"Alle müssten für sich sorgen können"

DIe Ausländer- und Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Lehmann über ausländische Menschen und das Zusammenleben mit den Deutschen

Zwickau.

Mehrere Dutzende Menschen jeden Alters und unterschiedlicher Nationalitäten haben sich am Freitag im Muldeparadies zu einem interkulturellen Grillfest getroffen. Sie kamen aus Jugendeinrichtungen, von der Obdachlosenhilfe und aus Wohnprojekten. Sara Thiel hat mit der Initiatorin Ulrike Lehmann über Integration gesprochen.

"Freie Presse": Frau Lehmann, ich weiß gar nicht, wie ich meine erste Frage korrekt formuliere - spricht man von Ausländern, Migranten oder Asylbewerbern?


Ulrike Lehmann: Ausländer sind alle, die mit einem fremden Pass in Deutschland leben. Migranten sind alle, die einen Einwanderer in ihrer Familie haben, das können auch Deutsche sein. Asylbewerber sind Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben. Wenn dieser positiv beschieden wurde, dann sind es Aufenthaltsberechtigte. Im Grunde genommen sind viele Begriffe richtig - nur das Wort Asylanten ist negativ behaftet.

Dann frage ich mal: Wie viele Ausländer leben in Zwickau?

Ihren Erstwohnsitz haben 5000 bis 5500 Ausländer hier. Die letzte genaue Zahl ist von Ende 2017, da waren es rund 4900 Menschen. Wir hatten noch Zugänge, beispielsweise viele Arbeitsmigranten aus Polen, Tschechien oder Vietnam. Der Arbeitsmarkt hier verlangt danach - und Zwickau ist dafür gut geeignet, weil vieles fußläufig erreichbar ist.

Was genau verlangt der Arbeitsmarkt - ist das der oft zitierte Fachkräftemangel?

Fachkräfte sind sehr gesucht. Aber nicht nur. Es gibt auch viele Jobs, die angelernt werden können. Ausgebildet werden im Endeffekt alle. Aber eine berufsbegleitende Ausbildung ist dann sinnvoll, wenn die Menschen die Sprache noch nicht richtig beherrschen. In der täglichen Praxis lernt man besser als in der Schule.

Wie viele Asylbewerber gibt es in der Stadt?

Bei den Bewerbern sind es nur noch ein paar Hundert. Berechtigte gibt es sicher jetzt mehr als 1500, genaue Zahlen weiß nur der Landkreis. Es gibt auch noch eine Menge Geduldeter, die eigentlich das Land verlassen sollen. Das ist problematisch, denn die dürfen teilweise nicht arbeiten. Das sind die, die rumsitzen, und das regt einige in der Bevölkerung auf. Es ist auch kein Zustand: Entweder muss man die Menschen arbeiten lassen oder dafür sorgen, dass sie schneller ausreisen.

Wie gut funktioniert in Zwickau die Integration?

Sie funktioniert bei vielen, bei manchen aber auch nicht. Diejenigen, die heute hier sind, die auch zur Beratung kommen, die wollen hier ein eigenständiges Leben führen. Es gibt aber auch Leute, die auf dieses Land schimpfen - das gilt nicht für einzelne Nationen, sondern solche Menschen gibt es von überall her.

Woran müsste noch gearbeitet werden?

Alle müssten in die Lage versetzt werden, für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen zu können. Nichts ist schlimmer als die Mischung aus Langeweile und dem Überfluss, den man sich selbst nicht leisten kann. Das gilt auch wieder für Menschen aus allen Nationen, auch für die Deutschen.

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