Filmschatz zeigt Plauen von anno dazumal

Einer der ältesten Streifen im Stadtarchiv hat fast 100 Jahre auf dem Vinylbuckel. Ein Plauener hält mit Aufnahmen aus den 1920er- Jahren dagegen. Seine Kostbarkeiten stammen aus der ganzen Region.

Plauen.

So viele Jahre wie die älteste Filmaufnahme der Welt, die am morgigen Sonntag 130. Geburtstag feiert, bringen die Schmankerl aus dem Vogtland zwar nicht zusammen. Doch einer der ältesten Streifen im Stadtarchiv wird immerhin bald 100. Der Plauener Steffen Hegner zaubert aus seinem Filmarchiv indes kurze Clips aus dem ganzen Vogtland hervor: von Bad Elster aus den 1920ern über Netzschkau in den 30ern sowie das Plauener Freibad Naddel und die Talsperre Pöhl aus den 60ern. Er sagt: "Die Detektivarbeit, was welche Filme wann genau zeigen, macht einfach Laune."

Am 14. Oktober 1888 drehte der französische Chemiker und Erfinder Louis Le Prince die erste Filmaufnahme der Geschichte: Familie Whitley in einem Garten in England. In Hegners Archiv an der Plauener Weststraße ist auf seiner ältesten Aufnahme aus dem Vogtland in den 20er-Jahren in Bad Elster keine Familie zu sehen, sondern eine Frau in einem Straßencafé. "Oft sind die Filme schwer zu datieren", erklärt der 37-Jährige. Aufschriften auf den Rollen, das Filmmaterial sowie markante Gebäude, Kleidung und Autos auf dem Streifen - all das sind Hinweise. 2010 hat er angefangen zu sammeln: Ein Flohmarkt-Fund hatte ihn neugierig gemacht. Heute hat er gut 500 Filmrollen erfasst und katalogisiert. Der Schnittmeister stößt bei der Arbeit auf Material, über Amateurfilmer oder auch durch Zufall. "Bis 1990 wurde in der DDR noch mit 8-Millimeter-Filmen gedreht", erläutert der Plauener. Filmrollen seien teuer und rar gewesen.

Ob auf Normal 8, Super 8 oder im Format 9,5 Millimeter: "Diese alten Aufnahmen faszinieren mich", erklärt Hegner und zeigt einen Ausflug aus den 60ern an die Talsperre Pöhl: mit Schloss und Faltbooten im Hintergrund. Er vertreibt solche Clips weltweit über seine eigene Online-Präsenz und einen großen Anbieter. Besonders beliebt: FKK-Bilder aus dem Osten und ein Film mit Kindern, die Pickelhauben tragen.

Auch das Stadtarchiv Plauen hat nach Angaben von Mitarbeiter Clemens Uhlig alte Filmrollen, Videos, Kassetten und mehr. Die meisten Originale des kleinen Bestandes stammen aus der Zeit nach 1945. "Ältere Filme sind also die Ausnahme", so Uhlig. Mit Sicherheit sagen, wie alt der älteste Film über Plauen ist, kann er nicht: "Aufnahmen sind oft in privater beziehungsweise gewerblicher Initiative entstanden." Eins der ältesten Video-Dokumente dürfte ein Werbe-Stummfilm der Deulig-Film GmbH Berlin über Plauen von 1921 sein. Der Nitrofilm soll bald in ein Bundesarchiv umziehen.

Doch Nachschub ist bereits am Start: "Kürzlich bekamen wir von einer Nachfahrin des langjährigen Pfarrers der Plauener Johanniskirche Aufnahmen vom Wiederaufbau der Kirche", verrät Uhlig. "Der Pfarrer hatte sie damals als begeisterter Amateurfilmer selbst angefertigt."

Die Dokumente im Stadtarchiv sollen auf lange Sicht benutzbar gemacht werden, erklärt Uhlig. "Das hängt jedoch von ihrer Digitalisierung ab." Sprich: Die kommt zwar stetig voran - aber es dauert noch.

Historische Film-Bonbons aus dem Vogtland sind zu haben über Steffen Hegners Archiv. Manche Clips sind aber auch bei Youtube zu sehen.

www.film-und-fernseharchiv.de

www.freiepresse.de/badelster1920er

www.freiepresse.de/netzschkau1931

www.freiepresse.de/taeveschur1962

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