Lehrerin für besseres Verstehen

Die 18-jährige Lilli Lorenz gibt jungen Migranten Englischunterricht. Wie sie die Fronten geklärt hat und welche Erfahrungen sie macht.

Plauen.

Die meisten der jungen Flüchtlinge sind einen Kopf größer und nur ein, zwei Jahre jünger als ihre Lehrerin, und trotzdem funktioniert die Sache mit dem Englischunterricht. Lilli Lorenz aus Weischlitz ist natürlich keine "richtige" Lehrerin, aber sie will, wie sie sagt, etwas für die jungen Flüchtlinge tun.

Die kommen aus verschiedenen Ländern, sprechen einigermaßen Deutsch und absolvieren in der Freien Schule Plauen ein berufsvorbereitendes Jahr (BVJ). Nach einem Jahr kann ihnen der Hauptschulabschluss zuerkannt werden, und sie dürfen eine Berufsausbildung beginnen. Englisch steht für sie eigentlich nicht auf dem Plan. Dass sie die Sprache trotzdem erlernen wollen, ist eine freiwillige Sache. "Das habe ich ihnen auch am Anfang gesagt. Sie müssen nicht kommen. Aber wenn sie teilnehmen, möchte ich respektiert werden. Disziplin, Höflichkeit und klare Regeln erwarte ich einfach", sagt Lehrerin Lilli Lorenz. "Schließlich opfere ich einmal in der Woche meine Freizeit für den Unterricht."


Sie selbst ist noch Schülerin, besucht im selben Haus die Fachoberschule für Wirtschaft und möchte später eventuell Berufsschullehrerin werden.

Bedenken, die anfangs herrschten, sind ausgeräumt. Die jungen Männer seien sehr wissbegierig, behandelten ihre Lehrerin höflich, sie seien überhaupt nicht aufdringlich, sagte Lilli Lorenz. Einige sprechen sie mit Vornamen an, andere sagen "Frau Lorenz" zu ihr. Das klappe alles vorzüglich. "Angefangen haben wir im September mit gegenseitigem Vorstellen. Die Schüler und auch ich haben aus unserem Leben erzählt." Langsam entwickle sich ein Vertrauensverhältnis, die Schüler fragen sie auch nach dem Unterricht dies und jenes, wollen wissen, wie man eine Fahrerlaubnis erwirbt, was es mit dem 1. Mai auf sich hat und was in Deutschland der Unterschied zwischen Ost und West war. Beiden Seiten macht der Unterricht so viel Spaß, dass die Zeit auch verdoppelt werden könnte.

Warum nun nimmt eine 18-Jährige, die in ihrer Freizeit bereits Jugendleiterin beim Fußballsportverein Bau Weischlitz ist und in der Prinzengarde des Karnevalsklubs tanzt, die zusätzliche ehrenamtliche Arbeit auf sich? "Ich habe längere Zeit überlegt, was man tun könnte, damit die Menschen nicht mehr als Ausländer bezeichnet werden, sondern zu uns gehören", sagt sie. Für ein halbes Jahr unterrichtete sie Flüchtlinge in Deutsch an der Volkshochschule. Danach wurde sie an der Freien Schule gefragt, ob sie den Englischunterricht übernehmen könnte. "Ich mache mir damit nicht nur Freunde", weiß sie. "Doch das kümmert mich nicht. Ich will einfach etwas für diese Menschen tun."

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