Umzug: Druckerei mit langer Tradition hat Plauen verlassen

Fast 90 Jahre lang war die Druckerei Simon in Plauen angesiedelt. Jetzt zog sie nach Oelsnitz. Um neue Kunden will sich die Inhaberin aber nicht bemühen.

Plauen/Oelsnitz.

Es ist alles noch eine große Baustelle. Nicht nur das Haus in Oelsnitz, in das Beatrice Rehme mit der Druckerei Simon vor Kurzem gezogen ist. Auch die Druckerei selbst ist noch zur Hälfte in Umzugskartons verpackt. 87 Jahre Firmengeschichte von A nach B zu transportieren, das ist eben nicht von heute auf morgen gemacht.

Die Druckerei Simon, das war in Plauen eine Institution. Am 1. April 1932 durch Walter Simon gegründet, wurde sie seit jeher in der Familie von Generation zu Generation weitergereicht. Mit Beatrice Rehme ist jetzt die vierte Generation an der Reihe.

Doch mit der neuen Inhaberin verändert sich auch einiges für die Druckerei. Allen voran der Standort: Seit der Gründung war das Unternehmen in Plauen angesiedelt, war stets an der Schildstraße zu finden. Seit dem 1. Oktober öffnet das Geschäft aber an der Nordstraße in Oelsnitz. "In Plauen war die Fläche zu groß", sagt Rehme. Am alten Standort hatte sie um die 270 Quadratmeter mehr zur Verfügung als jetzt. Kein Wunder also, dass sie sich von vielen Dingen trennen musste. Weggegeben hat die gelernte Schriftsetzerin unter anderem mehrere Maschinen. Eine wurde an die Weberhäuser verschenkt, andere kommen bei verschiedenen Druckereien in der Region unter. Eine Maschine wurde sogar nach Peru verkauft.

Größere Auftragsmengen werden heute auch mithilfe anderer Betriebe bewältigt. Dennoch kann die 42-Jährige noch einiges selbst machen. Denn obwohl Beatrice Rehme zahlreiche Maschinen abgegeben hat, hat sie auch noch ein ganzes Sammelsurium in den neuen Räumen stehen. Etwa zwei Maschinen, um Papier zu schneiden. Zwei andere dienen als große Locher. Eine Falzmaschine hat sie und auch zwei, um größere Papierstapel zu tackern. Einige der Geräte sind schon viele Jahre alt, das älteste stammt gar aus dem 19. Jahrhundert.

Dennoch, so sagt Rehme, hat sich viel verändert in der Branche. Digitalisierung und Vernetzung haben ihre Spuren hinterlassen. Kunden kommen kaum noch ins Geschäft - viel läuft über Telefon und Internet. Da stört es dann auch nicht groß, wenn der Haupteingang des neuen Standorts von einer Baustelle blockiert wird. Die meisten Kunden der Druckerei Simon sind Geschäftskunden. "Etwa 95 Prozent", schätzt Rehme. Für diese bietet sie alles mögliche an. Bücher, Kalender, Hefte, Flyer, Visitenkarten. Sogar Logos kann sie selbst entwerfen. Privatkunden bitten häufig um Trauerkarten oder Einladungen.

Ein Vorteil der Digitalisierung sei es auch, dass sie trotz des Umzuges keine neue Kunden suchen muss. Die meisten bisherigen, so sagt Rehme, blieben erhalten. Deshalb will sie auch nicht auf Werbetour gehen. "Da bin ich auch gar nicht der Typ für", sagt sie. Das Geschäft laufe gut. Ob es aber auch noch in eine fünfte Generation der Familie übernommen wird, das steht noch in den Sternen. "Ich dränge das meinen beiden Jungs nicht auf. Das wurde bei mir auch nicht gemacht", sagt sie.

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