Brüder sollen 27 Kilogramm Crystal geschmuggelt haben

Eine der größten Drogenbanden Sachsens hatte ihren Unterschlupf in Plauen. 27 Kilo Crystal soll sie über die Grenze geschmuggelt haben. Verkaufswert: zwei bis drei Millionen Euro. Der Prozess dauert schon ein Jahr.

Plauen / Zwickau.

F. wohnte zusammen mit seinem Bruder im Stadtteil Haselbrunn, und von dort aus sollen sie Plauen mit Rauschgift versorgt haben. Kiloweise holten sie Crystal bei ihren tschechischen Lieferanten ab, wirft die Staatsanwaltschaft Zwickau ihnen vor. Offiziell waren sie Bauarbeiter, sollen aber vom Drogenhandel gelebt haben. Ein Millionen-Geschäft: Zwischen zwei und drei Millionen Euro soll das eingeschleuste Crystal je nach Verkaufsregion wert sein - zumindest die Menge, für die sie jetzt vor Gericht sitzen.

F. gehörte zu einer der größten Drogenbanden Sachsens. Sie besteht aus fünf Männern aus der Türkei, die miteinander verwandt sind. Drei sind Brüder. Bis auf einen haben die Angeklagten mehrere Vorstrafen wegen Rauschgifthandels und saßen bereits im Gefängnis. Drei von ihnen lebten in Plauen, einer in Treuen, einer in Böhlen bei Leipzig. Fast 27 Kilogramm Crystal sollen sie über die tschechische Grenze geschmuggelt haben. Zum Vergleich: In ganz Sachsen wurden 2016, als sie aktiv waren, laut Innenministerium 28,6 Kilo Crystal sichergestellt.

Den Stoff verkauften sie in Plauen und Leipzig. Im Bezirk des Landgerichts Zwickau ist das die größte Menge Crystal Meth, die in den vergangenen 20 Jahren gefunden wurde, sagt Gerichtssprecher Altfrid Luthe: "Ich kenne keinen größeren Fall."

Vor dem Gericht läuft seit einem Jahr der Prozess gegen den Drogenring. An 49 Tagen hat die Kammer bereits verhandelt. Wann mit einem Urteil zu rechnen ist, sei noch nicht absehbar. Bis Ende des Jahres wurden bereits Verhandlungstermine anberaumt, so Luthe.

Die fünf Männer sitzen in Untersuchungshaft. Jeder von ihnen hatte eine Aufgabe in dem Clan. Der in Haselbrunn lebende F., 42, soll ausschließlich für den Vertrieb in Plauen zuständig gewesen sein. Er bestellte bei seinen Lieferanten in Tschechien, ließ es von seinen Kurieren abholen und nach Plauen bringen und verkaufte es weiter. An Dealer, an Konsumenten.

An manchen Tagen brachten sie ein halbes Kilogramm Crystal nach Deutschland. An manchen waren es laut Staatsanwaltschaft bis zu sechseinhalb Kilo. Aufgeflogen war die mutmaßliche Bande unter anderem durch eine Polizeikontrolle Anfang Dezember 2016, bei der die Beamten zwölf Tüten mit sechs Kilogramm Crystal in einem Kurierauto entdeckten.

Die Ermittler hatten sie über Monate beobachtet, Telefongespräche abgehört und Kurierfahrten überwacht. Sie gingen zunächst von noch größeren Mengen Drogen aus. Die Staatsanwaltschaft hatte den Männern Geschäfte mit fast 40 Kilogramm Crystal vorgeworfen. Dem Oberlandesgericht Dresden waren diese Mengenangaben in einzelnen Fällen zu vakant. Nach einem Beschwerdebeschluss wurde aus konkreten Kiloangaben die Angabe "nicht geringe Menge". Der Drogenring beschäftigt Richter, Staatsanwälte und eine Riege von Anwälten. Jeder Angeklagte hat zwei Verteidiger neben sich sitzen. Einige Vorwürfe verfolgt das Gericht nicht weiter und stellte die Verfahren ein.

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