Weshalb die Nordmanntanne bei den Vogtländern ganz vorn liegt

Sie pikst nicht, hat glänzenden Nadeln, die sich nicht wahllos in der Wohnung verteilen, und sie wirkt gedrungen. Das ist aber nicht alles, was über den perfekten Weihnachtsbaum zu sagen ist.

Eich/Plauen.

Der Lieblings-Weihnachtsbaum der Vogtländer und aller anderen Deutschen ist die Nordmanntanne. Millionenfach schmückt sie auch dieses Jahr die Wohnzimmer. Während die meisten Familien ihre Bäume erst zu den Feiertagen schmücken, sind einige deutlich früher dran. So auch Gabriela Krauthahn und ihr Mann Martin in Eich: "In manchen Jahren stand bei uns der Baum schon zum ersten Advent. Nach Weihnachten räume ich dagegen relativ schnell alles auf. Nach dem 6. Januar kommt der Baum wieder raus", berichtet Gabriela Krauthahn von den Weihnachtsritualen in der Familie.

Wenn es um das Schmücken geht, gehen die Meinungen in der Familie auseinander: "Ich bin mehr so der Rot-Typ, Gabriela der Gold-Typ", sagt Martin Krauthahn. Dieses Jahr hat die Frau des Hauses die Kugeln angehängt, deshalb strahlt der Baum in Gold-Braun. Krauthahns schwören auf Nordmanntannen. Sie schätzen, wie viele andere auch, die Vorteile: "Der Baum hat dichtere Nadeln als eine Fichte, er wirkt voller", sagt Martin Krauthahn. Auch, wenn die Tanne drei Wochen im warmen Zimmer steht, verliert sie kaum Nadeln. Eine Fichte dagegen würde nach einer so langen Zeit schon halb nackt dastehen, weiß er. Martin Krauthahn, der für das Aufstellen verantwortlich ist, schätzt es auch, sich bei dieser Arbeit nicht in die Finger zu stechen, denn die Nadeln der Nordmanntanne fühlen sich weich an, im Vergleich zu Fichte oder anderen Edeltannen.

Kein Wunder also, das landauf, landab in den Plantagen der vogtländischen und aller anderen Anbieter vorwiegend Nordmanntannen stehen. Doch wie würde sich der Baum entwickeln, wenn er nicht nach sechs bis zehn Jahren unter die Säge käme und woher hat er seinen ungewöhnlichen Namen?

Abies nordmanniana heißt die botanische Bezeichnung, aus der sich die deutsche ableitet. Der finnischen Biologe Alexander von Nordmann entdeckte diesen Baum 1848. Er wächst ursprünglich in einem relativ kleinen Gebiet im westlichen Kaukasus von Georgien, Russland, der nordöstlichen Türkei und Aserbaidschan. In ihrer Heimat wachsen die Nordmanntannen zu bis zu 60 Meter hohen Baumriesen heran. Sie können bis zu 500 Jahre alt werden und dabei einen Stammdurchmesser von bis zu zwei Metern erreichen.

Mit den drei trockenen und heißen Jahren 2018, 2019 und 2020 kamen die jungen Bäume zumindest auf der Plantage von Benno von Römer in Neumark gut zurecht. Er sagt: "Durch den Wassermangel stehen die Astquirle etwas weiter auseinander. Das schadet der Nordmanntanne als Weihnachtsbaum aber nichts, sie wirkt dadurch nicht ganz so buschig."

In der vogtländischen Forstwirtschaft spielt die Nordmanntanne hingegen bisher keine Rolle. Bert Schmieder, Leiter des Forstbezirkes Plauen, berichtet, dass der Sachsenforst bei Neuanpflanzungen die heimische Weißtanne bevorzuge. Gelegentlich komme die Küstentanne zum Einsatz, weil diese Art mit dem Klimawandel gut zurechtkommt. Nordmanntannen pflanzt der Staatsbetrieb Sachsenforst, außer als Weihnachtbaum-Kultur, kaum.

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