Das Rätsel um "Gerese"

Kreisgeschichten: Woher Westsachsens Städte und Dörfer ihre Namen haben. Teil 26: Jerisau

Jerisau.

Alles hat damit angefangen, dass Lothar Gumprecht in einem der Bücher von Werner Haueisen blätterte. Dort stieß der Jerisauer auf einen Passus, der besagt, dass Jerisau im Jahr 1166 erstmals urkundlich erwähnt wurde, nämlich als "Gerese". Werner Haueisen, inzwischen verstorbener Ortschronist, hatte mehrere Bild-Bände zur Glauchauer Geschichte herausgebracht. Lothar Gumprecht besitzt sie alle und stöberte darin. Er selbst stammt aus Reinholdshain, später verschlug es ihn nach Leipzig, ehe er vor ein paar Jahren in seine Heimat zurückkehrte und sich in Jerisau niederließ.

Doch was soll man anfangen mit der Information, dass 1166 von einem "Gerese" die Rede war, einem Dorf in der Aue an der Mulde mit 13 Gütern? Warum der Ort "Gerese" genannt und wie daraus Jerisau wurde, weiß auch Gumprecht nicht. Im Laufe der Jahrhunderte gab es für den Ort verschiedene Bezeichnungen. Im "Digitalen histori- schen Ortsverzeichnis von Sachsen" sind nach "Gerese" um 1270 "Geres", 1363 "Jeris", 1460 "Jaryß" und "Jeriß", 1497 "Jerße", 1528 "Jirchaw", 1534 "Geris", 1593 "Gersau" und schließlich 1830 "Jerisau" angegeben.


Die "Entdeckung", die Lothar Gumprecht bei der Lektüre gemacht hat, nahm der Bürger- und Heimatverein Jerisau/Lipprandis nach den Worten seines Vorsitzenden Guntram Berger zum Anlass, in diesem Jahr das 850-jährige Bestehen von Jerisau zu feiern. Das Fest ging im August auf der Pfarrwiese über die Bühne. "Der entscheidende Hinweis kam von Herrn Gumprecht", sagt Berger.

Jetzt steht vor den Mitgliedern des Vereins eine weitere Aufgabe, nämlich die Ortsgeschichte noch mehr aufzuarbeiten und vor allem der Frage nachzugehen, was es mit dem Namen "Gerese" auf sich hat. "Da sind wir momentan noch ganz am Anfang", sagt Gerhard Lorenz, Gründungsmitglied des Bürger- und Heimatvereins. Ziel sei es, eine Ortschronik für Jerisau/Lipprandis zu erarbeiten und herauszubringen.

chronist und Heimatforscher Rolf Scheurer die Zeit um die erste urkundliche Erwähnung von "Gluchowe", also Glauchau, im Jahr 1240. "In der näheren Umgebung bestanden zu dieser Zeit einige sorbische Weiler und Dörfer. Wir dürfen die jetzt noch bestehenden Orte Schlunzig, Jerisau und Gesau dazuzählen", schreibt Rolf Scheurer in diesem Text.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...