Ortsvorsteher: "Neundorf muss an Nahverkehr besser angeschlossen werden"

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Ortsvorsteher Uwe Trillitzsch sieht nach dem Aus des Anrufsammeltaxis Stadt und Verkehrsverbund in der Pflicht

In den vergangenen Wochen haben die Ortschaftsräte ihre erste Sitzung im neuen Jahr abgehalten, Bilanz über das vergangene Jahr gezogen und auf die nächsten zwölf Monate geblickt. Peter Albrecht sprach mit Ortsvorstehern über wichtige Vorhaben in den Ortsteilen - heute mit Uwe Trillitzsch aus Neundorf.

Freie Presse: In welcher Weise hat Corona die Arbeit des Ortschaftsrates im Jahr 2020 beeinflusst?

Uwe Trillitzsch: Natürlich hat Corona bis heute sichtbare Auswirkungen auf das Leben in der Ortschaft, dem sich auch der Ortschaftsrat stellen muss. Bereits im Frühjahrs-Lockdown hatte der Ortschaftsrat ein Angebot gemacht, bei der Organisation von Einkaufs- oder Besorgungsfahrten zu unterstützen, damit Risikogruppen oder Bürger in Quarantäne nicht das Haus verlassen müssen. Dass dieses Angebot kaum nachgefragt wurde, zeigt mir, dass die Zivilgesellschaft in Neundorf noch intakt ist. Familien und Nachbarn helfen sich gegenseitig. Bei unserer Gaststätte in Neundorf haben wir gerne geholfen, das täglich wechselnde Abholangebot über Aushänge in den Schaukästen bekannt zu machen. Sichtbar ist auch, dass die Ortslage sowie die Neundorfer Wanderwege deutlich stärker von Spaziergängern, Wanderern und Skiläufern nicht nur aus Neundorf frequentiert werden, die ihren persönlichen Umgang mit den Lockdown-Beschränkungen gefunden haben.

Welche wichtigen Vorhaben des Ortschaftsrates konnten Sie trotz der Einschränkungen umsetzen und was haben die gekostet?

2020 haben wir eine Reihe von Investitionen umgesetzt oder angestoßen. Dabei wurden auch eingesparte Haushaltsmittel der Vorjahre eingesetzt. 12.000 Euro flossen in die Wege- und Flächeninstandsetzungen am Wasserturmgelände. Für den Spielplatz Querstraße wurde für 3100 Euro eine 30-Meter-Seilbahn angeschafft. Neue Sitzgelegenheiten für einen Weg am Burgstättel kosteten 750 Euro. Dabei konnten wir auch von der reduzierten Mehrwertsteuer profitieren. Die Umgestaltung von Turnhalle und Schulhof der Grundschule Neundorf konnte 2020 abgeschlossen werden. Natürlich wurden auch die Neundorfer Kindereinrichtungen und Vereine sowie die Dorf-Bibliothek unterstützt - mit insgesamt 4000 Euro.

Reicht das Ortschaftsratsgeld aus oder sollte es erhöht werden? Um wie viel?

Wichtig ist nicht, dass der Ortschaftsrat mehr Geld zur Verfügung bekommt. Hier hat der Stadtrat vor wenigen Jahren eine Erhöhung beschlossen, mit der wir gut wirtschaften können. Viel wichtiger ist, dass Mittel aus dem städtischen Haushalt auch entsprechend in den Ortsteilen eingesetzt werden. Wenn ich mir die aktuellen und geplanten Großinvestitionen der Stadt Plauen anschaue, sehe ich noch deutliches Verbesserungspotenzial in dieser Hinsicht. Hier gilt es, den guten Stand in den Ortsteilen zu erhalten.

Was haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?

Zuerst ist uns die Rückkehr in einen normalen Modus in allen Bereichen wichtig. Dies werden wir vom Ortschaftsrat aktiv unterstützen, wo immer notwendig. Als zweites müssen Seilbahn und Sitzgelegenheiten aufgestellt werden. Drittens wollen wir unsere Streuobstwiesen-Erweiterung noch mit den Baumspendern gemeinsam einweihen, das konnte im Dezember coronabedingt nicht mehr erfolgen. Darüber hinaus möchten wir bei den "Dauerbrennern" am Ball bleiben, auch wenn dies 2021 noch nicht durchgeführt werden kann: Straßeninstandsetzungen, die Schaffung eines Ortsteilzentrums für Vereine und Verwaltungsaktivitäten, die Ermöglichung von Eigenheimbauten und der Bau eines neuen Feuerwehr-Gerätehauses. Außerdem sollen in diesem Jahr die beiden Teiche am Anger entschlammt werden, wobei ein in Plauen neues Verfahren zum Einsatz kommen wird.

Findet dieses Jahr das Wasserturmfest statt oder denken Sie schon über eine Verschiebung nach?

Das Wasserturmfest wird vom Verein Die Neundorfer organisiert, dort muss auch am Ende die Entscheidung getroffen werden. Wir würden uns sehr freuen, wenn nach dem Ausfall 2020 in diesem Jahr wieder gefeiert werden kann und werden das seitens des Ortschaftsrates natürlich unterstützen. Im Haushalt haben wir dafür Geld eingeplant.

Am Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gab es immer wieder Kritik aus Neundorf. Wie wollen Sie da weiter vorgehen?

Zum 31. Dezember 2020 wurde das Anruf-Sammeltaxi eingestellt, da der Taxiunternehmer den Vertrag gekündigt hatte. Aktuell versuchen wir, hier eine Kompensation mit der Verwaltung zu diskutieren. Dazu werden wir auch in den Haushaltsplan 2021/2022 einen Antrag einbringen. Aber die Lösung kann nur gemeinsam mit der Stadtverwaltung oder sogar dem Verkehrsverbund Vogtland festgelegt werden. Im Vergleich zu anderen Stadtteilen sind Neundorf und die Siedlung Neundorf sichtbar benachteiligt, und ohne ein besseres Angebot für den ÖPNV wird sich auch keine Änderung des Mobilitäts-Nutzungsverhaltens der Bürger einstellen. Eine bereits eingeforderte Verbesserung bei den Rufbussen (kürzere Anmeldefrist, Buchbarkeit per App, Verbesserung auf Stundentakt) könnten hier ein erster und gut finanzierbarer Schritt sein.

Wann wird denn die Neundorfer Straße in Richtung Plauen gebaut?

Im aktuellen Haushaltsplanentwurf steht die Ausführung für 2023 in der mittelfristigen Planung. Wir hoffen, dass die wichtige Sanierung nicht noch einmal nach hinten verschoben werden muss.

Wie zufrieden sind Sie im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Werden Sie über wichtige Vorhaben rechtzeitig informiert?

Die Zusammenarbeit klappt zunehmend besser. Die Ansprechpartner kennen sich gegenseitig, viele Sachen können kurzfristig besprochen und gelöst werden. Natürlich bleibt es ein Dauerthema, dass die ehrenamtlichen Räte keine Verwaltungstätigkeiten übernehmen können und sollen. Hier ist die Verwaltung als Dienstleister des Ortschaftsrates auf Augenhöhe gefordert - sicherlich ein neues Verständnis in einer Stadtverwaltung. Wir erwarten, dass auch der neu zu wählende Oberbürgermeister die enge Zusammenarbeit mit den Ortschaftsräten von seiner Verwaltung einfordert und den eingeschlagenen Weg fortsetzen wird. pa

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