Trotz Urteils: Ein rätselhafter Feuerteufel

Ein Familienvater aus Altchrieschwitz verbringt die nächsten Jahre im Gefängnis. Das Gericht ist überzeugt davon, dass er erneut mehrere Brände gelegt hat. Wieder auf dem Anwesen seiner Familie. Warum, das sagt er nicht.

Zwickau/Plauen.

Das einzige, was er im Gerichtssaal sagt, ist dieser Satz: "Ich schließe mich meinem Verteidiger an." Der forderte in seinem Plädoyer, dass man den Familienvater nur fünf statt sechseinhalb Jahre einsperrt, wie es die Staatsanwaltschaft vorgeschlagen hatte.

Am Montagnachmittag ist der 40-Jährige im Landgericht Zwickau wegen schwerer Brandstiftung verurteilt worden. Zu fünf Jahren Haft, wie es sein Anwalt vorgeschlagen hatte. Es war keine Überraschung, dass der Bäckergeselle dieses Mal länger sitzen muss. Seine Ehefrau hatte schon an einem früheren Prozesstag zu verstehen gegeben, sie werde ihn wieder aufnehmen.


Im Herbst vergangenen Jahres soll der Plauener binnen vier Wochen vier Brandanschläge verübt haben. Zu einem fünften Feuer ein Jahr zuvor stellte das Gericht das Verfahren ein, weil die aufwendigen Ermittlungen an der Schärfe des Urteils kaum etwas geändert hätten. Gebrannt hatte es immer an derselben Stelle. Auf der Grundstücksgrenze, die sich der 40-Jährige mit seinem Nachbarn teilt. Der Hof, auf dem er in Altchrieschwitz wohnt, gehört einer Erbengemeinschaft. Seine Frau ist Teil davon, er nicht.

Die Ermittler fanden am Tatort Kippen mit seiner DNA und einen Gasbrenner. Ein Gerät, mit dem man Unkraut zwischen Gehwegplatten abfackeln kann. Er könnte den Brenner in einen Spalt zwischen den Mauern gehalten haben. So lange, bis der trockene Dachbalken des Nachbarhauses die Flammen aufnimmt. Diese Theorie gilt als am wahrscheinlichsten. Denn Brandbeschleuniger fanden sie keinen am Tatort, und der 40-Jährige schweigt. Beim letzten Brand überführten ihn die Kriminologen mit Überwachungskameras. Trotzdem hat er nicht gestanden, inszenierte sich nach den Bränden als Opfer, das von Medien und Behörden verfolgt wird.

Eigentlich brannte es 13-mal im Umfeld des heruntergekommenen Bauernhofs in Altchrieschwitz. Die Flammen zerstörten mehrere Gebäude und hinterließen hunderttausende Euro Schaden. Es gab zwei Brandserien. Die erste passierte im Winter 2015/2016, und auch damals war der Hofbewohner per Videokamera überführt worden. Sechs Brände konnten die Ermittler ihm in der ersten Serie nachweisen. Rund zwei Jahre saß er im Gefängnis. Die zweite Brandserie begann etwa ein halbes Jahr nach seiner Entlassung. Der Schaden war gering. Als auf dem Hof, auf dem er lebt, nichts mehr stand, das im Weg schien, brannte immer wieder der Anbau seiner Nachbarn.

Der Mann hat einen Sohn, eine Frau und Arbeit in einer Bäckerei. Früher war er Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Ein Psychiater sollte im Auftrag des Gerichts ein Gutachten über ihn erstellen, doch die Treffen gaben wenig Aufschluss. Krankhafte psychische Auffälligkeiten fand der Psychiater nicht. Ein Ergebnis des Gerichtsverfahrens: Die Brandserie von Altchrieschwitz lässt auch bei den Ermittlern viele Fragen offen. Dass ein Serienbrandstifter zwei Brandserien begeht, sei selten. In der Regel setze bei den Tätern ein Begreifen ein, sobald sie vor Gericht sitzen. Das, was ihn umtreibt, hat er nicht preisgegeben. "Wir können es alle nicht verstehen", sagte ein Polizist am Rande des Prozesses. Wenn der 40-Jährige über die Feuer spricht, dann als Zeuge, nicht als Täter.

Richter Gerolf Müller sagt, er sieht "keine vernünftigen Zweifel". Eine Woche hat der Mann Zeit, gegen das Urteil Beschwerde einzulegen. In Untersuchungshaft sitzt er schon seit November. Es bestehe Fluchtgefahr, so der Richter.

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