: Braucht man dafür einen Reisepass? Und heute wissen sie genauso wie ich: Es ist hier doch wundervoll!"

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