30 Jahre Aero-Club: Sportflieger sind keine abgehobene Truppe

Die Zwickauer Flugplatzfeste und das Ausrichten hochkarätiger Wettkämpfe haben den Verein in der Region zu einer festen Größe gemacht. Auch die Mitglieder kommen aus vielen unterschiedlichen Orten.

Zwickau.

Hätten sich im Mai vor 30 Jahren nicht 60 Flugsportler aus den Reihen der einstigen Gesellschaft für Sport und Technik zusammengefunden, um den Aero-Club Zwickau (ACZ) zu gründen, wäre nach der Wende höchstwahrscheinlich das letzte Kapitel des Zwickauer Flugplatzes geschrieben worden. "Das Vorhandensein eines Flugsportvereines war für die Treuhand damals eine Grundvoraussetzung, um das Gelände eines Flugplatzes preiswert an eine Kommune zu verkaufen", erklärte Vereinsvorsitzender Joachim Lenk (65).

Aus den 60 Fliegern der ersten Stunde sind mittlerweile 170 Vereinsmitglieder aus der gesamten Region bis Chemnitz und ins Vogtland geworden, von denen sich etwa 150 regelmäßig mit einem Flugzeug in die Lüfte erheben. Mit elitär hat das Ganze laut Lenk nichts zu tun. Davon zeuge allein schon die Tatsache, dass der Verein über eine 30-köpfige Jugendgruppe verfüge, deren Mitglieder lediglich den halben Mitgliedsbeitrag entrichten müssen. "Wir gehen zwar gerne in die Luft, bleiben dabei aber bodenständig. Und wir machen uns auch regelmäßig die Hände schmutzig. Bei vielen Dingen, die in den zurückliegenden drei Jahrzehnten hier geschaffen wurden, haben unsere Mitglieder wo immer es möglich war selbst mit angepackt. Aber wir mussten auch oftmals auf Firmen zurückgreifen. Ich denke da nur an den Bau unserer neuen Werkstatt. Obwohl es dafür Fördermittel gab, werden wir noch einige Jahre mit der Restfinanzierung zu tun haben."

Als Einnahmequellen führte der Vereinsvorsitzende Rundflüge, das schon traditionelle Flugplatzfest sowie das Ausrichten von Meisterschaften an. Große Sprünge können die Zwickauer Flieger mit den Erlösen allerdings nicht machen. Speziell in naher Zukunft stehen sie nämlich vor einem echten Problem. Joachim Lenk, seit vielen Jahren als Flugleiter tätig, wird diese Funktion im kommenden Jahr an den sprichwörtlichen Nagel hängen. "Als Verkehrslandeplatz haben wir eine Betriebspflicht. So muss beispielsweise in den Sommermonaten zwischen 8 und 18 Uhr immer ein Verantwortlicher auf dem Flugplatz sein. Die Stelle wird bislang ausschließlich über den Verein finanziert. Da ich selbst seit nunmehr 50 Jahren begeisterter Flieger bin, habe ich das Ganze für einen relativ moderaten Betrag gemacht. Aber dafür bekommt man heutzutage niemanden mehr", machte Lenk deutlich.

Eine in diesem Zusammenhang ins Spiel gebrachte Erhöhung der Mitgliedsbeiträge stieß bei den ACZ-Mitgliedern verständlicherweise auf wenig Gegenliebe. Auch deshalb würde sich Joachim Lenk über ein verstärktes Engagement der Stadt freuen. "Bei sportlichen Veranstaltungen oder den Flugplatzfesten bekommen wir eine sehr gute Unterstützung durch die Stadt. Es wäre wünschenswert, träfe das auch auf die Erhaltung des Flugplatzes zu. Ich beziehe das speziell auf die Finanzierung eines Angestellten für die Luftaufsicht", sagte der Vereinschef.

Aus seiner Tätigkeit als Präsident des sächsischen Luftsportverbandes weiß Joachim Lenk, dass sich andere Kommunen in dieser Hinsicht mehr einbringen. Und zwar auch bei Plätzen, die deutlich weniger Flugbetrieb verzeichnen können als Zwickau.


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