Ein Stück Stadtgeschichte verschwindet

Der Abrissbagger greift nach dem Theater in der Mühle. Vor 72 Jahren begann die Geschichte des Hauses als Stadtmühle.

Zwickau.

Am Silvesterabend 2018 war im Zwickauer Theater in der Mühle (TiM) der letzte Vorhang gefallen. Jetzt endet auch die Geschichte des Gebäudes selbst. Seit Dienstag greifen Abrissbagger nach dem 72 Jahre alten Haus. Es macht dem Neubau der Zentrale der Gebäude- und Grundstücksgesellschaft (GGZ) Platz.

Dabei hat die Immobilie ein Stück Stadtgeschichte mitgeschrieben. Errichtet worden war der Bau in den Jahren 1945 und 1946 als Stadtmühle, nachdem die alte Mühle im Krieg zerstört worden war. Später wurde die Mühle dem VEB Kombinat Getreidewirtschaft als Betriebsteil VEB Mühlenwerke Zwickau zugeordnet. Rund 42.000 Tonnen Getreide wurden dort pro Jahr verarbeitet. Anfang der 70er-Jahre suchte das Mühlenkombinat einen neuen Standort. Zur gleichen Zeit wurden für das Stadttheater neue Funktionsräume gesucht, weil mit dem Umbau des Stadtzentrums zahlreiche bisher genutzte Gebäude abgerissen werden sollten. Am 5. Juni 1973 wurde dazu eine Besichtigung der Stadtmühle vorgenommen. Das Fazit laut Protokoll von damals: "Der Zustand der Bausubstanz sowie die räumliche Anordnung eignen sich für eine weitere Nutzung". Zum 1. Januar 1974 kaufte die Stadt die Mühle für 830.607 Mark der DDR. Inklusive Kaufpreis hofften die Stadtväter, mit 1,3 Millionen Mark beim Umbau auszukommen.

Die Bausumme war ebenso wie die Eröffnung 1976 Wunschdenken. Die Kosten wuchsen auf 3Millionen Mark. Weil der Rat des Bezirkes keinen Zuschuss auspackte, musste gespart werden, was auf die Qualität des Baus Auswirkungen hatte. Wann genau die Idee vom Keller- theater geboren wurde, ist nicht bekannt. Am 7. Oktober 1976 jedenfalls hatte das "Intime Theater", wie es anfangs hieß, mit "Die Ausgezeichneten" Premiere. Ab 2010 gab es Probleme. Die Bausubstanz wurde schlechter, der Brandschutz fehlte ganz. Das Theater musste die oberen Stockwerke räumen. 2016 verkaufte die Stadt das Gebäude für 217.000 Euro an die GGZ.

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