Neue Jahresschrift bietet Spannendes

Der Verein für vogtländische Geschichte, Volks- und Landeskunde bietet geschichtsinteressierten Vogtländern in seiner neuen Publikation 14 informative Beiträge.

Plauen.

Wer aufmerksam durch Wald und Flur wandert, der entdeckt an zahlreichen Stellen im Vogtland noch Spuren der Vergangenheit. Diese Spuren sind manchmal mehr und manchmal weniger deutlich. Die vom ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Jörg Fischer aus Plauen untersuchten Reste des Alten Schlosses Wintersreuth nahe Landwüst könnte man übersehen. Die einstige Burg mit einem Graben drumherum liegt "versteckt im Wald", schreibt der Autor in seinem Beitrag für die jetzt veröffentlichte 26. Jahresschrift des Vereins für vogtländische Geschichte, Volks- und Landeskunde. Er beschreibt den Weg dahin und die ehemalige Anlage, beleuchtet Hintergründe und Zusammenhänge. Der Text ist eine von 14 Abhandlungen auf den mehr als 200 Seiten des Heftes.

Eine der interessantesten Arbeiten kommt vom Boris Böhm, dem Leiter der Sächsischen Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein. Die Nationalsozialisten "ermordeten in der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein in den Jahren 1940 und 1941 rund 13.720 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen", steht auf deren Internetseite geschrieben. Das Thema des Gedenkstättenleiters für die Schrift des vogtländischen Geschichtsverein aber sind die Zwangssterilisationen zwischen 1934 und 1945 im Zuständigkeitsbereich des Erbgesundheitsgerichts Plauen. Eine Abbildung auf Seite 107 listet für diesen Zeitraum nach Jahren sortiert 863 in der Stadt und im Landkreis Plauen vollzogene Zwangssterilisationen auf. "Die letzte Zwangssterilisation im Stadtkrankenhaus Plauen erfolgte im Januar 1945 bei einer 22-jährigen Frau, die man wegen ihrer Weigerung zur Durchführung des Eingriffs dem Krankenhaus polizeilich zuführte", schreibt Boris Böhm. Er nennt die Orte dieser heute als schwere Körperverletzung geltenden Eingriffe, die handelnden Richter und Ärzte, beschreibt die Biografien von Opfern wie der 22-Jährigen aus der Plauener Südvorstadt und erklärt die damalige Vorgehensweise bis in die kleinste Einzelheit.

Weitere Beiträge befassen sich mit der Wasserversorgung in früheren Jahrhunderten auf dem Plauener Schloss, mit einem Brand im Pfarrhaus Klingenthal im 18. Jahrhundert, mit dem Vereinsleben und Sporttreiben in der Arbeitergemeinde Sohl bis 1956, mit der Geschichte des Beruflichen Schulzentrums Anne Frank in Plauen, historischen Namen von Kühen, Soldatengräbern und weiteren Themen.

Das Heft kann wegen des Lockdowns derzeit nur über die Internetseite des Vereins bezogen werden.

www.vogtland-geschichte.de

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