Neue Sicht auf alte Elsterbrücke

Stadtführerin Ines Damm traf am Weltgästeführertag ins Schwarze. 70 Plauener nahmen mit ihr den 776 Jahre alten Bau ins Visier.

Plauen.

In alten Stadtplänen stecken jede Menge Informationen. Stadtführerin Ines Damm hatte daher bei ihrer Tour am Samstag anlässlich des Weltgästeführertages eine solche Zeichnung aus dem Mittelalter zu ihrem Lieblingsplatz mitgebracht - zur Alten Elsterbrücke. Weil das Bauwerk früher ein Teil der Stadtbefestigung gewesen ist, musste es verteidigt werden. Dazu dienten zwei Türme, die es heute nicht mehr gibt, die aber auf alten Abbildungen zu sehen sind. Solche Abbildungen trafen den Nerv der rund 70 Teilnehmer an der Führung. Manch einer hatte dann auch selbst Wissenswertes beizusteuern.

"Die Brücke würde es heute gar nicht mehr geben", machte Rolf Ballhause auf das Jahr 1945 aufmerksam. Was damals kurz vor Kriegsende geschehen ist, steht auf einer Erinnerungstafel in deutscher und englischer Sprache gleich neben dem Fußweg. Sergeant Thomas L. Stafford und seine Soldaten von der US-Armee verhinderten damals die von den Deutschen geplante Sprengung der Anlage. Rolf Ballhause hat sich neben anderen für das Anbringen der Tafeln eingesetzt.

"Hier stand die Untere Mühle", zeigte Ines Damm wenig später auf die Bauten des Lokals am Stadtstrand, auf dem Platz zwischen Alter und Neuer Elsterbrücke. Die Untere Mühle hieß Kreuzermühle und wurde zunächst vom Deutschen Orden betrieben. Gleich daneben fließen Mühlgraben und Syra, die beide in die Weiße Elster münden. An Syra und Mühlgraben standen einst mehrere Mühlen: am Mühlgraben die Walkmühle und die Obere Mühle, an der Syra die Holzmühle, die Poppenmühle und die Lohmühle.

Dass zudem noch der Milmesbach an der Alten Elsterbrücke in die Elster mündet, wusste die Stadtführerin außerdem zu berichten. "Der Bach ist 5,1 Kilometer lang und entspringt in Meßbach", sagte die 54-Jährige, die seit acht Jahren in ihrer Freizeit Touristen und Tagesgästen die Sehenswürdigkeiten ihrer Heimatstadt Plauen näherbringt.

Wer sich Zeit nimmt und aufmerksam über den 1244 erstmals erwähnten Bau geht, der entdeckt mehrere Hinweise auf die Vergangenheit. Ines Damm hat diese Hinweise mit einbezogen: Außer der Gedenktafel an die Ereignisse 1945 ist das auch die Postmeilensäule. Im Internet findet man sie in der Galerie der sächsischen Postmeilensäulen. Es handelt sich um eine Nachbildung der zwischen 1725 und 1732 vor dem Brückentor aufgestellten Distanzsäule. Die Stundenangaben gelten für Fußgänger - ohne irgendwelche Pausen. Das hat einer der Teilnehmer erklärt. 1850 wurde die Säule entfernt. Die Nachbildung steht bereits seit 1986, musste nach einem Unfall 2010 jedoch rekonstruiert werden.

Viele weitere Einzelheiten aus der Geschichte waren zu hören. Die Stadtführerin zeigte sich gut informiert und vorbereitet. Die Teilnehmer steuerten vieles bei und kamen auch miteinander ins Gespräch. Ines Damm will derlei individuelle Stadtrundgänge weiter anbieten. Wer daran Interesse hat, kann mit ihr per E-Mail Kontakt aufnehmen.

damm-ines@t-online.de


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