Als die Frauen im "Trömel" Pläne schmiedeten

Vor 100 Jahren zogen in Plauen die ersten Frauen ins Stadtparlament. Eugenie Schumann hatte schon lange davor einen Frauen-Verein gegründet.

Plauen.

Elf Frauen sitzen im Stadtrat von Plauen. Damit beträgt der Frauenanteil 26 Prozent. Dieses Mitentscheidungsrecht für Frauen ist jetzt ein Jahrhundert alt. Im Februar 1919 begannen in der Spitzenstadt die ersten Frauen ihre parlamentarische Arbeit. Grundlage war das neue Reichswahlrecht, das am 30. November 1918 in Kraft getreten war. Am 9. Februar 1919 fand die erste Kommunalwahl statt, bei der auch Frauen gewählt werden durften.

Beim Frauenstammtisch im Quartier 30 erläuterte Doris Meijler, Leiterin des Stadtarchivs, wie sich die Frauenbewegung in der Weimarer Republik entwickelte und welche Frauen aus Plauen eine Rolle spielten. Drei Jahre vor der Gründung der SPD-Ortsgruppe Plauen 1906 trat Clara Zetkin in Plauen auf, die Führerin der proletarischen Frauenbewegung und Initiatorin des Internationalen Frauentages. Sowohl Zetkin als auch Rosa Luxemburg, die 1903 und 1911 in Plauen sprach, riefen damals die Frauen auf, darauf hinzuwirken, dass ihre Männer SPD-Abgeordnete in den Reichstag wählen. Diese Partei würde dann für bessere Witwen- und Waisenversorgung, den 8-Stunden-Tag und den Arbeitsschutz eintreten.

Im März 1907 gründeten 33 Plauenerinnen auf Initiative von Eugenie Schumann im Kaffeehaus Trömel den Frauen-Verein, der schnell 400 Mitglieder hatte und sich Gehör und Ansehen verschaffte. Doch die Frauenrechtlerinnen der ersten Stunde hatten nicht nur mit männlichen Gegnern zu kämpfen, sondern auch mit Frauen, die sich an das alte Rollenbild klammerten.

Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 waren erstmals 18 Millionen Frauen stimmberechtigt. Die weibliche Wahlbeteiligung lag bei 82 Prozent. Unter den Kandidaten des Wahlkreises Chemnitz-Zwickau befand sich mit Eugenie Schumann auch eine Plauenerin, die allerdings auf Listenplatz 5 keinen der drei DDP-Sitze ergatterte. Bei der ersten Plauener Kommunalwahl mit weiblichen Kandidaten schafften es Anfang Februar 1919 mit Alma Röhle, Hedwig Zöbisch, Else Königsdörffer, Martha Baldauf sowie Marie Fröhlich fünf Frauen in die Stadtverordnetenversammlung. Während Oberbürgermeister Georg Lehmann bei der ersten Tagung Ende Februar 1919 auf die veränderte Situation hinwies, ergriff die 23-jährige Alma Röhle das Wort und forderte Unterstützung für arbeitslose Frauen. Sieben Kommunalwahlen fanden in Plauen in der Weimarer Republik statt. Insgesamt gehörten 21 Frauen zwischen 1919 und 1933 dem Stadtparlament an. Mit der Machtübernahme Hitlers und der NSDAP endete das politische Engagement der Pioniere der deutschen Frauenbewegung. Frauen war da das passive Wahlrecht untersagt. Sie konnten keine Mandate besetzen, sich nicht zur Wahl stellen und nicht gewählt werden.

"Errungenschaften müssen auch verteidigt werden", appellierte die Plauener Gleichstellungsbeauftragte Christina Myrczek. Es sei Zeit, dass sich die Frauen nach dem Vorbild der Pioniere der Frauenbewegung an ihre Stärken und Ziele erinnern und dafür eintreten. "Sonst dürfen wir uns nicht wundern, wenn Entscheidungen gefällt werden, die uns Frauen nicht gefallen."

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