Corona-Patient ohne Krankenversicherung: Wer springt ein?

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Im Landkreis Zwickau haben mindestens 120 Menschen keine Krankenversicherung. Bei der Übernahme von Kosten für Behandlungen hilft unter Umständen das Sozialamt.

Zwickau.

Ulrich Hartmann zahlte über viele Jahre Monat für Monat seine Krankenversicherung. "Dabei war ich eigentlich nie beim Arzt und krank war ich schon gar nicht", sagte der 52 Jahre alte selbstständige Handwerker. Als die Geschäfte nicht mehr so gut liefen, entschied er sich, wenn auch mit Bedenken, seine private Krankenversicherung zu kündigen, um Ausgaben zu sparen. "Das ging sechs Jahre gut", sagt er. Dann kam Corona. "Offenbar habe ich mich bei einem Kunden angesteckt", sagt Hartmann. Doch die Krankheit legte nicht nur seinen Geschäftsbetrieb lahm.

Während er zu Hause im Bett lag - das Krankenhaus blieb ihm zum Glück erspart - hatte er neben den Einnahmeverlusten ein weiteres Problem: Wie bezahle ich die Behandlungskosten einschließlich der Medikamente? Dabei hatte er keine Ahnung, in welcher Höhe Kosten auf ihn zukommen. Ärzte und auch Krankenhäuser versenden ihre Rechnung meist nicht sofort. Ulrich Hartmann blieb daher vorsorglich nur ein Anruf beim Sozialamt.

"In Fällen einer nicht bestehenden Krankenversicherung kann ein Anspruch auf die sogenannte Krankenhilfe bestehen", sagt die Pressesprecherin des Landratsamtes Ilona Schilk. Zuvor jedoch müsse der Patient alles tun, um seine Versicherungspflicht wiederherzustellen. Sprich er muss sich bemühen, bei irgendeiner Krankenkasse unterzukommen. "Das ist aber gar nicht so einfach, wenn man keine Vorversicherung nachweisen kann", hat Hartmann festgestellt. Erst bei der fünften Krankenkasse hatte er Glück. Die jedoch übernimmt vor Versicherungsbeginn angefallene Kosten nicht. Blieb also nur die Krankenhilfe, wenn er beim Arzt keine Schulden machen wollte.

Auch das Sozialamt zahlt nicht jede Behandlung. "Der Umfang der Krankenhilfe richtet sich nach den Bestimmungen der gesetzlichen Krankenversicherung", erklärt Ilona Schilk. Um die Kosten zu decken ist der Betroffene zunächst verpflichtet, das eigene Einkommen und Vermögen heranzuziehen. Ist der Antrag bewilligt, besteht keine Pflicht zur Rückzahlung der gewährten Krankenhilfe. "Das wäre nur bei schuldhaftem Verhalten der Fall", sagt Schilk. Das müsse im Einzelfall geprüft werden.

Dabei ist Ulrich Hartmann mit seiner fehlenden Krankenversicherung kein Einzelfall. Im Jahr 2019 wurden allein bei der AOK Plus im Landkreis Zwickau 137 Versicherungskonten "ruhend gestellt". In diesem Jahr sind es bisher 120. "Grundsätzlich leitet die AOK Plus das Ruhen der Leistungsansprüche ein, wenn ein Versicherter, der seine Beiträge selbst zahlt, mit einem Betrag von Beitragsanteilen für zwei Monate trotz Mahnung im Rückstand ist", sagt AOK-Sprecherin Hannelore Strobel. Meldet sich der Versicherte nicht, werden weder Kranken- noch Mutterschaftsgeld noch Sachleistungen bezahlt, die aufschiebbar sind. Das betrifft ärztliche und zahnärztliche Behandlungen, Arzneimittel und auch Krankenhausbehandlungen. Ausgenommen sind Leistungen zur Früherkennung von Krankheiten.

Wie viele Menschen im Landkreis Zwickau insgesamt keine Krankenversicherung haben, ist nicht feststellbar. Eine Statistik dazu gibt es nicht. Das Statische Bundesamt hat deren Zahl im Jahr 2019 hochgerechnet. Demnach waren bundesweit 61.000 Personen nicht krankenversichert. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung sind das 0,1 Prozent.

Für das Heinrich-Braun-Klinikum sind Nichtversicherte Patienten kein nennenswertes Problem. Nicht bezahlte Rechnungen sind eher Einzelfälle, sagt Sprecherin Cathleen Schubert. Höchstens dann, wenn Privatversicherte zusätzliche Leistungen buchen, die ihre Krankenkasse nicht bezahlt, komme es gelegentlich zu Problemen.

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