Gedenkstein für KZ-Häftlinge abgelehnt

Soll am Neundorfer Burgstättel an die dort kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges umgebrachten Zwangsarbeiter erinnert werden? Darüber besteht keine Einigkeit.

Neundorf.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges sind Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager (KZ) Sonneberg, die dort in einer Zahnradfabrik arbeiten mussten, in das KZ Flossenbürg in der Oberpfalz getrieben worden. Jedenfalls war es das Ziel der Nazis, die Häftlinge dorthin zu bringen. Der Marsch verlief auch durch Neundorf. Bei einem Aufenthalt am Burgstättel wurden sechs der Zwangsarbeiter durch die SS erschossen. Das alles hat der Verein Jesus für Plauen und das Vogtland dem Ortschaftsrat und auch den Verantwortlichen der Stadtverwaltung berichtet. Die sieben Mitglieder zählende Gemeinschaft schlug einen Gedenkstein an dem Hügel vor.

"Wir sind von einer Historikerin angesprochen worden", erklärt Ralf Oelschlägel, stellvertretender Vorsitzende und Sprecher der Gruppe. Der Verein hat zusammen mit anderen Akteuren vor drei Jahren schon mit einem Gedenkmarsch an die Deportation Plauener Juden erinnert. Das Geschehen in der Zeit des Dritten Reiches soll nicht vergessen werden. Das hat sich die Gemeinschaft zum Ziel gesetzt. Das begründet auch den jüngsten Vorstoß der Gruppe.

Der Marsch nach Flossenbürg wurde von den Nazis als "Evakuierungsmarsch" bezeichnet. Die Alliierten waren nicht mehr weit. "Aber das war ein Todesmarsch", sagt der Plauener. Dass am Burgstättel sechs Häftlinge von der SS umgebracht wurden, ist durch Zeugen überliefert, weiß Oelschlägel. Und es waren nicht die einzigen Opfer: Auch in Pirk wurde getötet. "Dort gibt es einen Gedenkstein", sagt der Gruppensprecher. In Neundorf wird es vermutlich aber keinen geben.

"Wir finden die Idee und den Hinweis gut", sagt Ortsvorsteher Uwe Trillitzsch (Bürgerinitiative). Die Ortsteilvertreter seien auch der Auffassung, dass an die Geschehnisse erinnert werden müsse - aber nicht unbedingt am Burgstättel in Neundorf: "Nach so langer Zeit ist es sinnvoller, das an einem zentralen Ort zu tun", gibt er die Haltung der Räte wieder, die dem Verein bei einer gemeinsamen Beratung mitgeteilt worden ist. Es gebe keinen Bezug zu Neundorf. Der sechs Toten solle mit der von der Stadtverwaltung geplanten Stele gedacht werden.

Auch Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) war bei dem Gespräch mit dem Verein dabei. "Von den gewählten Mitgliedern des Ortschaftsrates wurden Bedenken hinsichtlich Standort und Unterhaltung eines solchen Mahnmals angesprochen", informiert er. Der Standort am ehemaligen Steinbruch werde heute kaum und schon gar nicht touristisch besucht. "Die Pflege und Unterhaltung sowie Anschaffungskosten - diese sollten vom Verein Jesus für Plauen und das Vogtland getragen werden - lassen sich nicht darstellen.", teilt Steffen Zenner weiter mit. Erinnerungskultur solle "gelebt und wahrgenommen werden und erlebbar sein". Diese Kriterien habe der Ortschaftsrat für diesen Standort als nicht erfüllt angesehen.

Stattdessen werde an etwas anderes gedacht. Der Kulturbetrieb der Stadtverwaltung Plauen erarbeite derzeit eine Übersicht über alle Denkmäler und Mahnstätten in Plauen. "Diese sollen später als Katalogausgabe zur Verfügung stehen", kündigt der Bürgermeister an. "Noch nicht gänzlich gestrichen wurden die Ideensammlung um einen oder vielleicht auch mehrere Stelen-Parkanlagen oder auch Mahnstätten", ergänzt er. Sein Geschäftsbereich wolle Ende dieses Jahres einen neuen Vorschlag dazu den Stadträten zur Beratung vorlegen.

In Neundorf soll zudem eine Informationsveranstaltung stattfinden, bei der Bürger mit Initiatoren des Gedenksteins zu dem Todesmarsch und weiteren Verbrechen der Nazis in der Region sprechen können. Nähere Informationen zum genauen Ort oder Termin einer solchen Veranstaltung gibt es aber noch nicht.

Ralf Oelschlägel kann die Begründung für die Ablehnung nicht ganz nachvollziehen. "Es gab Augenzeugen in Neundorf", sagt er. Außerdem seien die Getöteten zunächst vom Neundorfer Volkssturm am Burgstättel verscharrt worden, bevor man sie auf den Dorffriedhof und schließlich auf den Hauptfriedhof brachte.

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