Die Fotografin und ihre Lieben

Li Erben verewigte in ihren Bildern viele große Künstler. Ihre Lebenserinnerungen sind eine Liebeserklärung an ihre verstorbenen Ehemänner.

Zwickau.

"Für Victor und Dieter" steht auf der ersten Seite des 176 Seiten umfassenden Buches "Li Erben. Nie gestellt und nie geschönt". Die in Zwickau und Paris lebende Li Erben stellte ihre Lebenserinnerungen am Freitag erstmals in Zwickau vor - zusammen mit der Verlegerin Barbara Miklaw - im ausverkauften Robert-Schumann-Haus. Denn der Text "basiert auf zahlreichen Gesprächen zwischen Li Erben und Barbara Miklaw, die zwischen Sommer 2015 und 2018 aufgezeichnet und für die Niederschrift der Lebenserinnerungen verwendet wurden". Ein wichtiger Bestandteil des Werkes sind Li Erbens Bilder, darunter private Fotos wie das "Fotoalbum Li mit Victor, von 1968 bis 1985" unddie Bilder aus dem Fotoalbum "Li mit Dieter, 1991 bis 2009", die jeweils ein Foto pro gemeinsames Jahr enthalten. Die beiden Männer sind ihre ganz großen Lieben. Mit diesem Buch will die Deutsch-Französin die beiden mit ihren ganz persönlichen Erinnerungen der Vergessenheit entreißen. Den 21 Jahre älteren russisch-amerikanischen Regisseur Victor Vicas lernte die am 29. April 1939 geborene Li Erben 1968 als 29-Jährige kennen und lieben. Bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1985 lebte und arbeitete das Paar zusammen in Paris. Sein Tod stürzte sie in eine große Krise, brachte sie aber im Nachhinein gesehen "auch nach vorne, trotz unendlicher Trauer". Den 1941 in München geborenen Architekten Dieter Walz lernte sie 1990 bei einer Sommerparty kennen. "Er erschien Li wie eine Reinkarnation von Victor Vicas", heißt es im Buch. Nur dass er jünger war, etwa in ihrem Alter.

Das Buch ist wie schon ihr erstes, das 1999 vom Deutschen Filmmuseum Frankfurt herausgegebene Buch "Gesichter-Szenen-Impression - Fotografien von Li Erben", in Deutsch und Französisch geschrieben. Es erzählt auch von Erbens Werdegang, die 1958 mit 19 Jahren die jüngste Standfotografin beim deutschen Film war. Ihre erste Kamera bekam Li Erben als Achtjährige geschenkt, nachdem sie zuvor als Kinderfotomodell für eine Strickwarenfirma im Modefotostudio von Walde Huth posierte, in dem sie später den Beruf der Fotografin erlernte. Die Ausbildung gab ihr Gelegenheit, ihre Chefin zu großen Modenschauen, unter anderem nach Paris und Florenz, zu begleiten. Während eines Betriebsausflugs nach München schaute sie 1955 die Ausstellung "The Family of Man" an, die ihr Leben veränderte. Fortan wollte sie keine Modefotografin sein, sondern das wirkliche Leben abbilden. Li Erben studierte Bildjournalistik in München und wurde von Regisseur Kurt Hoffmann entdeckt. Das Buch erzählt auch von ihren Begegnungen und der Arbeit mit großen Stars, aber vor allem von ihrer Liebe zu den beiden Männern, ihrer Familie und ihren Freunden. In seinem Vorwort zum Buch schrieb Dieter Kosslick, ehemaliger Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin, im Oktober 2018: "Federico Fellini nannte LiErben ,Meine kleine Divina'. Victor Vicas und Dieter Walz hatten das Glück, ein Leben mit ihr teilen zu dürfen. Wir Leser und Betrachter haben das Glück, einer großen Persönlichkeit zu begegnen, die in ihrem Leben so viel kreative Energie erzeugt hat, dass ihr Lebenswerk für immer leuchten wird."

Unter den Zuhörern im Robert-Schumann-Haus entdeckte Li Erben sehr viele vertraute Gesichter, darunter viele Freunde, die auch ihren am 3. Januar 2010 verstorbenen Mann Dieter Walz, mit dem sie vor über 20 Jahren nach Zwickau kam, kannten und schätzten. So wie Lutz Engelmann, Chefarzt der Zwickauer Orthopädie am Heinrich-Braun-Klinikum. Engelmanns Ehefrau Rita ist eine der sogenannten "Bärenfrauen" - eine Verbindung von zehn Frauen aus unterschiedlichen Berufen, die sich einmal im Monat in Zwickau treffen aber auch gemeinsam verreisen und zu Konzerten, Ausstellungen und ins Kino gehen. Li Erben und eine Freundin aus dem Rheinland sind froh, als "Westfrauen" zu dieser Gemeinschaft der "Ostfrauen" zu gehören. Wobei Ost und West schon lange keine Rolle mehr spiele.

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