Eine Frau mit großem Herz für behinderte Kinder

Spontan hatte Katja Eitler Nein gesagt, als sie gebeten wurde, die Leitung der Behindertenschule in Hirschfeld zu übernehmen. Schreibtischarbeit ist nämlich nicht ihr Ding. Dass sie dann doch zusagte, hat gute Gründe.

Hirschfeld.

"Unsere Schüler kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben", sagt Katja Eitler, die seit 2008 an der Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Hirschfeld arbeitet und diese seit Januar leitet. Zu solchem Erleben gehört auch, dass die 43-Jährige spontan im Schulhaus von einem Kind umarmt wird. Nach ein paar Streicheleinheiten löst es sich wieder von der Frau und strahlt sie an.

Katja Eitler war schon früh für Kinder da, die Hilfe brauchen. "Als Jugendliche habe ich mich in Aue während des Gottesdienstes um das blinde Kind des Pastors gekümmert, mich in der kirchlichen Kinder- arbeit engagiert", erzählt sie. Nach dem Studium der Förderpädagogik wirkte sie erst an der Lernförderschule in Crimmitschau, ehe sie nach Hirschfeld kam.

Auf die Frage, ob die Integration behinderter Kinder in einer Regelschule nicht besser ist, betont Katja Eitler, dass sie "ein großer Fan von Inklusion ist. Wenn sie gut gemacht ist. Aber ich finde es auch wichtig, dass es die Wahlfreiheit gibt. Wir befinden uns da noch in einem Prozess. Noch nicht alle behinderten Kinder können an den Regelschulen optimal gefördert werden. Und es gibt auch welche, die kommen mit Schulangst hierher, verstecken sich anfangs unterm Tisch. Bei einer Schülerin haben wir ein Dreivierteljahr gebraucht, bis sie Spaß am Lernen hatte. Dann ist sie über sich selbst hinausgewachsen."

Die Schulleiterin berichtet, dass an ihrer Einrichtung 70 Schüler zwischen sieben und 18 Jahren unterrichtet werden - , so viele wie noch nie. Darunter gebe es Kinder mit körperlicher und geistiger Behinderung, die im Pflegebett unterrichtet werden, andere, die im Rollstuhl sitzen, und wieder andere mit Downsyndrom. "Ich bin sehr froh, dass auch für diese Mädchen und Jungen bei uns Schulpflicht besteht. Das war zu DDR-Zeiten anders", sagt sie. Als die Schule 1991 gegründet wurde, war sie die erste dieser Art in Sachsen. Und Günter Barthel, ihr Vorgänger auf dem Chefposten, hat sie aus einer Betreuungsgruppe heraus aufgebaut. Als sein Ruhestand nahte, fragte er Katja Eitler, ob sie die Leitung übernehmen würde. Und sie sagte spontan Nein. "Ich bin einfach mit Leib und Seele Klassenleiterin, viel lieber bei den Kindern als hinterm Schreibtisch, um die viele Bürokratie zu erledigen", begründet die Pädagogin. "Dann habe ich mit meiner Familie gesprochen, das Für und Wider abgewägt und mich mit dem Gedanken angefreundet, doch die Leitung zu übernehmen und das Vermächtnis von Günther Barthel fortzusetzen.

Katja Eitler liebt und schätzt die Mädchen und Jungen, die zu ihr in die Schule kommen. "Unserer Gesellschaft würde so viel verloren gehen, wenn wir sie nicht hätten", sagt die Pädagogin. "Wir bieten ihnen hier einen Schutzraum, in dem sie sich entwickeln können." Sie erzählt, dass nicht jeder Schreiben, Lesen und Rechnen lernt. "Aber wir gehen auf jeden individuell ein, versuchen jeden bestmöglich zu fördern. So machen wir manchmal in einer Klasse für jeden entsprechend seiner Fähigkeiten ein anderes Arbeitsblatt zum gleichen Thema. Bei unseren Theateraufführungen gewinnen die Schüler Selbstvertrauen, zeigen oft ungeahnte Talente."

Was die Mädchen und Jungen tun, wenn sie die Schule verlassen? Katja Eitler erzählt, dass sie in langen Praktika versuchen herauszufinden, was sie können und wollen. Einige würden dann stolz in einer Behindertenwerkstatt arbeiten, andere in Außengruppen, beispielsweise im Tierpark Hirschfeld, der gleich nebenan liegt. "Und mancher schafft sogar im Berufsvorbereitungsjahr seinen Hauptschulabschluss und macht eine Lehre. "Als ich kürzlich über Facebook die Nachricht eines ehemaligen Schülers bekam, dass er eine Malerlehre absolviert hat und nun in dem Beruf arbeitet, standen mir vor Freude die Tränen in den Augen", sagt die Schulleiterin, die selbst fünffache Mutter ist.

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