Ohser-Expertin verlässt Plauen

Die Nachricht kommt für viele überraschend: Elke Schulze hat gekündigt. Ab Januar arbeitet die Kunsthistorikerin nicht mehr bei der e.o.plauen-Stiftung. Doch warum?

Plauen.

Trauer, Wut, Resignation. So reagieren vogtländische Kulturkenner auf die Nachricht, dass Kunsthistorikerin Elke Schulze der Stadt Plauen den Rücken kehrt. Sie hat gekündigt, zum Jahresende ist Schluss. "Elke Schulze ist ein Schatz sondersgleichen für Plauen. Sie hat eine unglaubliche Persönlichkeit sowie ein großes Netzwerk und dadurch erreicht, dass Erich Ohser überregional noch mehr Anerkennung erfährt", sagt Karl-Gerhard Schmidt. Sogar aus Asien seien Gäste zu den zweimal jährlich wechselnden Ausstellungen und deren Vernissagen gekommen. Schmidt ist Vorsitzender der e.o.plauen-Gesellschaft, einer Art Förderverein.

Elke Schulze bestätigt die Kündigung. Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen. Sie bleibe Erich Ohser und Plauen aber verbunden, versicherte sie auf Nachfrage der "Freien Presse". Über die Gründe ihrer Entscheidung wollte Schulze - sie ist aktuell noch Vorstand der e.o.plauen-Stiftung - zum jetzigen Zeitpunkt indes nichts sagen. Nach dem 14. Dezember vielleicht, stellt die Wissenschaftlerin in Aussicht.

An diesem Tag soll es ein Treffen des Stiftungsrates geben, wie dessen Mitglied, die Plauener Linken-Stadträtin Petra Rank, informiert. Sie bedauere den Entschluss Schulzes sehr, so Rank: "Es ist wahrlich ein großer Verlust (...) auch für Plauen."

Drastischere Worte findet Gottfried Gebauer, Schriftführer der e.o.plauen-Gesellschaft: "Der Stadt entsteht ein irreparabler furchtbarer Schaden", sagt der ehemalige Vertriebsleiter des Plauener Sachsendruck. Warum die 52-jährige Berlinerin mit Erfurter Wurzeln gekündigt hat, liegt für ihn auf der Hand. Es sei ein Gemisch aus Intrige, Geschmacklosigkeit und Parteiraison, das dazu geführt habe. Namen wolle Gebauer aber nicht nennen.

"Es ist viel Unschönes vorgefallen", bestätigt auch Karl-Gerhard Schmidt, der im Stiftungsrat Ohsers in den USA lebenden Enkel Peter und dessen Frau Alyce mit deren beiden Stimmen vertritt. Konkret wird aber auch Schmidt nicht. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass Schulzes Schritt nicht spontan gewesen ist.

Lutz Kowalzick zeigte sich indes überrascht über die Kündigung der angesehenen Kunsthistorikerin. Der Vorsitzende des Stiftungsrates ist ihr Chef. Er sagte, er respektiere den Wunsch und bedauere ihn. Ob Schulze künftig zumindest fachlich beratend tätig werden wird? Kowalzick: "Erfreulicherweise hat sie ihre grundsätzliche Bereitschaft hierzu angekündigt. Ich hoffe, dass sie auch nach ihrem Ausscheiden als inoffizielle und ehrenamtliche 'Botschafterin' Ohsers und seines Werkes weiter wirken kann." Schulzes Besuch im Ohser-Haus werde stets willkommen sein, so Kowal-zick, der auch CDU-Fraktionsvize im Plauener Stadtrat ist.

Doch wie geht es weiter für Elke Schulze und das Ohser-Haus? "Momentan existieren noch viele Fragezeichen, wie es um die von mir geplanten Projekte und um meine berufliche Zukunft bestellt ist", sagt Schulze. Sie schaue sich derzeit nach einer neuen Stelle um und hoffe, "dass jemand meine Arbeit schätzt". Was ihre Nachfolge anbelangt, so versichert sie, dass das Ohser-Haus gut aufgestellt sei. Damit meint Schulze auch ihr Team, sagt die verheiratete Mutter eines erwachsenen Sohnes. Von einer personellen Übergangslösung bis zur adäquaten Wiederbesetzung spricht Kowalzick. Ab 2020 soll außerdem eine zusätzliche 0,8-Vollzeitstelle für einen Museologen zur Verfügung stehen. Dieser soll den Stiftungsvorstand von Routinearbeiten entlasten.

Die promovierte Kunsthistorikerin Schulze hatte vor ihrer Plauener Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität in Berlin gearbeitet. Im Mai 2010 hatte sie mit der Aufarbeitung des Nachlasses von Erich Ohser begonnen - 1400 Blatt mit Zeichnungen und Skizzen. Schulze war aus 60 Bewerbern, darunter aus dem Ausland, durch den Stiftungsrat ausgewählt worden. Sie sei "die ideale Mitarbeiterin", schwärmte Karl-Gerhard Schmidt bereits damals. Für Schulze wird das Kompliment eine der schönen Erinnerungen an Plauen bleiben. Ebenso wie Erlebnisse mit Stars der Zeichenszene. Sie gaben sich in Plauen die Klinke in die Hand.

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