Wie geht es weiter mit Schönecks Tochter DLT?

Die Dienstleistungs- und Tourismus GmbH, unter anderem Betreiber der Ski- und Bikewelt, lebt von der Substanz. Der neue Aufsichtsratschef erhebt deshalb Forderungen in Richtung Freistaat.

Schöneck.

Auf rund 360.000 Euro beläuft sich der Jahresverlust 2018 der Schönecker Tochtergesellschaft Dienstleistungs- und Tourismus GmbH (DLT). Diese Zahl nannte Stadtrat Sven Lorenz (Freie Wähler), seit wenigen Tagen Vorsitzender des DLT-Aufsichtsrates. Er tritt die Nachfolge von Peter Zeidler (CDU) an, der das Amt seit 1998 inne hatte.

"Die Zahl ist kein Geheimnis. Sie wird auch im Bundesanzeiger veröffentlicht", sagt Lorenz. Er geht aber davon aus, dass die Situation um die DLT zu neuen Diskussionen im Stadtrat führen wird. Noch können nach seinen Worten die finanziellen Verluste mit Geld ausgeglichen werden, das Schöneck 2017 für den Verkauf der 265 kommunalen Wohnungen erhielt. "Das geht vielleicht noch vier Jahre. Aber was wird dann?", stellt der Aufsichtsratsvorsitzende die Frage in den Raum.

Zu den aktuellen Aufgabengebieten der DLT mit ihren knapp 20 Beschäftigten gehören der Bauhof, die Betreibung der Ski- und Bikewelt sowie die Bewirtschaftung des Parkhauses. Der Wohnungsverkauf von 2017 war im Stadtrat umstritten. "Damit verliert die DLT auch ein wichtiges Geschäftsfeld", hatte der damalige Stadtrat Alf Polster (FW) seine Bedenken deutlich gemacht.

Käufer war die Wohnen in Sachsen GmbH Jena, eine 100-prozentige Tochter der Holding ICJ Immobilienconsulting GmbH Jena. Über den Kaufpreis wurde nach den Worten von Bürgermeisterin Isa Suplie (CDU) beiderseitiges Stillschweigen vereinbart. Der Verkaufserlös sollte eigentlich in die Entwicklung der Stadt fließen. Das war zumindest Anliegen der Freien Wähler.

Bereits im vergangenen Jahr war nach den Informationen von Bürgermeisterin Suplie für die DLT eine Struktur- und Betreiberanalyse in Auftrag gegeben worden. Damit sollen neue Perspektiven für das Unternehmen geschaffen werden. "Es geht erst einmal um eine Bestandsaufnahme bei den Positionen Wirtschaftlichkeit, Struktur und Organisation des Unternehmens", betont Lorenz. Man müsse nachdenken, wie es mit der DLT weitergehen soll. "Schnellschüsse sind dabei völlig fehl am Platz", macht er deutlich.

In diesem Winter war wegen der milden Temperaturen bislang kein nennenswerter Liftbetrieb in Schöneck möglich. Die Hoffnungen ruhen nun auf den Winterferien im Februar. Durch die Brandschutzmaßnahmen im Ifa-Ferienpark "Hohe Reuth" ist zudem das Bettenangebot derzeit deutlich reduziert, was wiederum Auswirkungen auf die Einnahmen der Stadt durch die Kurtaxe hat.

Das Konzept für die Skiwelt zu überdenken, hatte schon 2018 der damalige Stadtrat Jürgen Penzel (FW) angeregt. 99 Skitage standen nach in der Saison 2017/18 zu Buche, die zweitbeste Bilanz der vergangenen fünf Jahre. Knapp 30.000 reine Ski-Tickets waren verkauft worden, der Umsatz betrug rund 370.000 Euro. Dieser hätte aber laut Penzel mindestens doppelt so hoch sein müssen, um für den Betrieb der Skiwelt eine schwarze Null schreiben zu können. Eine Antwort der damals Verantwortlichen der DLT war ein Kühlturm. Dahinter stand die Idee, die künstliche Beschneiung zu optimieren, um die Saison zu verlängern und damit weitere Einnahmen zu erzielen. Die Freien Wähler haben dies aber quasi auf der Zielgeraden aus Kostengründen gestoppt.

Vor weiteren Investitionen sei eine genaue Erörterung der Finanz- und Wirtschaftslage erforderlich, begründet der neue Aufsichtsratsvorsitzende: "Wir sind eine Kleinstadt mit rund 3000 Einwohnern, die bislang aus eigener Kraft ein umfangreiches touristisches Angebot für die gesamte Region erbringt, dafür aber auch bislang weitgehend allein das Risiko trägt."

Die Freien Wähler, die im Stadtrat Schöneck die stärkste Fraktion stellen, haben eine Diskussion angestoßen, die inzwischen Thema im Vogtland ist. In der Stadtratssitzung im Dezember unterbreiteten sie den Vorschlag für einen Runden Tisch zur weiteren Finanzierung der Skiwelt. "Wichtig ist uns der Erhalt des Skigebietes mit soliden Finanzmitteln. Hierbei sehen wir neben der Stadt eine künftige Kostenbeteiligung des Vogtlandkreises und des Freistaates als unerlässlich", sagte Stadträtin Stefanie Schuster.

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