Nach Jahren der Arbeitslosigkeit geht es nur Schritt für Schritt

Langzeitarbeitslose haben es schwer, beruflich Fuß zu fassen. Beschäftigung soll ihnen helfen, wieder Selbstvertrauen aufzubauen. Das niederschwellige Angebot wird vom Jobcenter vermittelt.

Plauen.

Bewohner des Altenpflegeheimes Stadtmitte der Volkssolidarität haben einen neuen Hingucker. Langzeitarbeitslose fertigten aus Holzpaletten praktische Blumenkästen für den Innenhof der Einrichtung an der Reißiger Straße. So entstand eine neue gemütliche Sitzecke für Bewohner und Personal.

Bis zu dreimal wöchentlich trafen sich die Projektteilnehmer für maximal sechs Stunden in den Räumlichkeiten der Plauener Euroschulen an der Klopstockstraße. Sozialarbeiter Franz Schneider hat das von der Sächsischen Aufbaubank und dem Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt begleitet. Im Programm "Schritt für Schritt" erhielten die Teilnehmer über drei Monaten eine individuelle und intensive Förderung. Allerdings wirbelte die Coronapandemie den Zeitplan gehörig durcheinander. Dadurch kamen die umgebauten Europaletten erst mit Verspätung im Altenpflegeheim an.

Bei der "beschäftigungsnahen Tätigkeit" handelt es sich um ein niederschwelliges Angebot für Personen im Alter zwischen 25 und 58 Jahren, die schon mindestens drei Jahre ohne Job sind. Sozialpädagoge Franz Schneider kennt die gravierenden Probleme dieser aufs Abstellgleis geratenen Gruppe: "Vielen fehlt der eigene Antrieb." Vordergründig gehe es darum, Vermittlungshemmnisse abzubauen. In der Phase ist der Arbeitsmarkt für die meisten Teilnehmer noch Lichtjahre entfernt, weiß Schneider. "Ziel ist die Überleitung in eine Anschlussmaßnahme." Die Betroffenen sollen sich wieder etwas zutrauen. Für einen Großteil der Langzeitarbeitslosen sei diese Hürde offenbar zu hoch, räumte der Projektbegleiter ein: "Nur etwa fünf Prozent schaffen es zur nächsten Stufe." Manche, die er während seiner Tätigkeit kennenlernte, seien seit den 1990-er Jahren arbeitslos gemeldet. Dieser Personenkreis habe nicht selten mit psychischen Problemen bis hin zum Drogenkonsum zu kämpfen. Kontakte pflegen die Sozialarbeiter der Bildungsstätte mit dem Jugendamt, dem Jobcenter, der Wohnungslosenhilfe und Suchtberatungsstellen.

Neben Arbeiten mit Holz bietet das Programm auch Beschäftigungsmöglichkeiten in den Bereichen Fitness, Töpfern, Ernährung und Gesundheit an. Garten- und Landschaftsbau wird am Unteren Bahnhof auf dem Gelände des früheren Euroschulen-Standorts praktiziert. Inzwischen gibt es zahlreiche Kooperationen mit gemeinnützigen Vereinen, die wie im Fall der Volkssolidarität für die in den Werkstätten gefertigten Dinge Verwendung finden. Nach Informationen des Bildungsträgers werden die Teilnehmer durch das Jobcenter Plauen zugewiesen. Ab Dezember startet ein Folgeprojekt.

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