Derzeit kein Geld für Sozialarbeiter

Der Jugendhilfeausschuss hat eine Streichliste des Jugendamtes abgelehnt. Doch auch das bringt Vereine in die Bredouille.

Zwickau/Werdau.

Als der Jugendhilfeausschuss des Kreises nach langer Debatte und zwei Auszeiten am Mittwochabend in Werdau auseinander ging, blieb ein Scherbenhaufen: Die Anträge auf Personalkostenförderung liegen für fast alle Vereine auf Eis. Sprich: Bis kein neuer Beschluss gefasst ist, zahlt der Landkreis den Trägern ab April keine müde Mark für ihre Sozialarbeiter. Und korrigieren ließe sich das erst im Mai - zur nächsten Sitzung. Wie die "Freie Presse" am Abend erfuhr, soll es Ende März allerdings eine Sondersitzung geben.

Annegret Welschke, Vorsitzende des Jugendrings, dem Dach von mehr als 60 Kinder- und Jugendvereinen, sagte kurz nach der Sitzung: "Das müssen wir erst einmal verdauen." Sie sieht gerade bei kleinen Vereinen große Probleme. Koordinatorin Heidrun Wagner ergänzte: "Manchen bleibt da nur die Insolvenz."

Planungssicherheit haben lediglich drei Antragsteller: Kein Geld bekommen Katholische Kinder- und Jugendarbeit und Kreissportbund. Der Jugendring Westsachsen bekommt nur noch Geld für 1,6 Stellen (vorher 1,7). Die übrigen Beschlüsse sind (gegen die Stimmen der CDU) mehrheitlich abgelehnt worden.

Was war passiert? Auf Vorschlag des Jugendamtes sollten etliche Vereine und Häuser mit weniger Geld als beantragt auskommen. Konsequenz: Einige Angebote sterben. Das aber wollten Vertreter der Vereine sowie Linke, SPD und Freie Wähler verhindern. Zudem wollten vor allem die Vereine den mühsam erkämpften Beschluss von 2018 nicht torpedieren. Damals wurde eine Gehaltserhöhung für Sozialarbeiter beschlossen: ab 2020 rund 10.000 Euro brutto im Jahr mehr.

Am Sitzungsbeginn sah es noch nach Vertagung aus. Bis Mai sollte um Lösungen gerungen werden. Den Antrag zogen die Vereinsvertreter jedoch zurück, nachdem Landrat Christoph Scheurer (CDU) erklärte, dass bei einer Vertagung kein Bescheid erstellt werden könnte. Danach brachte Dorothee Obst (Freie Wähler) den Vorschlag, alle Erstanträge und jene auf Erhöhung abzulehnen. Zudem sollten die Sozialarbeiter von den versprochenen höheren Löhnen nur 90Prozent bekommen. Am Jahresende sollte übriges Geld verteilt werden. Obst hatte detailliert ausgerechnet, dass dafür das Budget reicht. Doch der Antrag fand keine Mehrheit. Traugott Kemmesies (Diakonie): "Nach Gutsherrenart einfach zehn Prozent weniger zu bezahlen - die Zeiten sind vorbei."

Obst hoffte noch am Donnerstagvormittag, dass der Landkreis Fraktionen und Träger schnell an einen Tisch ruft, um die Kuh nun vom Eis zu kriegen. Das ist wohl geschehen.


Durchgefallene Streichliste des Jugendamtes

Bei den Jugendklubs sollten der Kirchberger Club und der Glauchauer "Würfel" leer ausgehen, im Zwickauer Jugendhaus "Off is" nur eine Vollzeitstelle finanziert werden (vorher 1,55). Die Neuanträge des Zwickauer Fanprojektes und der "Bunten Box" des CVJM sollten abgelehnt werden.

Die Kompetenzagentur der Glauchauer Berufsförderung sollte anstatt 3,2 nur zwei Stellen finanziert bekommen, die Jugendwerkstätten des FAB nur zwei statt vier Stellen.

Beim erzieherischen Jugendschutz würde der Zuschuss fürs Kindertelefon des Kinderschutzbundes leer ausgehen, was zuvor mit einer halben Stelle kofinanziert wurde. Kein Geld gäbe es für ein Projekt für Kinder psychisch kranker Eltern.

Die Familienzentren Kirchberg und Härtensdorf sowie die Elterntreffs von Mütterzentrum und Lernwerkstatt Zwickau sollten nur für eine 0,8-Stelle bezuschusst werden. Vorher gab es je eine Vollzeitstelle. (upa)


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