Das Fällen von Bäumen bringt Anwohner auf die Palme

Kranke und instabile Gehölze wurden in den vergangenen Wochen entfernt. Nicht allen gefällt das. Anwohner kritisieren das Vorgehen.

Zwickau.

Die Kettensägen schweigen ab dem heutigen Freitag. Denn mit Beginn der Vegetationsperiode dürfen bis zum 1. Oktober weder Bäume gefällt noch große Büsche und Sträucher beschnitten werden. Die bleiben ab sofort Vögeln, Insekten und Wildtieren vorbehalten.

Kritiker atmen auf. Denn nicht bei jedem waren die Fällarbeiten auf Gegenliebe gestoßen. Dieter Loose aus Neuplanitz ist regelrecht erschüttert. "Jedes Jahr im Frühjahr erfolgt die sinnlose Abholzung von Bäumen im großen Umfang", sagte er. Es würden nicht nur Bäume gefällt, sondern auch Sträucher bis zum Erdboden abgesägt. Loose sieht einen empfindlichen Eingriff in die Natur, der die Nahrungsquellen von Vögeln, Insekten und Schmetterlingen vernichtet.


Einheitlicher Meinung sind die Neuplanitzer dabei nicht. "Es wird Zeit, dass das Gestrüpp mal ordentlich verschnitten wird", sagte Birgit Stein. "Jahrelang hat die Vonovia hier kaum etwas gemacht", sagte sie. Bernd Ital, Vorstandssprecher des neuen Eigentümers Vivanium bestätigte die Arbeiten. "Damit haben wir Sturmschäden beseitigt und Totholz entfernt", sagte er. Gleichzeitig habe man die Bäume gefällt, die als Gefährdungs-Bäume gelten. Das seien Bäume, die zu nahe an die Häuser gewachsen sind. Ein sogenannter Gesundungsschnitt erfolge noch. Auch werde derzeit mit dem Ordnungsamt über Neupflanzungen von Bäumen gesprochen, sagte Ital.

Wie Heike Reinke von der Pressestelle des Zwickauer Rathauses sagte, sind in den vergangenen Wochen insbesondere auf den Flächen der Wohnungsbaugesellschaften Eingriffe in den Gehölzbestand vorgenommen worden. Demnach haben zwei Großvermieter im Umweltbüro der Stadt Anträge auf Fällungen von Bäumen gestellt. "Als Grund wurden Instabilität, Fäule sowie Pilzbefall angegeben. Dieter Loose will dieses Argument nicht gelten lassen. "Die Bäume sind so alt wie die Häuser selbst". Er stellt die Frage, wer das genehmigt und vor allem kontrolliert. "Ich glaube fast, dass das Garten- und Friedhofsamt tatenlos zusieht", sagte er. Für die Genehmigungen außerhalb der Vegetation ist das Umweltbüro der Stadt Zwickau zuständig, für Sondergenehmigungen außerhalb dieser Zeit das Landratsamt. Diesen Behörden obliegen auch die Kontrollen. Nicht erlaubte Fällungen können zu Bußgeldern führen.

Baumfällungen sind nicht nur bei Mietern in Zwickau ein Thema. Kurz vor Beginn der Vegetationsperiode ließ die Wohnungsgenossenschaft Zwickau-Land (WBG) die Kettensäge bei drei Fichten auf einem Wäscheplatz am Albert-Schweitzer-Ring in Wilkau-Haßlau ansetzen. "Es waren drei schöne Fichten",sagte Klaus Maeder. Vor allem hätten darin zahlreiche Singvögel gebrütet und Eichhörnchen ihre Kobel eingerichtet. Die WBG hatte gegenüber ihrem Mieter Verkehrssicherungsmaßnahmen als Grund angegeben. Bei Sturm könnten die hohen Bäume zu einer Gefahr werden. Diese Gefahr sieht Klaus Maeder nicht. "In den letzten Jahren hatten wir öfter mal Sturm", erklärte er. Passiert sei dabei nie etwas. Die Gefahr des Umfallens bei Sturm sei schon deswegen gering, weil die Fichten sowohl von einem Häuserblock als auch durch die Bäume am Bockwaer Friedhof geschützt waren. "An den Schnittstellen war zu erkennen, dass die Bäume gesund waren", sagte Maeder.

Er kritisiert nicht nur den Vermieter, sondern auch die Behörde. In diesem Fall ist das Amt für Umwelt und Naturschutz der Stadtverwaltung zuständig. Nur trifft die Verwaltung keine Schuld. Nadelbäume dürfen ohne Erlaubnis gefällt werden. Das bringt den Wilkau-Haßlauer auf die Palme. "Wir reden immer von Naturschutz", sagte er. "Wenn das die Vorstellung davon ist, sollte man überlegen, gleich alle Bäume zu fällen", schimpfte Maeder. Dann aber solle man auch nicht jammern, wenn Insekten, Vögel und andere Wildtiere verschwinden.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    701726
    04.03.2019

    VieleBäume brauchten nicht komplett gefällt werden, ein ordentlicher Rückschnitt
    würde oft langen und die Tiere hätten eine Heimat. Auch in Chemnitz werden viele Bäume gefällt wo ein kleiner Schnitt geholfen hätte und nachdenken diese Eigenschaft ist fast verloren gegangen.

  • 3
    2
    Tokeah
    01.03.2019

    Man kann Gefahrensitustionen und Verkehrstechnische, auch infrastrukturelle in Erwägung ziehen, sie geben aber viel zu oft zu Unrecht den Ausschlag, siehe Hinweise im Artikel selbst. Es bedeutet aber auch immer einen Eingriff in die Natur gegen jene, die sich nicht Wehren können, sich neue Nistplätze und Nahrungsquellen zuwenden müssen die immer weniger gegeben oder noch vorhanden sind. Das bedeutet auch immer wieder zunehmender Konkurrenzkampf und Vögel und auch Insekten. Immer weniger bleiben davon dann auf der Strecke. Sehen kann man dies am Beispiel der Bienenvölker. Man kann es sehen, wenn wir jedes Jahr die Vogel zählen, nicht immer ist ein langer, heißer oder trockener Sommer schuld, wie oft fälschlich angenommen wird. Auch, aber nicht nur. Zudem muss man auch sehen, dass mit dem Fällen von Bäumen die menschliche Natur und Gesundheit ihren Tribut fordert. Das ist nicht einfach so hingeschrieben. Wer einmal genauer nachdenkt, sich eingehend damit befasst und auseinander setzt, weiss was damit gemeint ist. Wenn es so weiter geht und es geht so weiter in den nächsten Jahren, muss sich über entsprechende Auswirkungen nicht wundern. Der Mensch kommt eben fast nie aus Vernunft zur Vernunft. Und das ist das Bedauerlicherweise an sich.



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