Einstiger Schandfleck jetzt beliebter Treff

So viel Leben war wohl noch nie im alten Rentamt. Ob Seniorenkaffee oder Zwergentreff - täglich kommen 40 bis 50 Gäste. Die Finanzierung des Hauses ist aber jedes Jahr ein Kampf.

Wildenfels.

Immer wenn Annemarie Hauser donnerstags im Mehrgenerationenhaus an der Wildenfelser Schlossstraße zum Mittagstisch einlädt, kommen so um die 20Leute aus allen Altersgruppen und lassen es sich schmecken. Die Frau gehört zu den 20 Ehrenamtlern in der Einrichtung, die vor einem Jahr aus dem Wildenfelser Ortsteil Härtensdorf ins Rentamt, die frühere Finanzbehörde, eingezogen ist.

Kurz nach den Mittagsgästen treffen die ersten Senioren zum Kaffeetrinken und Plauschen ein. Sie bleiben bis zum Abendbrot. Die Kaffeestube ist das Herzstück des etwa 250 Jahre alten Hauses, das lange leer stand und ein Schandfleck war, ehe es für 1,1 Millionen Euro denkmalgerecht saniert und behindertengerecht ausgebaut worden ist. 80Prozent der Summe flossen als Fördergeld.


Montags bis donnerstags ist die Kaffeestube jeweils ein paar Stunden geöffnet, außerdem jeden zweiten Freitag und letzten Samstag im Monat. "Bei schönem Wetter können unsere Gäste auf der Terrasse sitzen und den wunderschönen Blick ins Wildenfelser Zwischengebirge genießen", sagt Projektleiterin Daniela Joram, die das Mehrgenerationenhaus mit viel Herzblut leitet. Sie berichtet, dass das öffentliche Interesse an der Einrichtung gestiegen ist, seit sie vor einem Jahr in die Stadt gezogen ist. "Nach wie vor kommen viele, um das Haus zu besichtigen. Alle sind beeindruckt, was aus dem Gebäude geworden ist. Durchschnittlich 40 bis 50 Gäste können wir täglich bei uns begrüßen."

Da in Wildenfels mehr Platz als in Härtensdorf ist, konnte das Angebot erweitert werden. So gibt es Kurse zur frühkindlichen Bildung, Eltern-Kind-Kurse und einen Tanzkurs für Senioren. Auch die Volkshochschule Zwickau hat sich eingemietet. "Ein Kurs für Senioren zur Handynutzung ist abgeschlossen, ein weiterer läuft, und im September beginnt ein neuer", sagt Daniela Joram. Außerdem wird unter anderem zum Familienfrühstück, Zwergentreff, Kindersport, Spielabend und zu Ferienworkshops eingeladen. "Bei uns finden sich Leute, die auf der Straße wahrscheinlich nicht in Kontakt gekommen wären", sagt die Leiterin. Sie berichtet, dass auch Netzwerke geknüpft worden sind, beispielsweise zu Selbsthilfegruppen. Einen Runden Tisch Kinder-, Jugend- und Familienarbeit gibt es ebenfalls. Geplant sei eine Vereinsmesse, bei der die Besucher erfahren, wo sie Gleichgesinnte treffen und sich engagieren können.

"Wir könnten mit unseren gewachsenen Möglichkeiten hier noch mehr machen", sagt Daniela Joram. "Aber mit unseren derzeitigen Ressourcen sind wir an Grenzen gestoßen." Die Frau berichtet, dass die Einrichtung seit zehn Jahren die gleiche Förderung erhält. Dabei seien die Lohn-, Neben- und Sachkosten in dieser Zeit stark gestiegen. In die drei Vollzeitstellen im Haus teilen sich sieben Mitarbeiterinnen, die laut Joram oft nicht auf die Uhr sehen, wenn es um ihre Arbeitszeit geht. Hinzu kommen die Ehrenamtler, die großen Anteil daran haben, dass es so vielfältige Angebote gibt.

Die Projektleiterin berichtet, dass sie jährlich reichlich 123.000 Euro zur Verfügung habe. 30.000 Euro gibt es vom Bund, knapp 30.500Euro vom Landkreis, 10.800 Euro vom Kulturraum Vogtland-Zwickau, gut 22.500 Euro von der Stadt Wildenfels und 2200 Euro von der Bürgerstiftung Sachsen. Immerhin gut 27.000 Euro erwirtschaftet das Haus selbst, beispielsweise durch Mitgliedsbeiträge. "Mehr ist nicht drin. Schließlich soll sich jeder den Besuch hier leisten können", sagt Daniela Joram, die sich ärgert, dass jedes Jahr erneut der Kampf um die Fördergelder beginnt, der viel Kraft und Zeit kostet. "Um eine Nachhaltigkeit zu sichern, würden wir uns angemessene Zuschüsse vom Bund und auch vom Land wünschen. Aber vom Land bekommen wir bisher überhaupt kein Geld."

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