Kultur und Natur: So punktet das Vogtland

In einer Studie zur Lebensqualität hängt das Vogtland viele Regionen ab. Erstmals ist nicht allein die Wirtschaftskraft für ein gutes Abschneiden ausschlaggebend.

Plauen.

Was zuletzt auf der Suche nach Einsparpotenzial im Vogtland wieder einmal zur Debatte stand, ist ein Faktor, der die Region von anderen abhebt: die Vielfalt in der Kulturlandschaft. Es ist aber nur einer der Gründe, warum das Vogtland bei einer deutschlandweiten Studie im Auftrag des ZDF zur Lebensqualität viele andere Landstriche hinter sich lässt, unter anderem auch seine Nachbarn: das Erzgebirge, die Landkreise Zwickau, Greiz und Hof - selbst Leipzig. Die Szene-Stadt landete im Vergleich mit 401 anderen Städten und Landkreisen auf Platz 158, das Vogtland hingegen knapp im vorderen Viertel: auf Platz 97. Aber warum ist das so?

Freizeit und Natur: Dem Vogtland wird in der Studie ein hoher Erholungswert zugesprochen. Was Touristen anzieht, macht die Region auch für Einheimische lebenswert: die Natur. So ist ein Indikator der große Anteil der Waldfläche an der Gesamtfläche im Vogtland, Platz 108. Auch eine hohe Vereinsdichte und eine wachsende Zahl an Übernachtungen von Gästen tragen zum positiven Bild bei - bei beiden Indikatoren hängt das Vogtland selbst das Erzgebirge ab.

Familie und Beruf: Weit vorn landet der Kreis beim Thema Ganztagesbetreuung im Kindergartenalter. Nur rund 50 andere Städte und Regionen können eine höhere Quote für die Nutzung von Betreuungsangeboten von sieben Stunden und mehr vorweisen. Beim Punkt Beschäftigungsquote von Frauen belegt das Vogtland daher sogar Platz 25.

Kultur: Bei der Anzahl klassischer Kulturveranstaltungen mit eigenem Ensemble je 10.000 Einwohner lässt das Vogtland mit seiner Orchester- und Theaterlandschaft im Vergleich zu anderen ländlichen Räumen aufhorchen - fast 40. Zum Vergleich: Im Erzgebirge sind es nicht einmal neun. Allein die Chursachsen in Bad Elster bieten pro Jahr mehr als 1000 Veranstaltungen an. Auch wenn das eigene und fest angestellte Ensemble dort nur aus einer Handvoll Musiker besteht.

Wohnen: Bei der Relation von Mietpreis und Einkommen stehen nur 20 besser da. Bislang schnitt der Vogtlandkreis in den meisten Vergleichen schlecht ab, weil allein nach der Höhe von Einkommen gefragt wurde - und diese nicht ins Verhältnis zu Lebenshaltungskosten gesetzt waren. Diesmal punktet das Vogtland, auch bei der Immobilien-Kaufpreis-Einkommens-Relation bleibt die Region trotz steigender Häuserpreise in den Top 100.

Gesundheit und Sicherheit: In der Kategorie kann das Vogtland glänzen. Nur 44 Landstriche schnitten besser ab. Ausschlaggebend ist insbesondere der Indikator Altersarmut: Nur 16 Regionen wiesen 2016 einen geringeren Anteil von Menschen mit Grundsicherung im Alter 65 plus in Relation zur Gesamtbevölkerung auf. Mit keinem anderen Wert erreicht das Vogtland ein besseres Ergebnis. Außerdem sticht die hohe Rehaklinikdichte in dieser Kategorie und eine geringe Zahl von Verkehrstoten - es ist ja auch weniger los auf den Straßen.

Wenig Punkte: Die alten Leiden schlagen sich auch in dieser Studie nieder: wenig Frauen in Stadt- und Gemeinderäten, überalterte, übergewichtige Bevölkerung, wenig Kaufkraft. Der Indikator Kaufkraft ist für das Vogtland der absolut schlechteste Wert. Nur 14 Städte und Kreise stehen bei dem Punkt schwächer da. Auch für 2018 prognostizieren Experten den Vogtländern ein Potenzial, das 16,5 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt liegt: weniger als 19.500 Euro pro Person.


"Herz und Emotionen spielen beim Lebensraum eine Rolle"

Danny Szendrei ist IHK-Geschäftsführer. Ein Wirtschaftsranking stieß ihm übel auf. Die Deutschlandstudie schmeckt ihm besser. Nicole Jähn fragte, warum.

Freie Presse: Herr Szendrei, Sie nervt das jährliche Wirtschaftsranking von Focus Money, das den Vogtlandkreis jedes Mal schlecht dastehen lässt. Was gefällt Ihnen an der Deutschlandstudie?

Danny Szendrei : Dass endlich weiche Faktoren berücksichtigt werden, wie etwa der Erholungsraum im Vogtland. Ein Punkt ist auch, dass das Einkommen in ein Verhältnis gesetzt wird zu den Mietausgaben.

Es erstaunt mich schon, dass gerade Sie als Vertreter der Wirtschaft, die alles in Zahlen ausdrückt, auf weiche Faktoren pocht?

Fachkräfte, die wir dringend brauchen, stellen nun mal keine wirtschaftswissenschaftlichen Fragen, wenn sie sich für eine Region als Lebensraum entscheiden. Da entscheiden das Herz und Emotionen. Ausschlaggebend ist auch, wie es mit Betreuungsangeboten für Kinder aussieht. Da punktet das Vogtland. Damit sollten wir mehr werben.

In Sachen Kaufkraft schneidet das Vogtland aber auch bei dieser Studie schlecht ab.

Das hat natürlich viel mit den Einkommen zu tun. Man muss aber die Entwicklung sehen und die ist positiv. Von Billiglöhnen sind wir im Vogtland längst weg. Das können sich die Unternehmer gar nicht leisten, sonst würden sie Mitarbeiter verlieren. Wer Löhne und Gehälter anhebt, hat auch einen Wettbewerbsvorteil.


Hintergrund

Für die Deutschlandstudie beauftragte ZDFzeit das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos AG. Um Lebensumstände zu messen, wurden statistische Daten von 401 Kreisen und Städten verglichen. Die Daten stammen aus den Jahren 2010 bis 2017. Im Internet kann das Ergebnis für jede Region eingesehen werden.

https://deutschland-studie.zdf.de

 

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