Alte Kostbarkeiten ans Tageslicht geholt

Zwei spektakuläre Funde auf der Burg Schönfels: Bei Bauarbeiten sind eine verborgene Sitznische und eine Renaissancedecke gefunden worden.

Schönfels.

Jahrzehntelang gingen zahllose Besucher durch die Räume der Sonderausstellung auf Burg Schönfels, ohne auch nur ansatzweise zu ahnen, dass verborgen vor ihren Blicken zwei archäologische Kleinode lauerten. Auch die jeweiligen Museumsleiter wussten nichts davon. Erst durch die derzeit laufenden Arbeiten im darüber befindlichen Rittersaal wurden eine verborgene Fenstersitznische und eine Renaissancedecke wieder ans Tageslicht geholt.

Für Susann Lentzsch, die seit einem Jahr Leiterin des Burgmuseums ist, stellen diese beiden Funde einen Glücksfall dar. "Wenn in so einer alten Burg Bauarbeiter zu Gange sind, ist es fast schon vorprogrammiert, dass an irgendeiner Stelle etwas Neues gefunden wird. Aber diese zwei Sachen sind jetzt echt der Hammer", sagte die 40-Jährige.

Auslöser waren Bauarbeiten im Rittersaal. Beim Entfernen eines Podestes stellte sich heraus, dass sich unter dem maroden Fußboden eine alte Holzdecke aus der Renaissancezeit befindet. Daraufhin wurden im Sonderausstellungsraum die vorhandene Decke und die Balkenverschalungen entfernt. Im Moment ist die zeitliche Einordnung des Fundes ist noch nicht komplett abgeschlossen. Susann Lentzsch: "Von der Form her spricht alles für das frühe 16.Jahrhundert. Erste dendrologische Untersuchungen datieren das Ganze aber auf das späte 16. Jahrhundert. Besonders interessant: Die Decke ist vom Prinzip her spätgotisch. Üblicherweise wurde sie in der Renaissance übermalt. Das ist hier nicht der Fall, was darauf hindeutet, dass sie schon relativ früh nach dem Einbau verschalt wurde."

Nicht minder spektakulär ist das Auffinden der Fenstersitznische. Der Dresdener Bauforscher Torsten Remus suchte an der Wand des Raumes, der einst wahrscheinlich der romanische Palas der Burg war, nach Hinweisen auf Putz aus jener Epoche. Unerwartet traf er dabei auf eine Backsteinmauer, öffnete sie und entdeckte die Sitznische. "Wir wussten zwar, dass es sich vormals um eine Außenwand der Burg gehandelt hat. Jetzt liegt uns dafür endlich auch ein handfester Beweis vor. Die Nische stammt ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert. Ähnliche Einbauten existieren im Bereich des Rittersaales. Dort waren sie sogar bemalt, was hier nicht der Fall ist", sagte die Burgleiterin. Besonders begeistert zeigt sie sich vom hervorragenden Zustand des Holzfußbodens in der Mauervertiefung und des Fensterbrettes - für sie ein möglicher Hinweis darauf, dass die Nische nicht allzu lange genutzt wurde.

Bauforscher Remus sucht indes weiter nach verborgenen Relikten aus der Burggeschichte. Was jetzt aufgefunden wurde, soll künftig für Museumsbesucher sichtbar sein. "Fehlende Teile der Decke werden nachgebildet, aber ohne es kitschig wirken zu lassen. Die Fenstersitznische erhält lediglich zum Treppenhaus hin eine Verglasung. Ansonsten beziehen wir sie in das künftige Raumkonzept ein", stellte Susann Lentzsch in Aussicht.

Da die Forschungen und Arbeiten im ehemaligen Sonderausstellungsraum noch einige Zeit in Anspruch nehmen, finden die Sonderausstellungen in der Unterburg statt. Trotzdem dürfen Interessierte bald einen Blick auf die Neuentdeckungen werfen. Für den 23. November ist eine Baustellenführung geplant. Allerdings ist dafür eine Anmeldung erforderlich, denn aus Sicherheitsgründen können die Führungen nur in kleinen Gruppen erfolgen.www.burg-schoenfels.de

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