Drogenpäckchen steckt im Briefkasten

Weihnachten 2017 findet eine junge Hohenstein-Ernstthalerin Crystal im Marktwert von 7000 Euro in ihrem Briefkasten. Sie geht damit zur Polizei.

Hohenstein-Ernstthal.

Es geht an sich beschaulich zu in der Kleinstadt Hohenstein-Ernstthal. Doch der Frieden ist trügerisch. Auch in der Karl-May-Stadt gehören Drogen längst zum Alltag. Der kurioseste Drogenfall des Jahres wurde jetzt am Amtsgericht verhandelt.

Ahnungslos schaut am Heiligabend 2017 eine junge Frau aus Hohenstein-Ernstthal in ihren Briefkasten. Als sie die kristalline Substanz in der Folienverpackung spürt, ahnt sie: Das ist nicht vom Weihnachtsmann. "Ich habe eine Ecke aufgepopelt und war mir sicher, dass es sich um Drogen handelt", sagt die 25-Jährige. Der Inhalt des Päckchens: 98,75 Gramm Crystal mit 67,3 Gramm reinem Wirkstoffgehalt - genug Stoff für 500 Konsumeinheiten. Eine Konsumeinheit reicht bei manchen Menschen schon aus, um abhängig zu werden. Dauerhafter Konsum richtet Schäden in der Hirnstruktur an. Der Marktwert des Päckchens: rund 7000 Euro. Bestimmt war es für den Lebensgefährten der jungen Frau. Von ihm hatte sie sich gerade getrennt. Sie verständigte die Polizei, die beschlagnahmte das Päckchen. Der Verlust löste in der Szene die erwartete Rektion aus. Der mutmaßliche Lieferant rückte mit einer Truppe junger Leute an ihrem neuen Wohnsitz an. "Sie drohten damit, mir und meiner Familie etwas anzutun, wenn ich die Drogen nicht herausgebe. Erst, als mein Vater ihnen den Beschlagnahmezettel der Polizei vom Fenster aus zugeworfen hatte, war Ruhe", erinnerte sich die Zeugin vor Gericht.

Äußern wollte sich der Angeklagte zu den Vorwürfen gar nicht. Über seine Verteidigerin ließ er verlauten, er habe mit dem Ganzen nichts zu tun. Dagegen sprach allerdings einiges. Ein vor Ort beim Angeklagten vorgenommener Drogentest reagierte auf Amphetamine positiv. Gegen den Angeklagten sprachen auch die Bemerkungen, die er nach dem Verlust des Päckchens gegenüber seiner Verflossenen gemacht hatte und die Aussagen der Polizeibeamten. Auch die Auswertung der Handykommunikation deutete auf den Angeklagten als den geplanten Empfänger des Päckchens hin. Das Gericht hatte keine Zweifel an der Schuld des Mannes.

Beim Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz sieht der Gesetzgeber für den Handel mit Drogen in "nicht geringer Menge" - bei Crystal ab fünf Gramm - eine Haftstrafe von einem bis fünf Jahre vor. "Sie wollten mehr als das 17-Fache einer nicht geringen Menge verticken", machte Richter Manfred Weber deutlich. "Zu Ihren Gunsten kann man allenfalls werten, dass es Ihnen nicht gelungen ist, das Zeug unter die Leute zu bringen. Und auch das ist nicht Ihr Verdienst, sondern Ihrer damaligen Freundin zu verdanken."

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sein mutmaßlicher Lieferant ist bereits verurteilt. Weil sein Urteil ebenfalls noch nicht rechtskräftig ist, befindet sich der Lichtensteiner noch auf freiem Fuß. Er machte beim Prozess als Zeuge von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Dem Angeklagten nützte das allerdings nichts.

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